Prävention tut auch in jungen Jahren Not. Foto: Patricia Sigerist

Das Projekt „Kita 2020“ will bereits im Kindergarten dafür sorgen, dass Gewalt keine Chance hat. Initiator ist die Initiative Sicherer Landkreis (ISL). Fachkräfte, Eltern und Kita-Träger werden in das Präventionsprojekt eingebunden.

Fellbach/Kernen - Der Projekt-Titel klingt spröde: „Gewaltprävention im Elementarbereich“. Dabei geht es bei „Kita 2020“ um etwas ganz Simples: Bereits im Kindergarten dafür zu sorgen, dass Gewalt keine Chance hat. Ausgedacht hat sich dieses so einfache wie wirkungsvolle Vorhaben die Initiative Sicherer Landkreis (ISL). Im vergangenen Jahr wurde das Projekt aus der Taufe gehoben – mit noch eher zögerlicher Nachfrage der Kindertagesstätten im Rems-Murr-Kreis. Dafür gibt es in diesem Jahr schon eine Warteliste, wie ISL-Vorstandsmitglied Klaus Auer verrät.

Prävention soll früher ansetzen

In den Genuss der intensiven Betreuung durch Experten kommen in diesem Jahr die Kindergärten „Arche Noah“ in Schmiden und „Isolde“ in Fellbach, „Lange Gärten“ und „Regenbogen“ in Rommelshausen sowie je eine Einrichtung in Backnang und Weissach im Tal. Sie alle profitieren vom „Leuchturmprojekt“ der Initiative Sicherer Landkreis. „Wir wollten etwas Nachhaltiges über mehrere Jahre hinweg anstoßen“, beschreibt Klaus Auer die Absicht. Und es sollte früher ansetzen als die bisherigen Präventions-Angebote. „Kita 2020 soll nicht nur zielgerichtet sein, sondern auch Werte vermitteln“, so Auer.

Mit diesem Vorhaben ging die ISL dann – erfolgreich – auf die Suche nach Sponsoren, und nach Partnern mit Know How – und wurde auch da fündig. Mit im Boot ist der Autor Günther Gugel, der just zur Zeit der Planung sein „Handbuch Gewaltprävention III“ für die Vorschule und die Arbeit mit Kindern veröffentlicht hatte. Dies wurde dann vorab von der ISL – als Initiations-Lektüre – an alle Kindertageseinrichtungen im Kreis verschickt, etwa 450.

Mit von der Partie ist auch Christiane Vetter, Professorin an der Dualen Hochschule im Studienbereich Soziale Arbeit/Elementarpädagogik. Denn auch auf den wissenschaftlichen Charakter des Projekts wird Wert gelegt. Verstärkt wird dieses Duo durch Renate Sonnet und Leo Keidel vom Haus der Prävention in Fellbach sowie Klaus Auer und Ulrich Blaschke von der ISL.

Jede Kita hat eigene Bedürfnisse

„Das Besondere an diesem Projekt ist, dass es kein klassisches Präventionsprogramm ist, sondern ganz neue Wege einschlägt“, erklärt Auer. „Denn jede Kita ist anders, hat ihre speziellen Anforderungen und ihre individuellen Bedürfnisse.“ Deshalb wird mit jedem Kita-Neuzugang erst einmal der Bedarf erarbeitet. Dafür wird nicht nur mit den Erziehern gesprochen, sondern auch mit den Kindern und Eltern. Und dann geht es an die Details und das, was eventuell Sorgen macht. Das kann bei einer Einrichtung ein Problem mit Kriegsspielzeug sein, bei einer anderen eins mit der Kommunikation oder im Umgang mit Migranten. „Je nach Anforderung gibt es einen speziell geschulten Projektbegleiter, der aus unterschiedlichen Feldern kommt“, sagt Klaus Auer. Zum Beispiel aus dem Bereich Tanzpädagogik, vom Theater oder sonstigen Ausdrucksformen.

Wobei er nicht vergisst zu erwähnen, dass die ISL noch weitere Projektbegleiter sucht.

Zu wenig Geld, zu wenig Personal

Solchermaßen ein Kindergartenjahr lang menschlich, fachlich und wissenschaftlich fundiert betreut, lernen die Einrichtungen die Vorzüge des Projekts „Kita 2020“ zu schätzen. Inzwischen haben sich die auch langfristigen Vorteile herumgesprochen und die Nachfrage ist entsprechend gestiegen. Doch die Auswahl ist leider begrenzt: „Wir können nicht alle drannehmen“, sagt Klaus Auer mit Bedauern, „wir haben zu wenig Geld und zu wenig Personal.“

Immerhin ist dank ISL und Sponsoren die Finanzierung für die ersten fünf Jahre gesichert. Und vielleicht spricht sich ja die Effektivität des Projekts herum und findet weitere Unterstützer. Denn so sperrig das Projekt auch benannt wurde – am Erfolg ist nicht zu rütteln.

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