Ist stolz auf seine Produkte: André Dangelser mit einer Ente (rechts) und einem Kapaun mit dem Label Rouge, einer Garantie für artgemäße Aufzucht. Foto: Lichtgut//Achim Zweygarth

Die Menschen stürzen sich im Lockdown auf die kulinarische Selbstverwirklichung – und kochen. Viele mit edlen Produkten, bei den Feinkost-Geschäften ist der Andrang gewaltig, erzählt André Dangelser, Chef von Feinkost ab Rampe in Vaihingen und Degerloch, im Interview.

Stuttgart - Geschenke zu finden ist immer eine schwierige Sache. Wenn der Einzelhandel kurz vor Weihnachten schließt, doppelt. Geschenkkörbe mit Feinkost waren in diesem Jahr oft die letzte Chance, wobei die Branche mit edlen Produkten auch ohne diese geboomt hat.

Herr Dangelser, wie waren die Tage vor Weihnachten?

Brutal! Vor den Feiertagen ist so oder so immer viel zu tun, aber in diesem Jahr kamen noch einmal 30 Prozent drauf. Auch schon davor, im gesamten Dezember. Der Andrang war wirklich enorm.

Weil die Leute zu Weihnachten Feinkost verschenkt haben?

In der Tat gingen Geschenkkörbe dieses Jahr sehr gut. Bei Firmen zum Beispiel, die das Weihnachtsessen abgesagt haben und ihren Mitarbeiten damit etwas Gutes tun wollten. Aber auch sonst, hochwertige Produkte waren sehr gefragt.

Die sind deshalb entsprechend teuer?

Nein, in diesem Jahr nicht. Bei Wildtieren oder beim Seeteufel zum Beispiel ist die Preisschraube in diesem Jahr recht moderat. Normal war das durch die große Nachfrage aus der Gastronomie anders. In diesem Jahr ist uns sogar der Rehrücken ausgegangen, verrückt, oder?

Sehen Sie eine Veränderung bei den Kunden?

Ja, die sind definitiv bewusster geworden. Bei Enten oder Huhn zum Beispiel wollen die Leute heute ein Label Rouge. Wir haben Schwarzfederhuhn im Angebot, das lebt zwischen 80 und 90 Tagen, die Hühner kriegen anderes Futter und leben im Freien. Darauf legen die Kunden wert.

Wie lange lebt im Vergleich dazu ein günstiges Huhn aus dem Discounter?

Die sind in 21 Tagen hochgepusht und schlachtreif. Die ältesten Hühner mit dem Label Rouge werden sogar 100 Tage alt und kriegen die letzten zwei Wochen zu ihrem Futter auch noch Milch.

Was ist vor Silvester angesagt? Wie immer Fondue? Obwohl keine Party ist?

Genau, viele wollen, dass sich das Essen in die Länge zieht wie immer. Aber viele kaufen auch mal Thunfisch fürs Fondue, das ist dann mal was anderes. Wir verkaufen zum Beispiel Fondue-Boxen für zwei Personen. Wir selbst machen an Silvester ja auch Fondue – zu dritt! Aber was will man auch machen?

Sie haben Großhandel und Direktverkauf. Sind Sie froh, dass Gastronomen auch Angebote machen?

Das ist ein Glück. Denn allein vom Einzelhandel könnten wir nicht leben. Der geht nur mit dem Großhandel dahinter. Wir beliefern zum Beispiel auch Feinkost Böhm, das war total verrückt in diesem Jahr. Wir sind manchmal zweimal am Tag in die Stadt runtergefahren.

Ist das ein grundsätzlicher Wandel?

Ja, ganz sicher. Viele ältere Menschen bestellen auch die Feinkost, und wir beliefern sie. Und das, glaube ich, wird auch nach Corona bleiben.

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