Peter Joppich hat in seiner langen Karriere schon oft Grund zum Jubeln gehabt. Foto: dpa

Peter Joppich ist vor 15 Jahren zum ersten Mal Weltmeister geworden – und greift in Leipzig bei den Fecht-Weltmeisterschaften wieder an.

Stuttgart - Sie ist noch immer zu bewundern, die vielleicht imposanteste Frisur des Fechtsports. Die blonde Welle des Florettspezialisten Peter Joppich sticht bei der WM-Auftaktpressekonferenz des deutschen Teams in Leipzig genauso heraus, wie sie es schon 2002 in Lissabon getan hat. Stramme 15 Jahre ist es inzwischen her, dass Joppich sich als Mannschaftsweltmeister erstmals die WM-Krone aufsetzen durfte. Danach folgten vier Einzel-Titel in den Jahren 2003, 2006, 2007 und 2010 – was noch immer ein beeindruckender deutscher WM-Rekord ist. Und in Leipzig reifte beim Betreten eines Konferenzraumes im Pentahotel die Erkenntnis: Wow – der Koblenzer mit dem auffälligen Haarschnitt ist ja immer noch da.

Peter Joppich darf langsam, aber sicher als Evergreen der Klingenkunst bezeichnet werden. 34 Jahre ist er inzwischen alt, aber warum sollte einer nicht tun, was ihm Freude macht und wozu er sich berufen fühlt? „Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer noch motiviert bin“, sagt der Fechter, der auch Einzel- und Mannschafts-Europameister wurde und mehr als 20 Weltcup-Siege abräumte. Und er möchte auch sicher nicht, dass man seine nächste Aussage in den falschen Hals bekommt, auch wenn es schon ein bisserl nach Eigenlob riecht. „Natürlich gehöre ich schon zu den Älteren, aber ich bin immer noch einer der Fittesten und Schnellsten.“

Das Selbstbewusstsein eines Champions

Ohne Selbstbewusstsein ist noch keiner Champion geworden, auch das ist klar. ­Joppich hat überdies das Glück gehabt, dass er während der halben Ewigkeit, die er schon mitficht, von schweren Verletzungen verschont blieb. Sein Körper mache noch sehr gut mit, sagt er. Seinem Verständnis nach ist er wohl auch kaum gealtert. Man ist geneigt zu glauben, dass einer wie Joppich gesegnet ist von der Natur. Er sieht es selbst so: „Im Hinblick auf meine körperliche Konstitution habe ich ein bisschen Glück gehabt.“

Seine Konkurrenten um die WM-Medaillen haben dagegen das Pech, dass ihnen das Energiebündel aus Rheinland-Pfalz immer noch gegenübersteht. Was hochrangige Florettfechter aus Italien oder Russland zur Verzweiflung treibt, ist Joppichs weltweit gefürchtete Nervenstärke. Im Gefecht steckt er im Tunnel. Er biegt die verrücktesten Duelle um, gibt nie nach, bricht selten ein. Und er ist flink. Nach wie vor.

Die Gegner werden es zu spüren bekommen

In Leipzig, wo Joppich an diesem Sonntag startet, werden es seine Gegner zu spüren bekommen. Wobei Joppich eine Medaille nicht einkalkuliert, dafür sei das K.-o.-System zu brutal und die Konkurrenz zu groß. „Ich weiß, wie schwer die WM wird, denn wir haben im Männerflorett eine Weltspitze, die sehr eng beisammen ist, da gibt es unheimlich viele gute Leute, von denen alle das Turnier gewinnen können“, sagt Joppich. Man müsse schon einen guten Tag erwischen und verdammt viel Glück haben mit dem zugelosten Gegner.

Nur einmal Bronze in London

Der letzte WM-Titel im Einzel liegt zwar schon sieben Jahre zurück, doch irgendwie lässt ihm die persönliche Olympia-Bilanz keine Ruhe. Das Mannschaftsbronze von London 2012 ist Joppichs einzige olympische Auszeichnung, mehr war nicht drin. Diese Medaille hatte für den Mann, der bei Weltmeisterschaften stets das Limit seiner Fähigkeiten erreichte, etwas unfassbar Befreiendes. Er wusste endlich: Es klappt auch bei Olympia. Vier Jahre später in Rio de Janeiro scheiterte er im Einzel dann wieder im Achtelfinale – da war er wieder, der Fluch der Ringe.

Nun ist die WM in Leipzig als frühe Zwischenstation auf dem Weg zu den Sommerspielen 2020 in Tokio zu betrachten. Joppich ist dann bereits 37 Jahre alt, doch einem viermaligen Weltmeister muss man den ungestillten Hunger nach Olympiagold auch eingestehen. Olympiasieger zu sein ist die Krönung. Gelingt Joppich in drei Jahren der ganz große Wurf, wäre diese ohnehin schon beispiellose Karriere vollendet.

Der Körper macht noch mit. „Tokio wäre noch einmal eine echt schöne Sache “, sagt der Vater einer Tochter, die im Juli 2016 zur Welt kam. Die Chancen auf den Olympiasieg sind dann auch im Teamwettbewerb vorhanden, der 2020 wieder in allen Waffenarten ausgefochten wird. Peter Joppich hat dann zwei Chancen auf dieses verflixte Gold, das ihm fehlt – und wohl der Grund seiner auch im fortgeschrittenen Alter ­immer wieder aufflackernden Unruhe ist.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: