Das Projekt am Bahnhof Fellbach wird von der Region gefördert. Foto: Stadt Fellbach

Die Vision wird Wirklichkeit. Die Fellbacher Gemeinderäte haben mit starker Mehrheit für die Pedelec-Station gestimmt. Das Projekt am Bahnhof wird von der Region mit 75 000 Euro gefördert.

Fellbach - Der „Bahnhof der Zukunft“ – das waberte bisher wie eine Vision durch die Fellbacher Kommunalpolitik, doch plötzlich wird die Erscheinung ruckzuck Realität. Das Baudezernat gibt Vollgas bei der Umsetzung erster Teile das Gesamtkonzepts, und der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung des Jahres den Bau einer Pedelec-Station auf der Nordseite des Bahnhofsgeländes beschlossen. Sie soll im nächsten Jahr eröffnet werden.

Beim Bahnhof der Zukunft soll es um Funktionalität gehen

„Beim Bahnhof der Zukunft geht es nicht um einen Protzbau, wie manchmal behauptet wird, sondern um Funktionalität“, sagte Oberbürgermeister Christoph Palm. Um die Anlage noch 2014 in Betrieb nehmen zu können, soll sie „zu Beginn des neuen Jahres unverzüglich realisiert werden“, so Beatrice Soltys. Jetzt wird zunächst die Ausschreibung der Arbeiten vorbereitet. „Wir glauben, dass die Pedelec-Station eine Bereicherung ist“, sagte die Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. Die Kosten für den Bau und einen dreijährigen Betrieb gibt die Baubürgermeisterin mit 215 000 Euro an, der Verband Region Stuttgart fördert das Projekt mit 75 000 Euro. Eine Werbesäule, die Vorplatzgestaltung und die gestalterische Einbindung in das Gesamtkonzept „Bahnhof der Zukunft“ werden zusätzlich 50 000 Euro kosten. Für die Beschaffung von zehn Pedelecs kommen weitere 25 000 Euro dazu – für die Räder rechnet die Stadt aber mit einem 50-Prozent-Zuschuss vom Verkehrsministerium.

Die Schaflandstraße wird auf eine Spur je Fahrtrichtung verengt

Die Station wird ihren Standort an der Einmündung der Schaflandstraße in die Fellbacher Straße erhalten. Dort ist zwar im Augenblick kein Platz für eine solche Einrichtung, Doch ein Umbau ist sowieso geplant. Die Schmidener Straße gegenüber wird zugemacht und überbaut. Mit der Vier-Quadranten-Konzeption sollen Schwerlastfahrzeuge aus den innerstädtischen Straßenzügen herausgehalten werden, so dass die Schaflandstraße auf eine Spur je Fahrtrichtung verengt werden kann. Und schon bleibt Raum für Fahrräder mit Elektromotor, die ihre Power von einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach der energieautarken Station ziehen. Der Raum fehlt aber den Autos, und das gefällt nicht jedem. Zumindest der FW/FD-Stadtrat Klaus Auer protestierte gegen eine zu starke Verengung der Fahrbahn. Andere Stadträte zweifelten den Sinn der Neuerung an. Erich Theile (CDU) ist nicht überzeugt, dass es funktioniert und kritisierte wie sein Fraktionskollege Jörg Schiller: „Die Verlockung von Fördergeld führt zu einer nicht ausgereiften Planung“. Die CDU-Fraktion forderte zwar eine Bedarfsermittlung für den Pedelec-Verleih, doch das hält SPD-Stadtrat Gerhard Röger für schwierig, schließlich handle es sich um ein nicht vorhandenes Angebot, das sich seine Nachfrage erst schaffe.

Nicht funktionieren wird der Verleih, wenn jemand wie der CDU-Stadtrat Herbert Aldinger am Fellbacher Bahnhof ankommt und dann nach Hause in die Rommelshauser Straße radeln möchte: „Was mache ich dann mit dem Pedelec?“ Tatsächlich richtet sich das Angebot zunächst eher an Touristen, die morgens am Bahnhof ankommen, mit dem Pedelec die Weinberge am Kappelberg oder das Remstal erkunden wollen und abends am Bahnhof wieder abfahren. „Wer schon mal ein Rad in einer fremden Stadt ausgeliehen hat, weiß, was das für ein Gewinn ist“, sagte die SPD-Stadträtin Sybille Mack. Andere wie die FW/FD-Stadträte Michael Eick und Martin Oettinger wiesen darauf hin, dass der Pedelecverleih erst dann wirklich funktioniere, wenn es ein Netz von Standorten gebe – was allerdings auch geplant ist. Beatrice Soltys hat als nächsten Schritt schon eine Pedelec-Station im Bereich der Stadtmitte ins Auge gefasst. Regional entsteht sowieso ein Netz, da als Betreiber überall die Firma Nextbike GmbH aus Leipzig auftritt, die in vielen Ländern Pedelcs verleiht .

Natürlich ist man sich einig, dass es „kein Massenverkehrsmittel“ wird, wie Harald Raß (SPD) meinte, und auch keine „Lösung für alle Probleme“, sagte die Grünen-Stadträtin Agata Ilmurzynska, „solche Lösungen gibt es nicht“. Aber dem Ding kann man schon näher treten, meinte der FW/FD-Startrat Knut Matzen, der zusammen mit Beatrice Soltys und weiteren Stadträten die offenbar beeindruckende Fahrrad-Infrastruktur in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen besichtigt hat.

Der Gemeinderat segnete die Pedelec-Pläne mit 23 gegen 8 Stimmen ab.

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