Nicht nur die Daimler-Mitarbeiter können bei Feinstaubalarm auf Kosten des Arbeitgebers Bus und Bahn fahren, allerdings nutzen nur sie dazu eine App. Foto: dpa

Mitarbeiter von Daimler, Bosch und Porsche konnten bislang bei Feinstaubalarm ihren Werksausweis als Fahrschein für die Öffentlichen nutzen. Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) will das nun ändern.

Stuttgart - Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) läutet moderne Zeiten ein. Bisher konnten Beschäftigte, deren Arbeitgeber während des Feinstaubalarms die Bus- und Bahnfahrkosten spendierte, einfach den Werksauweis für den Pendlerweg zücken. Die Porsche AG gab den Vorreiter, Bosch und Daimler zogen nach.

Seit dieser Alarmsaison aber fremdelt der Verbund mit den scheckkartengroßen Betriebsausweisen. Er drängt auf den Wechsel zur Smartphone-App der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB). Bisher hat ihn nur Daimler vollzogen, allerdings zum Leidwesen mancher Mitarbeiter. „Jede Strecke muss extra gebucht werden, das Herunterladen der App und die Eingaben haben gedauert, einige haben von der Änderung nichts gewusst und sind in eine Kontrolle geraten“, schildert ein Vertrauensmann aus Untertürkheim die Fallstricke.

Sein Fazit: „Unser Wunsch wäre der Werksausweis.“ Wolfgang Nieke, Betriebsratsvorsitzender des Werks, zeigt Verständnis. „Der Ausweis war natürlich einfacher zu nutzen als die App. Wir haben die Umstellung mit Bedauern zur Kenntnis genommen“, so Nieke. Er hoffe, dass die Beschäftigten trotz der höheren Hürde weiterhin an Feinstaubtagen den Nahverkehr nutzen. Dem Vernehmen nach ist der Wechsel erst kurz vor dem Start der Alarmsaison am 15. Oktober mitgeteilt worden.

Masse verschiedener Ausweise unkontrollierbar

Man habe bei dem Konzern Verständnis für den Wechselwunsch gefunden, sagt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Schon im Februar 2018 hatten die VVS-Verkehrsunternehmen beschlossen, Ausweise nicht mehr zu akzeptieren. „Wir haben das erst nur für Porsche gemacht, dann kam Bosch samt Tochterfirmen, dann Daimler“, so Stammler. Eine ganze Reihe weiterer Firmen, Stammler spricht von 30 bis 40, hätten dann nach der Ausweislösung gefragt. Eine solche Masse verschiedenster Ausweise sei nicht mehr überprüfbar.

„Wir wollten die elektronische Lösung, Daimler hat gleich umgestellt, aus unserer Sicht funktioniert das gut, viele tausend Mitarbeiter haben sich angemeldet“, so Stammler. Wer in der neuen Saison mit dem Ausweis in eine Kontrolle geraten sei, dem verspricht der VVS-Chef Kulanz.

Daimler-Tochter steht hinter der App

„Daimler hat mit seiner Tochter Moovel eine gute Lösung entwickelt“, lobt Stammler den Partner. „Wir haben die Applikation entwickelt und stellen die technologische Plattform, darüber buchen jetzt die Mitarbeiter“, sagt Melanie Graf, die Sprecherin des Mobilitätsdienstleisters. 80 000 Mitarbeiter des Konzerns hätten mit der App weiterhin ein kostenloses ÖPNV-Angebot, sagt Daimler-Sprecher Oliver Wihofszki. Warum die SSB nun doch kurzfristig Mitarbeiterausweise anderer Unternehmen akzeptiere sei unbekannt.

„Wir sind sehr zufrieden mit dieser tollen, einfachen Ausweislösung und haben uns über Nachahmer gefreut“, so Porsche-Sprecher Frank Scholtys. Dort und bei Bosch läuft die App nur versuchsweise. „Der Test war Teil der Vereinbarung, in dieser Feinstaubsaison bis Mitte April die Ausweise weiter nutzen zu können“, sagt Bosch-Sprecher Michael Kattau. Wie es im Herbst 2019 weiter gehe – dann gilt in Stuttgart längst das Diesel-Fahrverbot und die VVS-Zonenreform – wisse man nicht. Wie viele der zum Beispiel 14 000 Mitarbeiter am Standort Feuerbach beim jüngsten Alarm umgestiegen seien, könne er nicht sagen. „Wir bezahlten an den VVS pro Feinstaubtag“, so Kattau. Bei Daimler waren es dem Vernehmen nach 13 000, die während des Alarms vom 15. bis 23. Oktober über die App ein Ticket lösten.

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