Etliche Kräfte kämpften am Mittwoch gegen den Brand in Oberriedt. Foto: Klormann

In der Nacht auf Mittwoch hat eine Feldscheune bei Calws Stadtteil Oberriedt lichterloh gebrannt. Die Feuerwehr war viele Stunden im Einsatz. Die Polizei verweist in Sachen Brandursache auf die laufenden Ermittlungen und möchte keine Spekulation abgeben. Doch es gibt Hinweise, dass es sich um Brandstiftung gehandelt haben könnte.

Großbrand am Waldrand: Um 1.14 Uhr am frühen Mittwochmorgen ging Alarm bei der Feuerwehr ein. Eine große Feldscheune in Oberriedt hatte Feuer gefangen und brannte lichterloh.

 

Rund 30 Meter hoch, so berichtete Calws Stadtbrandmeister Marcus Frank am Mittwoch dem Schwarzwälder Boten, schlugen die Flammen in der Nacht gen Himmel.

2000 bis 2500 Liter Wasser pro Minute

Der Einsatz war auch am Vormittag noch nicht beendet. Obwohl die Feuerwehr da bereits seit Stunden die Flammen bekämpft hatte, löschten die Kräfte gegen 10 Uhr noch immer mit 2000 bis 2500 Liter Wasser pro Minute.

Das Wasser dafür kam aus zwei verschiedenen Versorgungsstellen, da angesichts der enormen Menge der Wasserdruck zu fallen und die Leitungen zu versiegen drohten.

66 Feuerwehrleute mit 14 Fahrzeugen

In der Spitze seien 66 Feuerwehrleute mit 14 Fahrzeugen vor Ort gewesen, erklärte Frank im Gespräch. Manche Kräfte seien aber recht schnell wieder abgerückt, da die Scheune isoliert am Wald stand – und wenig Gefahr drohte, dass die Flammen auf andere Gebäude übergreifen. Der Wald sei aber sofort geschützt worden.

Am Morgen waren noch immer 34 Feuerwehrleute mit sechs Fahrzeugen vor Ort.

300 Ballen Heu und Stroh

Die große Herausforderung bei diesem Einsatz stellte unterdessen der Inhalt der 4000 Quadratmeter großen Scheune dar. Denn dort, das berichtete einer der Besitzer noch in der Nacht, lagerten zwei Anhänger sowie rund 300 Ballen Heu und Stroh.

Genau diese Ballen wiederum mussten Stück für Stück zerlegt werden, um versteckte Glutnester zu finden. Und: „Sobald man einen rauszieht, steht er in Flammen“, sagte der Stadtbrandmeister am Morgen.

THW hilft mit

Die Feuerwehr forderte daher das Technische Hilfswerk (THW) an, das mit sieben Kräften anrückte (ein Fachberater aus Calw, vier Mitglieder der Fachgruppe Räumen aus Pforzheim und zwei Mitglieder des Zugtrupps Böblingen) – und mit schwerem Gerät.

Darunter ein Kettenbagger mit einem Abbruch- und Sortiergreifer, der das Heu umlagerte und auseinanderzog. Zusätzlich unterstützten Lohnunternehmer mit Radladern.

Experten untersuchen den Fall

Unklar blieb zunächst die Brandursache. Die Polizei verweist in diesen Zusammenhang auf die laufenden Ermittlungen. Nun würden Experten den Fall und die Umstände untersuchen, erklärte Alexander Uhr, Sprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim, auf Nachfrage unserer Redaktion.

Ob es sich um Brandstiftung gehandelt haben könnte, dazu sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Aussage möglich.

Kein Strom, keine Technik, kein Kraftstoff

Fest steht indes: Es gibt Hinweise, die den Verdacht nahelegen, dass der Brand gelegt wurde – absichtlich oder fahrlässig.

Denn viele mögliche Brandursachen scheinen auszuscheiden. Laut Feuerwehr habe die Scheune beispielsweise über keinen Stromanschluss und keine technische Ausstattung verfügt. Zudem, so fügte der Stadtbrandmeister im Gespräch hinzu, seien dort keine Maschinen, Geräte und Kraftstoffe gelagert worden. Auch der Besitzer habe sich seit Tagen nicht dort aufgehalten.

Hat das Heu sich selbst entzündet?

Bliebe noch die Möglichkeit der Selbstentzündung. In frischem Heu kann es, vereinfacht gesagt, durch biologische Aktivitäten von Pilzen und Bakterien zu einer Erwärmung kommen – im extremsten Fall bis zum Brand. Allerdings muss das Heu dafür ausreichend feucht sein. Und die Wahrscheinlichkeit sinkt, wenn es sich um gepresste Ballen handelt, da hier weniger Sauerstoff eintreten kann.

Auch das scheint ohnehin ausgeschlossen. Die Ballen, so berichtete Frank, lagerten seit Monaten in der Scheune. „Die sind schon deutlich über den Fermentierprozess hinaus“, sagte er.

120 000 Euro Schaden

Der entstandene Sachschaden wurde vom Stadtbrandmeister auf mindestens 120 000 Euro geschätzt.

Neben Feuerwehr, Polizei und THW waren laut Mitteilung auch neun Rettungskräfte und zwei Fahrzeuge des Ortsvereins Calw des Deutschen Roten Kreuzes vor Ort.