Auf dieser landwirtschaftlich genutzten Fläche mit Blick zum Schwabenlandtower soll eines Tages die neue Fellbacher Feuerwache stehen. Foto: Dirk Herrmann

Die Stadt Fellbach kann sich mit zwei Besitzern von Grundstücken fürs erhoffte neue Feuerwehrhaus nicht einigen. Eine Planungsalternative soll den „Befreiungsschlag“ bringen.

Dass die längst beschlossene neue Fellbacher Feuerwache derzeit auf Eis liegt und somit ein Projekt eher für die weitere als für die nähere Zukunft ist, ist bekannt. Angesichts der in Fellbach wie fast in jeder Kommune grassierenden Ebbe in der Stadtkasse ist das Geld für die Realisierung einer – ohnehin bereits abgespeckten – Variante in Höhe von 27 Millionen Euro einfach nicht da.

 

Doch nicht nur wegen der nicht vorhandenen Finanzen bereitet das Projekt Probleme. Zusätzlich ist das kleine Drama um den verzögerten Fellbacher Feuerwehrneubau ganz im Osten der Kernstadt um eine aktuelle Pointe reicher. Kurz gesagt: Das Gebäude kann nicht entsprechend der seitherigen Pläne und ausgetüftelten Entwürfe umgesetzt werden. Denn die Stadt kommt an einige der fürs Großprojekt erforderlichen Grundstücke nicht ran.

Die ersten Grundstücke waren zügig gekauft

Die Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys erläutert in ihrer Expertise, die sie für die anstehende Gemeinderatssitzung am Dienstagabend ausgearbeitet hat, die Hintergründe. Demnach war mit dem bereits vor sechs Jahren getätigten Grundsatzbeschluss der Auftrag an die Verwaltung verbunden, die für den Neubau erforderlichen landwirtschaftlich genutzten Grundstücke an der Bühlstraße zu erwerben.

Die Verhandlungen, die seit 2019 laufen, gestalteten sich zunächst offenkundig ganz erquicklich. Laut Soltys Auskunft gelang es den Rathaus-Emissären „ganz überwiegend, die für den Neubau erforderlichen Grundstücke zu erwerben“.

Doch dann geriet der Austausch ins Stocken. Denn von den erfolgreichen Verhandlungen „ausgenommen, sind zwei Grundstücke“, erläutert Soltys. „Trotz jahrelanger Bemühungen“ kam die Verwaltung in den Erwerbsverhandlungen mit den betreffenden Eigentümern zu keinem Ergebnis – selbst „unter Beiziehung von rechtlichem Beistand auf beiden Seiten“.

Dabei war die Stadtverwaltung aufgrund der Sachlage „zu weitgehenden Zugeständnissen bereit“ gewesen, und zwar ausdrücklich mit Billigung des Gemeinderats. Doch auch dieses Entgegenkommen der Rathausdelegation machte bei der Gegenseite offenbar wenig Eindruck.

Keine Aussicht auf erfolgreiche Abschlüsse

Die Folge dieser Malaise: „Zum Bedauern der Verwaltung wurden zwei Beurkundungstermine, welche aufgrund der fortgeschrittenen Verhandlungen zur Veräußerung der Grundstücke angesetzt waren, von der Eigentümerseite jeweils mit kurzem zeitlichem Vorlauf abgesagt.“ Im Fellbacher Rathaus gehen die Verantwortlichen deshalb nicht mehr davon aus, dass die Bemühungen letztlich zu einem erfolgreichen Abschluss der Erwerbsverhandlungen führen werden.

Kein Einlenken vonseiten der Grundstückseigentümer also – man könnte die negative Entwicklung im Stile des aktuellen US-Präsidenten so auf den Nenner bringen: No Deal.

Um dennoch bei der Feuerwache voranzukommen, legt die Stadt eine neue Planungsalternative vor – als „Befreiungsschlag“, wie Soltys es formuliert: Damit der Neubau der Feuerwehr nicht dauerhaft in Gefahr gerät, hat man im Rathaus im Frühjahr einen alternativen Lösungsansatz entwickelt.

Eine neue Machbarkeitsstudie beinhaltet diese Parameter: Die bisherige Wettbewerbsvariante mit einem Flächenumfang von 10 800 Quadratmetern wird um etwa ein Fünftel reduziert. Für die Fellbacher Feuerwache steht somit in der neuen Variante eine Fläche von 8300 Quadratmetern zur Verfügung. Diese Grundstücksfläche „befindet sich bereits vollständig im Eigentum der Stadt Fellbach“, versichert Soltys.

Zu Einsätzen wie hier im Trollingerweg rückt die Fellbacher Wehr eines Tages von der neuen Wache an der Bühlstraße aus an – aber wann das so weit sein wird, ist offen. Foto: Feuerwehr Fellbach

Ausdrückliche Vorgabe für die vom Kornwestheimer Architekten Armin Klotz entwickelte Machbarkeitsstudie war, dass keinerlei Reduzierung des Raumprogramms oder der Funktionsabläufe stattfinden darf. Im Ergebnis entstand eine kompakte planerische Lösung, welche alle relevanten Anforderungen umfassend erfüllt.

Willkommener Nebeneffekt dieser Entwicklung: Es gibt eine deutliche Kostenreduzierung – dies könnte dazu beitragen, die Realisierung des Neubaus trotz der schwierigen Haushaltslage zu erleichtern.

Kein Veto bezüglich dieses Vorgehens kommt offenkundig auch von der Feuerwehr selbst. Nach Rückmeldung aller Beteiligten und der Gremien der Wehr schaffe der neue Planansatz eine funktionsfähige Grundlage für die Realisierung des bedeutenden Vorhabens, heißt es bei den Feuerwehrverantwortlichen rund um den Leitenden Hauptbrandmeister Christian Köder.

Im Frühjahr 2026 weitere Grundsatzbeschlüsse

Was sind nun die nächsten Schritte? Die Fellbacher Verwaltung hält es nach eigenen Angaben „für realistisch, dass auf dieser Basis im Frühjahr 2026 weitere Grundsatzbeschlüsse über die alternative Planung herbeigeführt werden können“.

Zugleich will man in das bestehende Feuerwehrhaus Wiesenstraße am Cannstatter Platz noch Geld stecken. In den nächsten Wochen starten die Planungen für die Erweiterung der Umkleiden samt der Ertüchtigung der Atemwerkstatt. Vorgesehen sind hierfür rund 180 000 Euro.

Zunächst einmal wird das bestehende Feuerwehrhaus ertüchtigt

Ziel ist es, durch die rasche Verbesserung der baulichen Situation in der Wiesenstraße für die Feuerwehrabteilung Fellbach „mehr Sicherheit und eine bessere Arbeitsatmosphäre zu schaffen“.

Wie die Fraktionen dieses von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Konzept kommentieren und ob sie es letztlich billigen, wird sich in der Sitzung des Gemeinderats zeigen. Beginn ist an diesem Dienstag, 21. Oktober, um 17 Uhr im großen Saal des Fellbacher Rathauses.