Das heiße Wetter hinterlässt sichtbare Spuren im Weinberg. Foto: Sascha Sauer

Das heiße Wetter macht den Wengertern zu schaffen. Die Fellbacher Weingärtner rechnen mit rund zehn Prozent Ernteeinbußen. Pilze und Schädlinge wie die Kirschessigfliege machen bei der Trockenheit aber keine Probleme.

Fellbach - Ohne Strohhut geht Thomas Seibold derzeit nicht in den Weinberg. Zu heiß brennt die Sonne. Und das schon seit Wochen. Der Vorstandsvor sitzende der Fellbacher Weingärtner hat so etwas noch nie erlebt: „Meiner Meinung nach ist die Trockenheit stärker als im Jahrhundertsommer 2003“, sagt er.

Vier Liter Trinkwasser nimmt Seibold mit, wenn er in den Weinberg zum Arbeiten geht. Auch die Pflanzen dursten. Weil Reben sehr tiefe Wurzeln haben, sind sie jedoch sehr robust. „Sie trotzen der Trockenheit“, sagt der Wengerter. Doch alles hat seine Grenzen. „Zum Glück hat es am Sonntag ordentlich geregnet, sonst hätten wir ein Problem gehabt.“

Der Vorstandsvorsitzende Thomas Seibold. Foto: Sascha Sauer
Alle Reben zu bewässern sei fast unmöglich, denn man bräuchte unvorstellbare Mengen an Wasser, sagt Seibold. „Das wäre wie ein Tropfen auf den heißen Stein.“ In den jungen Lagen würde man allerdings punktuell mit Tropfbewässerungsschläuchen arbeiten. Eine aufwen­              dige   Proze-   ­dur, denn die Wengerter müssen das Wasser in Fässern in die Weinberge transportieren.

Aber die Hitze hat auch ihre guten Seiten. So seien momentan weder Pilzkrankheiten noch Schädlinge ein Problem, sagt Seibold. Mit Schaudern denkt er an den vergangenen Sommer zurück, als die Kirschessigfliege plötzlich in den Fellbacher Weinbergen auftauchte. Diesen Sommer hat sich das Insekt noch nicht blicken lassen. Der Wengerter weiß warum: „Die Kirschessigfliege kann Trockenheit nicht leiden, sie liebt eher das feuchte Milieu.“

Die Kirschessigfliege steht unter Beobachtung

Doch die Drosophila suzukii, wie sie wissenschaftlich genannt wird, steht bei den Wengertern weiterhin unter strenger Beobachtung. „Wir schicken regelmäßig Proben nach Weinsberg. Die Weinbauschule untersucht, ob es Eiablagen gab“, sagt Seibold. Auch Fangfallen werden wegen der Kirschessigfliege in den Weinbergen aufgestellt. „Monitoring“ heißt das. Dazu werden Plastikbecher gefüllt mit Essig, Apfelsaft und Spülmittel genommen. Das Getier, das in die Fallen gerät, wird ebenfalls in Weinsberg unter die Lupe genommen

Das heiße Wetter hinterlässt mittlerweile sichtbare Spuren. So fallen die Trauben in diesem Jahr etwas kleiner aus. Das muss kein Nachteil sein: „Der Qualität kann das sogar zugute kommen, weil die Aromen in kleineren Beeren konzentrierter sind“, erklärt der Wengerter. Die Trockenheit werde mit Sicherheit rund zehn Prozent der Ernte kosten. Was Seibold aber mehr Kopfschmerzen bereitet, ist der hohe Anteil ausländischer Weine auf dem Markt: „Jeder zweite Deutsche trinkt Wein aus dem Ausland.“ Diese seien oft auch billiger.

Wengerter freuen sich auf Regen

Nach einem milden Winter, einem normalen Frühjahr und einem heißen Sommer wünscht sich Seibold für den Herbst kühle Nächte und sonnige Tage. „Das fördert die Aromenbildung“, sagt er. Aber auch Regen darf nicht fehlen. Erneut so einen Guss wie am Sonntag – das würde ihn freuen.

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