Die Lungenärzte fordern eine Überprüfung der Grenzwerte. Foto: dpa

Mehr als 100 deutsche Lungenfachärzte haben ein Positionspapier unterzeichnet, welches die Gesundheitsgefahr durch Stickstoffdioxid anzweifelt. Sie üben scharfe Kritik an den Grenzwerten für Feinstaub – und damit auch an den bundesweit drohenden Fahrverboten.

Hamburg/Stuttgart - Laut einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks wächst in der Ärzteschaft die Kritik an den Grenzwerten für Stickstoffdioxid und Feinstaub und damit auch an den bundesweit drohenden Fahrverboten. 113 deutsche Lungenfachärzte haben ein Positionspapier unterzeichnet, welches die Gesundheitsgefahr durch Stickstoffdioxid (NO2) anzweifelt.

Zudem fordern die Lungenärzte eine Überprüfung der Grenzwerte. Der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP), Prof. Dieter Köhler, bezeichnet zudem einen Großteil der vorhandenen Studien zu Gesundheitsgefahren durch Dieselabgase als methodisch fragwürdig.

Diese Stellungnahme steht konträr zu den Studienergebnissen des renommierten Münchner Helmholtz-Instituts für Umweltmedizin, dessen Forscher auf erhebliche Gesundheitsgefahren durch Stickstoffdioxid auch schon in niedrigen Konzentrationen hinweisen. Sie hatten die Krankheiten der Stadtbevölkerung mit denen von Menschen auf dem Land verglichen und dem NO2-Ausstoß von Dieselfahrzeugen angelastet.

Alkohol, wenig Sport und Zigaretten töten Stadtbewohner

Köhler führt die Unterschiede aber auf andere Faktoren wie unterschiedlichen Alkoholkonsum, Sport oder Rauchen zurück und erklärt seine Kritik in einer gemeinsamen Erklärung der DGP, der Deutschen Lungenstiftung und dem Verband Pneumologischer Kliniken.

Für die derzeit laufende Diskussion um Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge hat der Konflikt im Fachverband der Lungenärzte eine große Bedeutung. Der aktuell gültige gesetzliche Grenzwert wird in vielen deutschen Städten überschritten, zahlreiche Verwaltungsgerichte haben daraufhin Fahrverbote für Diesel-PKW verhängt. Die Kritiker halten das für unverhältnismäßig.

Laut Medienberichten teilt der Chefarzt der Stuttgarter Lungenklinik im Krankenhaus zum Roten Kreuz, Prof. Martin Hetzel die Kritik von Köhler: „Es gibt keine Feinstaub- oder NO2-Erkrankung der Lunge oder des Herzens, die man im Krankenhaus antrifft. Es gibt auch keinen einzigen Toten, der kausal auf Feinstaub oder NO2 zurückzuführen wäre. Das ist unseriöser, ideologiegeleiteter Populismus.“ Hetzel bezweifelt auch die Zahl der Todesfälle auf Grund von Stickstoffdioxid.

Die Ärzte fordern die Bundesregierung dazu auf, den Grenzwert für Stickstoffdioxid einer erneuten Überprüfung zu unterziehen und vergleichen die Werte mit anderen Ländern. So gäbe es in Deutschland kein Verbot, wenn die Grenzwerte der USA gelten würden.

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