Hier mit „Zack“ auf der Bühne des Staatstheaters Stuttgart (Vorstellung an diesem Donnerstag, 21. Mai), demnächst in Fellbach zu erleben: der ehemalige „Tatort“-Kommissar Wolfram Koch. Foto: Staatstheater

Der großartige Darsteller Wolfram Koch, ansonsten auf allen wichtigen Bühnen Deutschlands präsent, kommt demnächst als Max Frisch nach Fellbach.

Die im Januar gestartete, außergewöhnliche, ja man darf berechtigterweise sagen, einzigartige Reihe unter dem Motto „Beziehungskunst – Künstlerpaare in Literatur, Musik, Kunst“, organisiert von der Kulturgemeinschaft Fellbach (KGF), befindet sich auf der Zielgeraden.

 

Zum Abschluss und Höhepunkt kommen die beiden renommierten, durch viele Fernsehfilme und vor allem als „Tatort“-Kommissare bekannten Akteure Wolfram Koch und Nina Kunzendorf nach Fellbach. Wer sie erleben möchte, sollte sich bei der Kartenbestellung nicht mehr viel Zeit lassen.

Vor zwei Jahren mit Kafkas „Verwandlung“ in Fellbach zu Gast

Wolfram Koch gehört zu den herausragenden und vielseitigsten Schauspielern im deutschsprachigen Raum. Vor zwei Jahren, am 3. Juni 2024, hat er zum 100. Todestag Franz Kafkas auf Einladung der Kulturgemeinschaft in Fellbach aus dessen weltberühmter Erzählung „Die Verwandlung“ gelesen und das Publikum mit einem hoch konzentrierten, die Sprachwindungen Kafkas transparent und eindrucksvoll gestaltenden Vortrag überzeugt. Nun hat ihn die KGF-Vorsitzende Christa Linsenmaier-Wolf erneut gewonnen – für einen Abend, den er zusammen mit der ebenfalls renommierten Nina Kunzendorf gestaltet.

Punktgenau am 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann lesen die beiden, als fabelhafte Sprecher bekannten Schauspielgrößen aus dem Briefwechsel Ingeborg Bachmanns und Max Frischs. Als der Briefwechsel 2022, herausgegeben von Barbara Wiedemann bei Suhrkamp, erschien, war die Sensation perfekt. Bachmann hatte einen großen Teil seiner Briefe an sie vernichtet, die jedoch, da er Abschriften gefertigt hatte, rekonstruiert werden konnten. Das 1400-Seiten-Buch trägt den Titel „Wir haben es nicht gut gemacht“, wurde von den Feuilletons gefeiert und ein Spiegel-Bestseller. Linsenmaier-Wolf: „Die Zuhörer in Fellbach erwartet ein Sprachkunstwerk und Beziehungsdrama, das Koch und Kunzendorf entfesseln werden.“

Wie Wolfram Koch die unterschiedlichen beruflichen Anforderungen, denen er sich stellt und die er sucht, meistert, ist Außenstehenden und auch Linsenmaier-Wolf ein Rätsel. Hinter dem Bühnenstück „Polaris“, das am 16. Mai bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen uraufgeführt wurde und das am 5. Juni ins Repertoire des Deutschen Theaters Berlin aufgenommen wird, steckt eine besondere Entstehungsgeschichte.

Im Januar 2026 waren Wolfram Koch und Julia Gräfner für mehrere Wochen buchstäblich bis ans Ende der Welt gereist und hatten gemeinsam mit Regisseur Jan-Christoph Gockel und Dokumentarfilmer Lion Bischof in der nach Neumayer benannten Forschungsstation in der Antarktis Bilder, Stimmen und das Erlebnis der Abgeschiedenheit im ewigen Eis gesammelt. Ein Abenteuer, das Koch in eine andere, für ihn unfassbar schöne Welt katapultierte. Die Erfahrungen flossen in das Stück mit ein, das einen Kriminalfall und Dokumentarfilm-Elemente verbindet.

In Berlin wird Koch jedoch nicht nur mehrere Aufführungen von „Polaris“ bestreiten, sondern auch an der Dernière eines monumentalen Werks mitwirken, dem bejubelten „Hospital der Geister“ nach Lars von Trier, das mit fast fünf Stunden Überlänge schon physisch eine Herausforderung darstellt, für den ehemaligen Geräteturner kaum ein Problem. Denn, so Linsenmaier-Wolf: „Er hat eine ,Mords-Kuttel’.“

Ehemaliger Kunstturner mit komödiantischem Talent

Zwischendurch stellt Koch an diesem Donnerstag, 21. Mai, am Staatstheater Stuttgart mit dem Solostück „Zack. Eine Symphonie“ seine Spielfreude und sein komödiantisches Talent unter Beweis. In Berlin nutzt Koch überdies die Gelegenheit, Nina Kunzendorf, die dort wohnt, zu treffen und den Briefwechsel für Fellbach zu proben.

Die Nachfrage für „Wir haben es nicht gut gemacht“ ist zur Zufriedenheit der KGF sehr groß. Beginn ist am Donnerstag, 25. Juni, um 19 Uhr im Uhlandsaal der Schwabenlandhalle. Tickets gibt es beim i-Punkt Fellbach für 19 Euro, Telefon 0711 / 58 00 58.