Wie rein ist die Luft in Stuttgart? Das zeigt unter anderem unser Feinstaubradar. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Unser Feinstaubradar zeigt deutliche Unterschiede bei der Luftqualität in Stuttgart und der Region. Welche Rolle spielt Feinstaub in der Coronakrise?

Stuttgart - Seit dem Jahr 2017 verarbeitet das Feinstaubradar die Daten Hunderter von Bürgern gebauten Feinstaubmessgeräte. Das Projekt unserer Redaktion, das auf der Arbeit der Stuttgarter Gruppe OK Lab aufbaut, dokumentiert die Feinstaubkonzentration kleinräumig sowie Stunde für Stunde.

Insgesamt messen die Bürgermessgeräte wie auch die Sensoren der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) eine akzeptable Luftqualität in der Region Stuttgart. Die Feinstaubkonzentration lag im Halbjahresmittel zwischen 8 Mikrogramm in Möhringen und 17 Mikrogramm in Stuttgart-Ost. Die Werte sind nur ein grober Indikator, aber mangels amtlicher Messungen sind sie auch der einzige Hinweis auf deutlich unterschiedlich gute Luft im Stadtgebiet. Die Werte der Gemeinden rund um Stuttgart bewegen sich innerhalb dieses Korridors. Auch am Neujahrstag zeigte sich ein einheitliches Bild: Bis in die Morgenstunden lagen die Werte im Stundenmittel bei weit mehr als 100 Mikrogramm.

Feinstaub erhöht Corona-Sterblichkeit

Durch die Corona-Krise wird das Thema Luftqualität zusätzlich brisant. Die Autoren einer Harvard-Studie zeigen, dass ein Mikrogramm mehr Feinstaub in den USA die Sterblichkeit bei Covid-19-Erkrankungen um 15 Prozent erhöht. Zwar untersuchen die Autoren die in den USA eher betrachteten, kleineren PM2.5-Partikel und nicht den hierzulande diskutierten PM10-Feinstaub. Dennoch zeigten die Ergebnisse, „wie wichtig es ist, bestehende Regelungen zur Luftqualität umzusetzen“, so die Autoren.

In Europa ist dies eine EU-Richtlinie, die höhere Feinstaubwerte zulässt als die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Zwar wurde im Winterhalbjahr auch deren Grenzmarke von 20 Mikrogramm Feinstaub in Stuttgart nicht überschritten. Dennoch gab es noch bis in den April hinein stundenweise hohe Werte mit bis zu 100 Mikrogramm je Kubikmeter Luft.

Einen späten Effekt hat das Feinstaubradar bei solchen Stundenmittelwerten: Die LUBW macht diese inzwischen auf ihrer Website verfügbar. Zuvor war nur das gleitende 24-Stunden-Mittel veröffentlicht worden, das Ausschläge glättet – zum Beispiel die Luftbelastung an Silvester.

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