Der Leitzins der US-Notenbank bewegt sich jetzt in einer Spanne zwischen 3,75 und 4 Prozent. Foto: dpa/Pablo Martinez Monsivais

Die US-Notenbank liegt im Kampf gegen die Inflation in Führung. Die Europäer müssen trotzdem nicht alles genauso machen, meint Wirtschaftsredakteurin Barbara Schäder.

Die US-Notenbank erringt erste Erfolge im Kampf gegen die Inflation. Die Euro-Währungshüter dagegen bekommen schon wieder weiche Knie – so scheint es, wenn man die jüngsten Aussagen der Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) übereinanderlegt. Im gleichen Tempo wie die US-Notenbank werde die EZB nicht handeln, sagt deren Präsidentin Christine Lagarde.

 

Um insgesamt 3,75 Prozentpunkte hat die Fed ihren Leitzins seit März erhöht, die Inflationsrate ist seit dem Sommer leicht rückläufig. Die EZB fing erst im Juli an mit den Zinserhöhungen und hat offenkundig Nachholbedarf, denn in der Währungsunion ist die Teuerungsrate mittlerweile zweistellig.

Eine Festlegung wäre voreilig

Trotzdem ist richtig, dass die Euro-Währungshüter sich nicht vorschnell auf einen bestimmten Zinspfad festlegen. Denn auch wenn die Inflation beiderseits des Atlantiks viel zu hoch sind, unterscheidet sich die Lage in Europa von der in den USA.

Die Teuerung in Euroland geht in erster Linie auf die hohen Energiepreise zurück. In den Vereinigten Staaten wird die Inflation in stärkerem Maße von der Nachfrage getrieben. Das ist genau der Hebel, auf den höhere Zinsen wirken.

In der Währungsunion schwächelt der Konsum bereits

Natürlich dämpft ein Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage letztlich auch die Energiepreise. Und erst recht den Spielraum der Unternehmen, höhere Preise auch für andere Waren durchzusetzen. Deshalb bleiben Zinserhöhungen auch in Europa notwendig. Da darf sich die EZB auch von der Kritik der neuen italienischen Regierung nicht beirren lassen.

Doch anders als in den USA sind beispielsweise die Einzelhandelsumsätze in Euroland bereits rückläufig. Auch der Lohndruck ist geringer. Die EZB muss deshalb vielleicht gar nicht so weit gehen wie die Fed.