Gemeinhin gilt Pfingsten auch als der Geburtstag der Kirche. Was aber ist Pfingsten genau? Vielleicht etwas ganz Profanes? Etwas ganz Privates? Das fragten wir Prominente und eine Geistliche. Und siehe da: Es kamen geistreiche Antworten.
Stuttgart - An Pfingsten haben viele frei. Aber was steckt hinter den Feiertagen? Im Gegensatz zu Weihnachten und Ostern können diese Frage auf Anhieb nur wenige beantworten. Denn Pfingsten ist im Gegensatz zu der Geburt und dem Tod Jesu sehr abstrakt. Pfingsten ist ein Fest, so heißt es, an dem Christen die Aussendung des Geistes Gottes zu den Jüngern Jesu und dessen Gegenwart in der Kirche feiern. So weit die theologische Lesart. Die private sieht teilweise anders aus.
Christoph Sonntag (Comedian)
Ich zitiere Michael Bollinger, meinen ehemaligen Comedy-Chef bei SWF 3:
Wenn der Geist als blaues Licht
Auf Schwabens Schädel niedersticht
Dann dämmert’s auch dem
allerdümmsten
Im Schwabenland herrscht
Dauer-Pfingsten
Dem ist meiner Ansicht nach nichts hinzuzufügen.
Frl. Wommy Wonder (Comedian)
Pfingsten ist eines der ältesten christlichen Feste und von der Bedeutung her als Geburtstag der Kirche recht wichtig, weil ab da das Missions- und Sendungsbewusstsein der Kirche beginnt, geht aber im allgemeinen Bewusstsein unter – vielleicht, weil’s keine Geschenke gibt . . . . Dafür hat man aber mit Pfingstmontag auch wieder einen zusätzlichen Tag frei. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum der Pfingstmontag politisch und wirtschaftlich immer wieder zur Diskussion steht, aber bis heute weiterhin durchgehalten wird.
Tatjana Gessler (SWR)
Was feiern wir eigentlich an Pfingsten? Für einige ist es nicht mehr als ein langes Wochenende. Vielleicht weil es im Ranking der christlichen Feiertage – nach Weihnachten und Ostern – nur auf Platz drei liegt. Vielleicht aber auch, weil es noch kein Marketing-Experte der Geschenke-Industrie als lukrative Einnahmequelle entdeckt hat? Vielleicht lässt sich die Geburtsstunde der Kirche einfach schlechter vermarkten als die Geburt und Auferstehung Jesu: der Tag, an dem die Jünger plötzlich fremde Sprachen sprechen konnten und vom Heiligen Geist erfüllt wurden, um den christlichen Glauben hinaus in die Welt zu tragen.
Serkan Eren (Hilfsverein Stelp)
Ich glaube nicht an eine Jungfrau Maria, die plötzlich schwanger geworden ist. Genauso wenig an einen Propheten, der in einer Höhle von einem Engel beauftragt wurde, die heutigen Verse des Korans vorzutragen. Weihnachten und Ostern bekomme ich gerade noch hin, mit Pfingsten bin ich allerdings völlig überfordert.
Beatrice Dörner (Pastoralreferentin, St. Eberhard)
Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Auch wenn man es der Kirche und den Glaubenden nicht unbedingt anmerkt: Der Heilige Geist ist ein Geist der Lebendigkeit, des Schöpferischen, ein Geist, der uns vom bequemen Sofa vertreibt und unangenehme Fragen stellt, ein Geist, der Weisheit, Einsicht und Erkenntnis hervorlocken will. Er ist kein Geist der Gemütlichkeit, weil er uns herausfordert. Die Frage ist, ob wir uns herausfordern lassen. Ich wünsche mir mehr von diesem Geist Gottes innerhalb und außerhalb der Kirche.
Christina Semrau (Kulturmanagerin)
Für mich steht der „Heilige Geist“, der in biblischer Darstellung von Pfingsten als Feuerzungen auf die Jünger herunterkommt, für Inspiration, Verständnis und vor allem das Verbindende unter den Menschen trotz aller Unterschiedlichkeiten, die uns ausmachen. Unabhängig von Land und Kulturkreis ist uns allen eine selbe Sprache mit auf den Weg gegeben worden: die gemeinsame Sprache der Empathie, der Mitmenschlichkeit und der Solidarität. Es ist an uns, diese Fähigkeiten zu erkennen und sie auch – oder gerade – in Krisenzeiten, wie wir sie gerade erleben, radikal umzusetzen.
Wolfgang Selje (Sänger)
Ich muss zugeben, dass ich keinerlei Bezug zu Pfingsten habe. Für mich war Pfingsten immer nur mit freien Tagen und Ferien verbunden. Ich könnte jetzt irgendwas zusammensuchen oder googeln. Das ist nicht meine Art. Deshalb eine ehrliche, eventuell enttäuschende Antwort von mir.
Muhterem Aras (Landtagspräsidentin)
Wie alle Feiertage ist auch Pfingsten für mich die Zeit, um innezuhalten, zur Ruhe zu kommen, mit der Familie zusammen zu sein. So hat man die Möglichkeit, Kraft zu tanken und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich werde die Feiertage mit meiner Familie und guten Gesprächen verbringen. Wir werden uns sicher lange in unserem naturbelassenen Garten aufhalten, für mich ein Paradies mit Wiesenblumen, Bienen und Eidechsen. Ich freue mich daher sehr auf die Feiertage.