Vor allem in der Intensivpflege ist man auf externe Pflegekräfte angewiesen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Die RKH-Kliniken können beim Gehalt für ihre festangestellten Pflegekräfte nicht mithalten und setzen deshalb auf mehr Flexibilität beim Arbeiten.

Es klingt nach einem echten Traumjob: bis zu 7000 Euro Monatsgehalt, dazu ein Diensthandy, ein Firmenwagen, eine 35-Stunden-Woche, keine Nacht- und Wochenendarbeit. Diese Bedingungen werden laut einem Bericht des WDR in Nordrhein-Westfalen geboten. Für Pflegekräfte. Allerdings nicht für diejenigen, die in den Kliniken fest angestellt sind. Die attraktiven Konditionen gibt es bei Zeitarbeitsfirmen.

 

Auch in Baden-Württemberg werben solche Unternehmen mit „überdurchschnittlicher Bezahlung“ und flexiblen Arbeitszeitmodellen. Zeitarbeit in der Pflege boomt. Und zugleich fühlen sich in den normalen Klinikalltag eingebundene, fest angestellte Pflegekräfte als Mitarbeiter zweiter Klasse und denken entsprechend darüber nach, ebenfalls in die Leiharbeit zu wechseln. Da stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll und machbar ist, dem eigenen Stammpersonal bessere Konditionen zu bieten – finanziell wie zeitlich gesehen.

Doch das sei leider nicht so einfach, sagt Alexander Tsongas, Sprecher der RKH-Kliniken mit ihren Krankenhäusern in Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und der Orthopädischen Klinik in Markgröningen sowie an weiteren Standorten außerhalb des Landkreises. „Wir unterliegen dem Tarifvertrag TVÖD-K. Da haben wir nicht viele Möglichkeiten.“

Den Krankenhäusern im Kreis Ludwigsburg fällt es zunehmend schwer festangestelltes Personal zu finden. Foto: Werner Kuhnle

Nicht nur teuer, sondern auch unliebsame Konkurrenz

Und so haben die RKH-Kliniken, wie die meisten anderen auch, ein doppeltes Problem mit der Zeitarbeit. Das erste: Weil es wegen des Fachkräftemangels ohne solche Unterstützung von außen gar nicht mehr ginge, müssen sie auf teure Zeitarbeiter zurückgreifen. Die Kosten für Leiharbeitskräfte betrugen im Geschäftsjahr 2023 an die 25  Millionen Euro für alle drei Kliniken im Landkreis Ludwigsburg. Der Einsatz teurer Zeitarbeitskräfte wird im Pflegebudget aber nur etwa zur Hälfte berücksichtigt. Das bedeutet: Die Kliniken bleiben auf der Finanzierungslücke sitzen.

Und das zweite Problem: Auch bei den RKH-Kliniken gibt es, wie aus Mitarbeiterkreisen zu hören ist, Pflegekräfte, die mit einem Wechsel in die Zeitarbeit liebäugeln. Ein Teufelskreis. „Es gibt sicherlich einige Punkte, an die man rangehen kann“, so Tsongas dazu. Anderes, das den Pflegeberuf generell für viele unattraktiv macht, lasse sich dagegen nicht ändern. „Die Patienten werden immer älter und kränker, die Angehörigen werden anspruchsvoller und müssen oft mit betreut werden.“ Helfen könnte ein veränderter Personalschlüssel, der früher besser gewesen sei. Aber da sei der Gesetzgeber gefragt – und natürlich brauche man auch genügend Fachkräfte.

Das Gegenmittel: Größtmögliche Flexibilität

Bei den RKH-Kliniken versuche man aber, so weit wie möglich auf die Wünsche der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzugehen, was die Arbeitszeit betreffe. Wie das funktioniert, erklärt Jens Bürkle, stellvertretender Direktor für Pflege- und Prozessmanagement. „Grundsätzlich arbeiten wir im Drei-Schicht-System: Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht, und in der Regel zu 100 Prozent“, sagt er. In seinem Einsatzbereich gebe es aber auch die Möglichkeit, nur eine der drei Schichten zu machen – auch mit weniger als einer Vollzeitstelle. „Wenn jemand beispielsweise nur 80 Prozent arbeitet, ist er unter der Woche etwa von Montag bis Donnerstag in einer bestimmten Schicht.“ Mit einer Einschränkung, die immer gilt: „Sofern es der Stationsablauf möglich macht.“ Das müsse jeweils vom Team besprochen werden. Was ebenfalls angeboten werde, sei ein Kerndienst, beispielsweise in der Zeit von 8 bis 16 Uhr. „Das führt zu größerer Mitarbeiterzufriedenheit“, betont Bürkle.

Im Krankenhaus Mühlacker, das ebenfalls zum RKH-Verbund gehört, habe man ein besonderes Modell getestet und Müttern jüngerer Kinder unter den Mitarbeiterinnen mehr Flexibilität angeboten, berichtet Tsongas. Sie könnten beispielsweise frei wählen, wann sie ihre täglichen vier Stunden arbeiten wollten. „Für viele ist der Vormittag interessant, weil die Kinder da in Kita oder Schule sind“, erklärt der Kliniken-Sprecher. Das erfordere natürlich wiederum eine gewisse Organisation der Teamleitungen, aber das Modell sei gut angekommen.

Flexibilität in anderer Hinsicht verlangten die sogenannten Springerpools. Wer dort arbeite, könne an verschiedenen Standorten des Klinikverbunds eingesetzt werden, bekomme dafür aber auch eine Zulage und ein Dienstfahrzeug für die Fahrt zum jeweiligen Arbeitsort. Generell versuche man, in Abstimmung mit dem Betriebsrat Mitarbeiterwünschen so weit wie möglich entgegenzukommen. Keinen Sinn sieht Tsongas jedenfalls darin – selbst wenn es machbar wäre –, sich nun gegenseitig mit Gehältern zu überbieten. „Es gibt Kliniken, die etwas mehr zahlen und bei denen trotzdem Mitarbeiter weggehen.“