In der Reihe „Saitenspiel“ beglückt die junge Ausnahmegitarristin Inês Sousa die Zuhörer in der voll besetzten Dionysiuskirche.
Ein schöneres Konzert zum 10. Jubiläum der gemeinsamen Konzertreihe der Kulturgemeinschaft Fellbach und der Evangelischen Kirchengemeinde Schmiden-Oeffingen lässt sich kaum denken. Mit einem zugleich anspruchsvollen, außergewöhnlichen, farbenreichen und in sich stimmigen Programm machte die junge Gitarristin Inês Martins de Sousa in der Reihe „Saitenspiel“ ihren Auftritt zu einem Hörerlebnis erster Güte. Dabei war ihre technische Virtuosität nie Selbstzweck, sondern Voraussetzung für eine Kunst, die ein tiefes Verständnis der Werke erkennen ließ. Mit der Intensität ihres Spiels eroberte die zierliche, sympathische, anmutig-bescheidene Musikerin, die für das Konzert in Schmiden eigens aus Salzburg angereist war, die Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer.
Für den Auftakt hatte sie ein Stück der zeitgenössischen Komponistin Maria Camahort mit dem katalanischen Titel „Ponent“ (zu Deutsch „Westwind“) ausgewählt, das den Bogen spannt von Krankheit, Tod und Trauer bis hin zu einer neuen Energie, die aus der Erinnerung erwächst. Von zart und elegisch bis kraftvoll wusste die Interpretin die unterschiedlichen Stimmungen kongenial. zur Geltung zu bringen. Wie zeitlos gültig die Musik Johann Sebastian Bachs zu uns spricht, kam an zwei Werken zum Vorschein, deren Potenzial Inês Sousa in einer selten gehörten Dringlichkeit und Innigkeit auslotete. Bachs Violinsonate Nr. 2 und drei Sätze aus seiner Cellosuite Nr. 6 forderten gerade in ihren leisen Passagen die volle Aufmerksamkeit der Hörer, denen sich auf diese Weise die spirituelle Dimension und existenzielle Tiefe von Bachs Musik erschloss.
„Ein Traum im Wald“ ist die Komposition des ersten Gitarrenvirtuosen Südamerikas Agustin Barrios überschrieben, der von der indigenen Kultur seines Heimatlands Paraguay inspiriert war und diese in europäische Traditionen integrierte. Die hohen technischen Anforderungen des Stücks im Tremolo-Stil leichthin meisternd, versetzte Inês Sousa das Publikum regelrecht in eine träumerische Trance. Vom grünen Wald ist es nur ein kleiner Schritt zu den „Grünen Jahren“ des Meisters der portugiesischen Gitarre Carlos Paredes, der die Folklore Portugals auf eindrückliche Weise in seine Musik überführte. Selbst portugiesischer Herkunft, ließ Inês Sousa die Klänge ihrer Heimat mit viel Empathie aufleuchten. In dem Stück „Aire Vasco“ (Baskische Luft) des blinden spanischen Gitarrenvirtuosen Jiménez Manjón wurde spürbar, wie das Fehlen des Sehvermögens die sensorische Sensibilität verstärkt. Mit ihrer hohen Kunst des differenzierten Spiels ließ Ines Sousa die baskische Luft flirren und nahm die Zuhörer mit auf eine Reise intensiver Gefühle. In Luise Walkers „Regenetüde“ brachte sie die lautmalerischen Elemente elegant zum Ausdruck. Den abschließenden virtuosen Höhepunkt bildete das „Grand solo“ des spanischen Gitarristen Fernando Sor, der in Europa als „Schubert an der Gitarre“ galt. Das Stück markiert einen Wendepunkt von der Gitarre als Begleitinstrument zum eigenständigen Soloinstrument. Zart zupfend und temperamentvoll auftrumpfend lotete Inês Sousa alle Facetten des Gipfelwerks des Gitarrenrepertoires aus und erntete am Ende lächelnd und beglückt den Jubel des begeisterten Publikums, das sich zwei Zugaben erklatschte. Aus Bad Boll angereist war der renommierte Gitarrenbauer Kolya Panhuyzen, der das Instrument gefertigt hatte, dessen Zauber die jungen Solisten so wundervoll zu entfalten vermochte. Den perfekten Rahmen bildete das Kleinod Dionysiuskirche. Wer am Abend dabei war, durfte erfahren, wie Musik, so tief gefühlt dargeboten, die Seele berührt und den Lärm der Welt für eine Weile vergessen macht.
Christa Linsenmaier-Wolf
Bei uns daheim
Die hier veröffentlichten Artikel wurden von Vereinen und Gemeinden, Schulen und Kindergärten, Kirchengemeinden und Initiativen verfasst. Die Artikel wurden von unserer Redaktion geprüft und freigegeben. Für die Richtigkeit aller Angaben übernehmen wir keine Gewähr.