Fellbach Das Freibad ist jetzt Geschichte

Von Eva Herschmann 

Zum letzten Mal kommen die Besucher zum Schwimmen. Foto: Patricia Sigerist
Zum letzten Mal kommen die Besucher zum Schwimmen. Foto: Patricia Sigerist

Das Fellbacher Freibad an der Untertürkheimer Straße ist seit Ende August Geschichte. In der letzten Saison kamen mehr als 100 000 Besucher.

Fellbach - Die Szene am Schlusstag hat Gabriele Mayer, Stammgast im Fellbacher Freibad, fast zu Tränen gerührt. Ein kleiner Bub fragte die freundliche Dame an der Kasse, was es denn koste: „Denn ich will es kaufen.“ Nur meinte der Junge nicht eine Eintrittskarte, sondern das ganze Bad. Der Deal kam nicht zustande. Am Samstag war also endgültig Schluss, auch für Gabriele Mayer und den kleinen Buben. Um 20.30 Uhr schloss das Freibad an der Untertürkheimer Straße nach fast 60 Jahren seine Pforten, und nicht nur die Stammgäste und das Personal verdrückten ein paar Tränen.

Die Technik des alten Freibades ist störanfällig

Dass das Freibad den Fellbachern ans Herz gewachsen ist, sei es wegen persönlicher Kindheits- und Jugenderinnerungen oder weil es „wirklich sehr schön ist“, weiß Thomas Mahlbacher, der Geschäftsführer der Stadtwerke Fellbach (SWF). „Aber das Bessere ist der Feind des Guten, und das neue Bad bietet auch im Sport- und Freibadbereich fürs gleiche Geld wesentlich mehr als alles, was wir bisher hatten.“ Was die Besucher zudem nie zu Gesicht bekommen hätten, sei die störanfällige Technik des alten Freibades, die Anlagen und auch die Rohre unter dem Rasen, die zum Teil aus alten Tagen stammten. „Das alles betriebsfähig und ansprechend zu halten, kostete viel Geld und noch mehr Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter.“ Thomas Mahlbacher sieht die Schließung der alten Bäder – das Hallenbad ist bereits seit geraumer Zeit zu – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir verlieren sicher ein beliebtes Freibad, wir gewinnen aber einen bisher noch nie gekannten Badekomfort in Fellbach. Und gerade darauf freue ich mich sehr.“

Als der letzte Badegast gegangen war, schloss Christian Jechalik endgültig das Gittertor. Danach versammelten sich der Badebetriebsleiter und sein Team am Becken. Ein letztes Mal wollten sie zusammensitzen und grillen. „Das sind wir dem Bad schuldig“, sagt Christian Jechalik. Elf Jahre war es sein Arbeitsplatz, „da lernt man alles kennen und lieben“, jetzt wechselt er, wie die meisten der Mitarbeiter, ins F.3. „Mich hat es gefreut, dass wir in der letzten Saison trotz schwachem Beginn kürzlich den 100 000. Besucher begrüßen konnten“, sagt der Betriebsleiter. Am Montag werden er und seine Mitarbeiter beginnen auszuräumen und einzupacken – und bei aller Vorfreude auf das neue Bad schwingt auch ein bisschen Wehmut mit.

An alte Rekordzeiten – allein im Juli 1983 kamen fast 145 000 Gäste, am Ende der Saison waren es gut 275 000 – kam das Freibad schon lange nicht mehr heran. Doch zum Abschluss strömten die Besucher noch einmal. In der letzten Saison des alten Freibads waren es deutlich mehr als 100 000 Badefreunde – und das ohne einen Badetag im September. Die vorzeitige Schließung zum Ende des Monats August stößt nicht überall auf Verständnis. Seit 2000 seien die Öffnungszeiten des Bades immer früher in den April und die Schließzeiten weiter in den September verschoben worden, sagt Thomas Mahlbacher. „Beides zum Nutzen der Dauerkarteninhaber. Der extrem hohe Energieverbrauch in den kalten Nächte hätte eigentlich eine spätere Öffnung oder frühere Schließung notwendig gemacht, um die Verluste durch die wenigen Besucher zu reduzieren.“ Die Dauerkarteninhaber würden durch die frühe Schließung in diesem Jahr aber keineswegs geschädigt. „Wir hatten deshalb schon seit 21. April geöffnet, also einen Ausgleich geboten.“

Allein am Schlusstag wollten noch einmal knapp 1000 Gäste Adieu sagen, darunter auch eine ansonsten lustige Frauenrunde, die seit Jahren ihren Stammplatz neben dem Sprungturm hat. Wehmütig reimte eine von ihnen: „Ihr glücklichen Freibad-Freunde, die Tage verwehn, bald werden wir seufzen, es war doch so schön.“ Jetzt hoffen sie, dass sie auch im neuen F.3 ein Plätzchen für sich finden, an dem sie sich so wohl fühlen, wie im alten Bad.

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