Ein Porträt von Willy Brandt aus dem Jahr 1973. Foto: Robert Lebeck/Cordula Lebeck

In der Galerie der Stadt Fellbach sind bald 90 Originalfotografien aus der Sammlung Fricke zu sehen. Unter dem Titel „Aufbrüche“ dokumentiert die Ausstellung die Entwicklung Deutschlands seit der Nachkriegszeit. Die Bilder berühren vor allem durch ihre stille Kraft.

Fellbach - Eine Ausstellung mit Bildern aus Deutschland startet am Donnerstag, den 1. Oktober, in der Galerie der Stadt Fellbach. In Zusammenarbeit mit dem Suermondt-Ludwig-Museum Aachen präsentiert das Kulturamt in der Galerie der Stadt Fellbach rund 90 ausgewählte Originalfotografien aus der Sammlung Fricke. Den Schwerpunkt dieser Ausstellung bildet Reportagefotografie aus den 40-er bis 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die sich überwiegend der deutschen Nachkriegsgeschichte widmet.

Die Ausstellung wird um 19 Uhr im Großen Saal des Rathauses eröffnet. Das Grußwort spricht Kulturamtsleiterin Christa Linsenmaier-Wolf. Die Einführung hält Sylvia Böhmer, die Leiterin des Suermondt-Ludwig-Museums Aachen. Das Sammlerehepaar wird auch anwesend sein.

Bilder von 120 Fotografenpersönlichkeiten

In mehr als 40 Jahren haben Christiane und Karsten Fricke eine Sammlung bedeutender Bilder von rund 120 Fotografenpersönlichkeiten zusammengetragen. Schon in jungen Jahren kaufte Fricke Fotoliteratur und gelegentlich auch Originalabzüge bekannter Fotografen.

Leidenschaft, verbunden mit wachsender Expertise und einem sich auch in Deutschland langsam entwickelnden Sammlermarkt für Originalfotografie, ermöglichten über die Jahre die Zusammenstellung einer Kollektion wichtiger Fotografien von musealer Qualität. Schwer-punkte der Sammlung sind Bildjournalismus, daneben Porträts und einige Landschaften.

Vom Nachkriegselend bis zur Wiedervereinigung

Die Fellbacher Ausstellung dokumentiert die Entwicklung Deutschlands vom Nachkriegselend über das Wirtschaftswunder, sowie die Teilung und Wiedervereinigung. Das aufkeimende politische Bewusstsein der Endsechziger- und 1980er-Jahre findet seinen Widerhall in den Fotografien, die mit dem historischen Moment der Wiedervereinigung abschließen.

Bilder von 32 Fotografen wurden für die Ausstellung ausgewählt. Namen wie Robert Lebeck, René Burri, Barbara Klemm und Stefan Moses aus dem Westen, aber auch Fotografen der ehemaligen DDR wie Sibylle Bergemann und Arno Fischer sind in der Ausstellung vertreten. Die Schau stellt zudem Vertreter der jüngeren Fotografie vor, deren Sujets einen frischen Blick auf das Thema „Deutschland“ werfen.

Aufnahmen berühren durch ihre stille Kraft

Die frühesten Aufnahmen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit berühren vor allem durch ihre stille Kraft. Dies gilt besonders für Hermann Claasens Trümmerbilder, die aufwühlend und zugleich ästhetisch sind. René Burris Bilder zeugen von einer souveränen Bildkomposition. Stefan Moses markiert mit seinem Bilderzyklus „Deutsche“, in dem Menschen oder Gruppen mit Arbeitsgerät und -kleidung vor einem Vorhang posieren, einen Wendepunkt der Nachkriegsfotografie. Arno Fischers Silvesterbild 1989/90 am Brandenburger Tor beschließt eine bemerkenswerte Schau gelebter Geschichte.

Zur Ausstellung ist die Publikation „Aufbrüche – Bilder aus Deutschland. Fotografien aus der Sammlung Fricke“ in einer Neuauflage erschienen, die in der Galerie erworben werden kann.

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