Verbraucherminister Alexander Bonde informiert sich. Foto: Sascha Sauer

Der Verbraucherminister Alexander Bonde erfährt im Chemischen und Veterinäruntersuchungs-amt (CVUA) in Fellbach, wie viel Chemie oft in Partyzubehör steckt.

Fellbach - Der Verbraucherminister geht auf einen Kindergeburtstag. Dort findet Alexander Bonde (Grüne) unter anderem Planschbecken, Pappteller und Puppen. Doch was nach Spaß und Freude aussieht, kann durchaus gefährlich sein. So sind in einer der Puppen chemische Weichmacher enthalten, die die Leber von Kindern schädigen können.

Der Kindergeburtstag ist fiktiv, ausgedacht von Mitarbeitern des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) Stuttgart mit Sitz in Fellbach. Sie wollen dem Verbraucherminister ihre komplizierte Arbeit möglichst praxisnah erklären. Die Experten untersuchen und beurteilen jährlich zentral für Baden-Württemberg mehr als 20 000 Proben von Lebensmitteln, Trinkwasser und Bedarfsgegenständen.

Minister Bonde zeigt sich angesichts der besorgniserregenden Ergebnisse überrascht

Im Zentrallabor für Bedarfsgegenstände zeigt sich Minister Bonde überrascht: „Krebserregende Nitrosamine in Luftballons, Druckfarbenbestandteile in der Schokolade und unerwünschte Stoffe in Muffinförmchen – kaum zu glauben, wie viel Chemie in Partyzubehör für einen Kindergeburtstag stecken kann“, sagt Bonde. Die Produkte in immer grelleren Farben würden heute vor allem außerhalb der EU produziert, so der Minister. „Die Erfahrung zeigt, dass die Standards oft nicht eingehalten werden.“

Werden schädliche Stoffe gefunden, ist das CVUA in der Bringschuld. „Wir müssen beweisen, dass ein entsprechender Stoff vorliegt“, sagt Bonde. Nach geltendem Bundesrecht dürfen die Behörden die Namen der Hersteller aber nicht veröffentlichen. Das missfällt Bonde. Seit dem Fund gesundheitsgefährdender Stoffe in WM-Schminkstiften plädiert er für ein bundesweites Gesamtkonzept, das ermöglicht, die Untersuchungsergebnisse zeitnah zu veröffentlichen und dabei die Namen von Herstellern und Produkten zu nennen.

Am CVUA arbeitet ein interdisziplinäres Expertenteam aus Tierärzten, Biologen und Lebensmittelchemikern

Weil lebensmittelbedingte Erkrankungen trotz vorbeugendem Verbraucherschutz immer wieder vorkommen, besucht Bonde das Zentrallabor für Erkrankungsproben. Dort werden Lebensmittelproben in Zusammenhang mit Erkrankungsfällen aus dem Land untersucht. Die schnelle Analyse der eingesandten Proben umfasst die detektivische Suche nach krankmachenden Mikroorganismen, Viren und Giftstoffen. „Hierzu arbeitet am CVUA ein interdisziplinäres Expertenteam aus Tierärzten, Biologen und Lebensmittelchemikern eng verzahnt mit dem Überwachungspersonal der Städte und Landkreise und Einrichtungen des Bundes zusammen“, erklärt Bonde.

Die Amtsleiterin Maria Roth nutzt am Montag die Gelegenheit, den Minister auf die erschwerten Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Seit die Vorgängerregierung der CVUA fünf Planstellen gestrichen hat, ist es für die rund 240 Mitarbeiter schwieriger geworden, die Masse an Aufgaben zu bewältigen. „Es gibt immer wieder neue Produkte, und auch die Vorschriften werden umfangreicher“, sagt Maria Roth.

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