Idyllisch gelegen: Grabkapelle auf dem Württemberg Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa

Schon einmal ist die Stadt Fellbach mit einem Antrag beim Verband Region Stuttgart auf Granit gebissen. Beim zweiten Anlauf ist nun eine Entscheidung gefallen.

Mal erfrischender Rückenwind, mal vorübergehende Flaute mit vagen Perspektiven, mal kräftiger Gegenwind: Mit ihren Windkraftplänen erfährt die Stadt Fellbach derzeit die unterschiedlichsten Reaktionen.

 

So hat das Repowering, also die Auf- und Umrüstung des Windparks Hochsträß auf der Schwäbischen Alb, den Stadtwerken Fellbach nicht nur energischen Zuwachs, sondern auch einen veritablen Imagegewinn beschert. Immer mal wieder pilgern Gruppen aus Fellbach gen Gerstetten-Gussenstadt im Landkreis Heidenheim, um die beiden neuen Riesen-Windräder in Augenschein zu nehmen. Dort betreiben die Fellbacher Stadtwerke bereits seit dem Jahr 2001 vier Windenergieanlagen mit 75 Metern Nabenhöhe und 47 Metern Rotordurchmesser.

Super-Windräder aus Fellbach auf der Schwäbischen Alb

Dieses Quartett wurde im vergangenen Jahr „repowert“, wie es im Fachjargon heißt, also mit neuer Energie versehen und durch ein Duo ersetzt – das allerdings deutlich leistungsfähiger ist. Die beiden Anlagen (Nabenhöhe je 169 Meter, die Flügelspitzen reichen bis 244 Meter) verfügen über eine Gesamtleistung von 11 200 Kilowatt, die alten Windkraftanlagen lieferten lediglich 2640 kW. Mit den jetzt jährlich erzeugten 20 Millionen Kilowattstunden Strom lassen sich circa 8000 Haushalte versorgen.

„Der Ausbau weiterer Erzeugungskapazitäten aus Windenergie spielt eine wichtige Rolle, um die eigenen Klimaziele zu erreichen“, erläutert der Fellbacher Stadtwerke-Geschäftsführer Gerhard Ammon. Mit einer überschaubaren Anzahl neuer Anlagen könne eine hohe Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erreicht werden.

Deshalb basteln die Stadtwerke Fellbach schon seit einiger Zeit an einem weiteren Windpark. Doch dieses Vorhaben befindet sich eher noch in einer Art Schwebezustand: Es liegt auf den Schurwaldhöhen, gemeinsam sind die Stadtwerke aus Fellbach und aus Schorndorf sowie die Energieversorgung Filstal seit Langem bestrebt, auf dem Areal eines ehemaligen Bundeswehrdepots das dafür seit mehr als einem Jahrzehnt vorliegende, 42 Millionen Euro teure Windenergie-Konzept umzusetzen.

Wind-Widerstand in Schurwald-Gemeinden

Gegenwind kommt im Schurwald allerdings aus umliegenden Orten, vor allem die Adelberger Bürgermeisterin Carmen Marquardt hält mit ihrer Kritik nicht hinterm Berg. Die Stadtwerke Fellbach und Schorndorf rechnen trotzdem mit einer Genehmigung des zuständigen Göppinger Landratsamts noch bis zum Frühwinter dieses Jahres.

Gar keine Chance haben allerdings mittlerweile die Fellbacher Pläne für ein Windrad im Bereich des hinteren Kappelbergs. Dass dieses Projekt wenig Chancen auf Realisierung hat, ist zwar nicht ganz neu, steht mit den neuesten Entwicklungen und dem jetzt ausformulierten, bedauernden Schlusskommentar der Fellbacher Stadtverwaltung an die Region aber endgültig fest.

Schon vor gut eineinhalb Jahren war der entsprechende Antrag aus dem Rathaus Fellbach beim Verband Region Stuttgart auf Granit gebissen. Das erwünschte Vorhaben am offiziell RM-20 genannten Standort tauchte erst gar nicht auf der regionalen Liste mit den möglichen Windkraftanlagen auf.

Die Verantwortlichen in der Region verwiesen insbesondere auf die nahegelegene Grabkapelle auf dem Stuttgarter Württemberg. Bei der Kapelle handele es sich um ein „in höchstem Maße raumwirksames Kulturdenkmal“, so die Botschaft aus Stuttgart gen Fellbach.

Befürchtung: Optische Beeinträchtigung für Grabkapelle

Das geplante Wind-Vorranggebiet bedeute „eine potenziell erhebliche, visuelle Beeinträchtigung der Grabkapelle auf dem Württemberg“. Dies führte „zur Herausnahme der Fläche aus der Entwurfskulisse“, so die Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. Fellbach zeigte sich zunächst irritiert und erklärte, die Herausnahme sei „weder inhaltlich noch methodisch schlüssig“, eine Abwägung aller Belange habe nicht stattgefunden. Das sei ein herber Dämpfer für die Bedeutung der regenerativen Energieerzeugung vor Ort.

Das Fellbacher Rathaus legte daraufhin einen zweiten, überarbeiteten Antrag vor. Doch auch dieser fiel durch – allerdings kam nun neben der Grabkapelle noch ein weiterer Verhinderungsgrund hinzu: Denn in der Nähe befindet sich auch der Flugplatz Esslingen-Jägerhaus. Die sogenannte Platzrunde dort umfasst „einen einzuhaltenden Pufferbereich von 400 Metern im Gegenanflug sowie 850 Metern im Queranflug und Querabflug, einschließlich Kurventeilen“, so die Erklärung.

Eines der zwei bereits bestehenden Fellbacher Windräder auf der Schwäbischen Alb Foto: Dirk Herrmann

Somit wurden mit Blick auf das von Fellbach erhoffte Windrad „die Belange der Flugsicherung als rechtlich zwingender Ausschlussgrund festgestellt“. Denn: „Da die Fläche RM-20 nahezu vollständig innerhalb dieser Pufferzonen liegt, widerspricht sie den zugrunde gelegten Kriterien und kann daher nicht als Vorranggebiet Wind ausgewiesen werden.“

Stellt Windrad die Grabkapelle in den Schatten?

Im Fellbacher Gemeinderat äußerten die Fraktionssprecher jetzt ihr Bedauern über diese windige Abfuhr durch die Region. „Unsere sorgfältige Stellungnahme hatte leider keinen Erfolg“, klagte etwa SPD-Rätin Birgit Berg, „stattdessen kommt nun als neues Gegenargument auch noch die Flugsicherung hinzu“. Auch Ralf Holzwarth (Freie Wähler/Freie Demokraten) fand es nicht ganz schlüssig, warum ein solches Windrad „die Grabkapelle in den Schatten stellen“ würde.

Der Grünen-Rat Stephan Illing stellte die regionalen Argumente infrage: „Man findet als Fußgänger praktisch keine Stelle, an der ein Windrad die Sicht auf den Württemberg stören würde.“ Das neue Argument der Flugsicherung sei im Übrigen fragwürdig, da der Flugplatz ja nicht gerade neu sei.

Letztlich blieb dem Gremium wie auch der Stadtverwaltung aber nicht viel mehr übrig, als sich vom Wunsch, auf dem Kappelberg ein Windrad zu errichten, dauerhaft zu verabschieden.