Meister mit Auszeichnung: Der Maßschneidermeisterin Natalie Altmayer wurde ein Preis verliehen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Handwerkskammer der Region Stuttgart hat auf der Landesmesse 692 Gesellen in den Meisterstand erhoben. Das größte Gewerk sind in diesem Jahr die KFZler, das kleinste die Orgelbauer. Bei der Feier wurde auch Kritik laut.

Stuttgart - Bei Ralph Lanz hat es nur ein Jahr gedauert. 2018 hat der Stuckateur aus Rutesheim (Kreis Böblingen) seinen Gesellen gemacht, am vergangenen Freitag erhielt er bereits seinen Meisterbrief. „Stressig war es eigentlich nur, weil ich parallel noch im Nationalteam der Stuckateure bin“, sagte der 21-Jährige. Trotz der doppelten Belastung und seines vergleichsweise jungen Alters ist es ihm gelungen, in seiner Meisterprüfung innerhalb von 28 Stunden ein so besonderes historisches Trockenbaumodell anzufertigen, dass es am Freitagabend im Internationalen Congresscenter Stuttgart (ICS) auf der Landesmesse ausgestellt wurde.

Ralph Lanz ist einer von 692 Gesellen, denen von der Handwerkskammer Region Stuttgart der Meisterbrief verliehen wurde. Mit seinen 21 Jahren gehört er zwar zu den Jüngsten, wird aber noch getoppt von Lukas Wagner aus Donzdorf (Kreis Göppingen). Der Zimmerer hat mit 19 Jahren seine Meisterprüfung bestanden und ist der jüngste Zimmermeister in Süddeutschland. Beinahe 40 Jahre älter ist Roland Schneider aus Mössingen (Kreis Tübingen). Dem 58-Jährigen, der bereits Dachdeckermeister ist, wurde der Meisterbrief der Bäcker verliehen.

Unter den KFZ-Meistern gibt es nur zwei Frauen

„Das größte Gewerk in diesem Jahr sind die Kfzler mit 88 Meistern – darunter nur zwei Frauen“, berichtete Julia Häcker von der Handwerkskammer. Kein einziger Mann war unterdessen unter den Maßschneidermeisterinnen. Das kleinste Gewerk bildete dieses Jahr der Orgel- und Harmoniumbau: Lediglich dem Südkoreaner Sangryule Park aus March (Breisgau-Hochschwarzwald) wurde der Meisterbrief verliehen.

Bei einigen Meistern steht bald eine Existenzgründung an – etwa bei Natalie Altmayer, der für ihre Meisterprüfung der mit 3000 Euro dotierte Rotary-Förderpreis verliehen wurde. Die 24-jährige Maßschneidermeisterin aus Niederstotzingen (Kreis Heidenheim) überzeugte die Jury mit ihren Zukunftsplänen für ein eigenes Modeatelier und den Ausbau ihres eigenen Modelabels.

Kritik an fehlender Meisterprämie

Als Ehrengast zur Meisterfeier kam Cem Özdemir, welcher mit einem E-Lastenfahrrad auf die Bühne rollte. Der gelernte Erzieher und Bundestagsabgeordnete der Grünen macht jedes Jahr ein Praktikum in einem Unternehmen. „Ich habe dabei viel fürs Leben gelernt – vor allem, wie hart Sie Ihr Brot verdienen“, sagte Cem Özdemir zu den Meistern. Als Herausforderung für die kommenden Jahre sehe er aber noch, dass akademische und duale Ausbildung endlich gleichwertig werden müssten. „Es kann nicht sein, dass ein Studium in Deutschland kostenfrei ist, aber man in einer Ausbildung draufzahlt.“ Dennoch sei das deutsche System im Ausland hoch angesehen: „Wir sind bekannt für ‚The German Mittelstand‘ und für ‚The German Handwerk‘.“

Dass die Meisterfortbildung je nach Gewerk mehrere Tausend Euro kostet, sieht auch der Präsident der Handwerkskammer, Rainer Reichhold, als Problem. „Eine bestandene Meisterprüfung sollte mindestens 1500 Euro wert sein“, sagte er – und spielte damit auf die Diskussion zur Meisterprämie an, welche Baden-Württemberg im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern nach wie vor nicht eingeführt hat.

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