Unterdurchschnittliche Leerstände in der Ortsmitte
Entgegen vielen Unkenrufe ist Fellbach beim Einzelhandel und in der Gastro beliebt. „Die Leerstandsquote liegt deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt“, stellt Oberbürgermeisterin Gabriele Zull bei einem Gespräch mit der Citymanagerin Thea Heinzler erfreut fest. Anlass der Analyse waren die herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie wiederholt vorgetragene Beschwerden von Bürgern und Händlern, die Innenstadt „sterbe aus“.
„Die gefühlte Realität entspricht nicht den Tatsachen“, kommentiert Thea Heinzler die Rückmeldungen bezüglich vermehrter Leerständen. Bei einer ausführlichen Untersuchung der Belegung der Geschäftsflächen in den Einkaufszonen von Fellbach hat die Citymanagerin nur fünf dauerhafte Leerstände festgestellt. Zwei davon seien aber bereits projektiert. Insgesamt reguliere sich der Wechsel auf den Geschäftsflächen erstaunlich zügig, betonte Heinzler. Vielfach müsse auf die Nachfolge nicht lange gewartet werden. Die Wirtschaftsförderung unterstütze durch Kontakte und Gespräche.
Sieben Prozent Leerstand gibt der Deutsche Handelsverband als „normale Fluktuation“ an. Deutschlandweit stehen derzeit aber deutlich mehr Handelsflächen leer. Der Blick in viele Innenstädte zeigt, dass nicht nur Corona und Online-Kauf Spuren hinterlassen hat, sondern auch, dass sich der Branchenmix verändert. „Diese Entwicklung spüren wir in Fellbach natürlich auch“, so die Citymanagerin. Seit 2023 verfolgt Thea Heinzler die Leerstände akribisch. Sie listet leere Handelsflächen auf, verfolgt die Wiederbelegung und hat so ein umfassendes Bild der Entwicklung. Momentan stehen unter 5 Prozent der insgesamt 301 Handelsflächen in der Innenstadt leer – „eine wirklich sehr gute Quote“, bilanziert Anette Popp, die Leiterin der Wirtschaftsförderung. Sowohl im Bereich Gastro als auch im Handel habe es eine Belebung gegeben. Insgesamt seien knapp 32 Prozent der Gewerbeflächen durch den Einzelhandel und knapp 15 Prozent durch die Gastronomie belegt. Dies sei in vielen anderen Städten leider anders. „Natürlich müssen wir weiter daran arbeiten, dass dies so bleibt“, ist sich die Wirtschaftsförderin sicher. Die Herausforderungen werden dabei nicht weniger. Zu den allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen würde im kommenden Jahr noch die Baustelle für die Verlegung der Endhaltestelle der Stadtbahn oder auch Baumaßnahmen in der Bahnhofstraße kommen. Die Stadtverwaltung arbeitet zusammen mit dem Stadtmarketingverein und den Unternehmen vor Ort Maßnahmen aus, wie der Innenstadthandel in diesen Phasen unterstützt werden kann.
Im Innenstadtbereich ändere sich auch der Branchenmix, so gewinnen Dienstleistungen immer mehr Boden. Gesundheitsleistungen, Versicherungen und andere Formen der Dienstleistungen spielten inzwischen auch in den Ortsmitten eine größere Rolle. Vielleicht wären es diese Veränderungen, die manche Bürger als negativ empfänden, überlegt Thea Heinzler zu den Rückmeldungen. Allerdings habe sich die Geschäftsstruktur schon immer an die tatsächliche Nachfrage angepasst. Früher habe es beispielsweise deutlich mehr Handwerksbetriebe in den Einkaufszonen gegeben. „Es liegt an uns allen, dass wir attraktive Innenstädte haben und behalten“, ist die OB überzeugt. Vor Ort einzukaufen, sei die beste Wirtschaftsförderung.
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