Wer während des Feinstaubalarms im Gerber oder im Gerberviertel einkauft, kann sich die Waren innerhalb Stuttgarts kostenlos per Fahrrad nach Hause liefern lassen. Foto: dpa

Die Händler im Gerberviertel reagieren auf das drohende Fahrverbot und bieten schon jetzt während des Feinstaubalarms eine kostenlose Lieferung der Einkäufe mit dem Fahrrad an.

Stuttgart - Seit diesem Donnerstag gilt in Stuttgart wieder ein Feinstaubalarm. Autofahrer werden gebeten, auf Bus und Bahn umzusteigen. Auch der Handel bewegt sich nun: die Händler im Gerberviertel bieten in einer neuen Kooperation fortan während jedem Feinstaubalarm innerhalb des Stadtgebiets eine kostenlose Lieferung der Einkäufe nach Hause – Co2-neutral mit einem Lastenfahrrad (Cargo-E-Bike).

„Alle reden negativ über den Feinstaubalarm, wir wollten mit diesem Angebot etwas dagegen setzen“, sagt Hannes Wolf, der Quartiermanager des Gerberviertels. Mit der Aktion würden zum einen die Händler für die Feinstaubthematik sensibilisiert und zum anderen erhielten die Kunden ein weiteres Service-Angebot und einen Grund mehr, das Auto stehen zu lassen. „Jeder ist beim Thema Feinstaub gefragt, aber jeder kann auch nur kleine Schritte gehen. Aber die Summe dieser kleinen Schritte macht dann den Unterschied“, ist Wolf überzeugt.

Gerberviertel will bei Feinstaubalarm mit gutem Beispiel vorangehen

Durchgeführt werden die Fahrten von der Firma Velocarrier, die Lieferungen per Lastenfahrrädern anbietet. Finanziert wird der kostenlose Dienst über das Vereinsbudget der Gerber-Händler.

Die Gewerbetreibenden im Gerber-Viertel sind damit die ersten Geschäfte, die auf den Feinstaubalarm reagieren. Zwar gibt es bereits Angebote des VVS, von Car2Go oder der Mobilitäts-App moovel (hier mehr dazu), aber ansonsten blieb der Handel bislang überraschend still bei diesem Thema – und das, obwohl ein veritables Fahrverbot droht, sollte die Stadt das Feinstaubproblem nicht in den Griff kriegen.

Einkaufstüten zur langen Einkaufsnacht als SSB-Tagesticket

So hat auch eine derzeit beworbene Aktion des Einkaufszentrums Gerber nur indirekt mit dem Feinstaubalarm zu tun, sondern vielmehr mit den geplanten langen Einkaufsnächten am 5. November und am 17. Dezember. An diesen beiden Tagen wird es in dem Einkaufszentrum kostenlose Einkaufstüten geben, die für eben jenen Tag auch als Tagesticket in den Stadt-Kernzonen 10 und 20 des SSB gelten.

Die Tüten werden nach Angaben eines Sprechers kostenlos und unabhängig von einem Einkauf zentral im Gerber ausgegeben. Damit wolle man ein Zeichen dafür setzen, dass Einkaufen und öffentliche Verkehrsmittel zusammengehören. Das Gerber arbeteitet bereits seit Anfang Oktober mit Velocarrier zusammen: Wer Waren im Wert von über 50 Euro einkauft, kann sie sich diese kostenlos mit dem Lastenfahrrad nach Hause liefern lassen. Der Gerber-Manager Kemal Düzel erklärt, warum man sich diese Aktion ausgedacht hat: „Befragungen haben gezeigt, dass über 80 Prozent unserer Besucher zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem ÖPNV anreisen.“

Von anderen Händlern ist noch nicht viel zum Feinstaubalarm geplant

Andere Händler sind da eher zurückhaltend. So sagt beispielsweise Heinz Reinboth von der Interessengemeinschaft Königstraße, ein solcher kostenloser Lieferservice während des Feinstaubalarms sei „wünschenswert, ist aber nicht überall machbar“. Mangels Möglichkeiten der Händler sei an der Königstraße nichts derartiges geplant. Ein Fahrverbot würde sich schlecht auf die Situation der Händler auswirken, „aber das müssten wir dann hinnehmen“, sagt er. Und bei der City-Initiative Stuttgart hält man sich derzeit noch bedeckt: Es gebe Gespräche unter den Händlern, vor Weihnachten sei aber mit keiner Aktion zu rechnen.

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