Angelique Kerber (rechts) gratuliert Belinda Bencic nach deren Sieg. Foto: AP

Am Ende war doch alles ein bisschen viel. Angelique Kerber ging im Fed-Cup-Duell mit der Schweiz noch einmal an ihre Grenzen, war in ihrem zweiten Auftritt aber zu müde. Sie hat aufregende Tage hinter sich - gegen Belinda Bencic war jedoch „der Tank leer“.

Leipzig - Ein kurzes Winken, dann schlich Deutschlands neue Tennis-Königin Angelique Kerber erschöpft aus der Leipziger Messehalle. Nach Tagen der Angie-Mania war Kerber die Müdigkeit in ihrem zweiten Auftritt im Fed-Cup-Viertelfinale gegen die Schweizer Nummer eins Belinda Bencic deutlich anzumerken. „Irgendwann war mein Akku alle. Ich habe schon gestern Abend gemerkt, dass ich immer müder werde“, sagte die Australian-Open-Siegerin nach ihrer 6:7 (4:7), 3:6-Niederlage. „Irgendwann kommt man einfach an die körperlichen Grenzen. Ich muss sagen, dass ich noch lange ausgehalten habe.“

So lief es für die 28 Jahre alte Kielerin am Sonntag nicht wie in einem perfekten Tennis-Drehbuch. Nach ihrer Gala gegen Timea Bacsinszky wurde sie von der 18-jährigen Bencic wie erwartet bis ans Limit gefordert. Kerber trat nicht so dominant auf wie am Vortag, streute auch unerzwungene Fehler ein. Und sie musste rackern, gab im ersten Satz eine 4:1-Führung wieder her - und verlor Durchgang eins im Tiebreak.

Bereits zu Beginn stehende Ovationen

Zu Beginn riss Kerber aber erneut die Zuschauer mit. Nach einzelnen Ballwechseln standen Zuschauer von ihren Sitzen auf, als wäre die Linkshänderin kurz vor dem entscheidenden Punkt zum Gesamtsieg. Am Ende wurden aber auch die 4200 Zuschauer immer leiser ob der Stärke der Kontrahentin. Zu abgeklärt trat die 18-Jährige auf, zu müde war Kerber, sie konnte das Match nicht mehr drehen. Auch der Oberschenkel zwickte - für Kerber sollte das aber keine Entschuldigung sein.

Doch auch wenn sie nicht wie erhofft zwei Punkte holte, hat sie viele Sympathien gewonnen. Die vergangenen Tage waren für Kerber wie ein Schnellkurs in der Entwicklung von der zurückhaltenden Top-Ten-Spielerin zum viel beachteten Star gewesen. Plötzlich steht die Nummer zwei der Tennis-Welt im Fed Cup im Mittelpunkt.

In einem Team, in dem sich sonst viel auf die redegewandte Petkovic oder beim zuvor letzten deutschen Tennis-Hype auf die frühere Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki konzentrierte.

Ein einziges Turnier hat für Kerber viel verändert. Sie fühlt sich „gereifter“, wie sie selbst zugab. Und seit sie als erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf vor 16 Jahren ein Grand-Slam-Turnier gewann, tritt sie mit einem anderen Selbstverständnis auf - auch wenn das am Sonntag nicht reichte. „Da ist eine unglaubliche Entwicklung passiert. Sie ist jetzt wirklich die Nummer eins, die man sich wünscht“, würdigte Teamchefin Barbara Rittner am Samstag.

Kerber freut sich auf die Couch

Am Sonntag aber musste die Norddeutsche dann dem ungewohnten und kräftezehrenden Terminstress sowie Medien-Marathon Tribut zollen. „Der Tank ist leer, sie hat alles versucht und braucht jetzt erst einmal eine längere Pause“, sagte Rittner bei Sat.1 Gold.

Und eine Pause will sich Kerber auch gönnen. Statt Zeit auf dem Tennisplatz will sie jetzt erst einmal Stunden auf der Couch verbringen. „Ich werde einfach nur daliegen und mir noch mal durch den Kopf gehen lassen, was passiert ist“, sagte Kerber. Sie sah müde aus.