Zumindest bei diesen jungen Zimmermännern herrscht gute Stimmung – hier der Zimmererklatsch der neuen Gesellen auf dem metallfrei verarbeiteten schwebenden Dachstuhl bei der Lossprechungsfeier der Innung Rems-Murr. Foto: Michael Käfer

Überwiegend skeptische Blicke in die Zukunft: Doch beim Wintertreffen zwischen den Handwerkern und der Stadt Fellbach ist in manchen Bereichen auch Zuversicht spürbar.

Die zuletzt offenkundig desolate finanzielle Lage der Stadt Fellbach (Rems-Murr-Kreis) auf der einen Seite sowie die wirtschaftliche Lage des heimischen Handwerks auf der anderen – diese beiden von gravierenden Herausforderungen gekennzeichneten Schwerpunkte standen im Vordergrund des jährlichen Austauschs, der kürzlich wieder zwischen der Kreishandwerkerschaft Rems-Murr und der Fellbacher Stadtspitze stattgefunden hat.

 

Eine wesentliche Erkenntnis: Die strukturellen Änderungen der vergangenen Jahre und Monate haben sowohl im Handwerk als auch in der Stadtverwaltung Spuren hinterlassen.

15 Handwerksinnungen im Landkreis

Das Handwerk im Rems-Murr-Kreis sieht sich nach eigener Einschätzung „breit aufgestellt“. Die in 15 verschiedenen Innungen organisierten, vielfältigen Handwerksbetriebe seien „unterschiedlich stark von der Krise in der Automobilindustrie betroffen“, betonte der Kreishandwerksmeister Thomas Schiek.

Für viele Betriebe gerade im oberen Remstal waren die vergangenen Jahre auch dadurch gekennzeichnet, dass sie mit der Beseitigung der Hochwasserschäden ausgelastet gewesen waren. Insgesamt spürt das Handwerk laut Schiek jedenfalls die Zurückhaltung der Unternehmen und der Verwaltungen bei Sanierungen und Neubauten.

Eine Folge: Inzwischen treffen Insolvenzen vermehrt auch Handwerksbetriebe. Steigende Betriebskosten und ein geringer Planungsvorlauf erschwerten die Rentabilität. Arbeitnehmer, die von den großen Automobilzulieferern ins Handwerk wechselten, gibt es nach Einschätzung der Innung selten.

Wunsch: Heimische Betriebe bei Ausschreibungen berücksichtigen

Denn, so die Handwerksvertreter: „Die Lohn- und die Arbeitszeitvorstellungen sind einfach zu unterschiedlich.“ Gerade Schreiner und Zimmermanns-Betriebe verzeichneten allerdings einen „guten Zulauf“. Sie können am wenigsten klagen: Die Ausbildungsklassen sind ausgelastet und befinden sich gar an den Kapazitätsgrenzen.

Die Handwerksbetriebe äußerten zudem einige Wünsche in Richtung der Stadt Fellbach. Etwa weniger Bürokratie und mehr Berücksichtigungen der heimischen Betriebe bei Ausschreibungen.

Fellbachs Erster Bürgermeister Johannes Berner und Baubürgermeisterin Beatrice Soltys erklärten mit Blick auf die Ebbe in der Kasse, dass die Stadt „aus finanziellen Gründen sehr zurückhaltend im Bereich Sanierungen und Wohnungsbau“ sei. Die vom Gemeinderat nach teils kontroversen Diskussionen beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen wirken sich jedenfalls zwangsläufig auch auf die städtischen Projekte aus.

Einmal mehr verwies das Rathaus-Duo darauf, dass die Stadt Fellbach in jüngster Vergangenheit bereits erhebliche strukturelle Einsparungen vorgenommen habe. Die Ressourcen – auch im Personalbereich – seien knapp. Dennoch würden bestimmte Vorhaben, wie etwa die Neue Mitte Fellbach im Zuge der Verlegung und des Neubaus der Stadtbahn-Endhaltestelle Lutherkirche oder die kommunale Wärmeplanung, weiter verfolgt.

„Weiße Flecken“ beim Breitbandausbau

„Auch beim Ausbau des Glasfasernetzes gehören wir zur bundesweiten Spitzengruppe“, erklärte Anette Popp, die Wirtschaftsförderin der Stadt Fellbach. Die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull hatte erst vor wenigen Wochen die erfreuliche Abdeckung von 97 Prozent im Stadtgebiet hervorgehoben. 2026 wird der westlichste Bezirk Lindle in Angriff genommen. 2027 sollen die bisher unterversorgten Außenbereiche und Randgebiete folgen – um die dortigen „weißen Flecken“ anzugehen.

Weitere Themen des Meinungsaustauschs zwischen Stadt und Handwerkern betrafen Firmengründungen und die Unternehmensnachfolge sowie die Verwendung der Investitionsmittel des Bundes – Fellbach erhält knapp 26 Millionen Euro – bezogen auf die nächsten zwölf Jahre.