Nico Weinmann ist kulturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Stuttgarter Landtag Foto:  

Am Dienstag, 5. November, will der Verwaltungsausschuss der Staatstheater Stuttgart Beschlüsse für die Sanierung des Opernhauses und die Erweiterung des Staatstheater-Areals fassen. Was sagt die FDP dazu?

Stuttgart - Seit Jahren überfällig, soll die Sanierung des Opernhauses Stuttgart und die Erweiterung des Staatstheater-Areals um 10400 Qua­dratmeter Nutzfläche für das mit 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern größte Dreispartenhaus (Oper, Ballett, Schauspiel) nun Realität werden. Was sagt die FDP im Stuttgarter Landtag, dazu? Der kulturpolitische Sprecher Nico Weinmann sieht bei der „Wagenhallen-Lösung“ für das Interim „viele Unsicherheiten“.

Herr Weinmann, die FDP-Fraktion begleitet den Verlauf der Planungen für die Sanierung und Erweiterung der Staatstheater Stuttgart kritisch. Jetzt soll der Interimstandort Wagenhallen fixiert werden – bei Kosten von wohl deutlich mehr als 100 Millionen Euro. Sieht die FDP-Fraktion diese Ausgaben ausreichend begründet?

Die Interimslösung mit Modulbauten verursacht nicht nur immense Kosten, sie ist auch nicht nachhaltig. Anstelle eines Gebäudes, das nach der Interimsnutzung als Konzerthaus die Kulturmeile ergänzen könnte, liegen in der Wagenhallen-Lösung viele Unsicherheiten. Es müsste etwa plangemäß gelingen, die Bauteile nach dem Interim wieder zu veräußern, um die Kostenexplosion einzudämmen.

„Die Uhr tickt, wie lange die marode Technik noch hält“

Mit welchen Forderungen begleitet die FDP-Fraktion im Landtag den Fortgang der Planungen in Stuttgart?

Die Furcht vor Großprojekten in der Landeshauptstadt hat die grünen Entscheidungsträger wohl in eine Schockstarre versetzt. Wir treten bei der Diskussion um die Ausweichspielstätte nun seit Jahren auf der Stelle, obwohl die Uhr tickt, wie lange die marode Technik der Staatsoper noch hält. Zuletzt wurde die Diskussion praktisch nur kommunalpolitisch geführt. Wir müssen aber das Thema auch auf Landesebene wieder in Blick nehmen, es geht schließlich um das Renommee eines der kulturellen Aushängeschilder des Landes.

Sind die anstehenden Kultur-Großprojekte wie die Sanierung der Staatstheater in Karlsruhe und Stuttgart überhaupt eine genuin öffentliche Aufgabe? Erwartet die FDP-Fraktion mehr bürgerschaftliches Engagement?

Unsere Landesverfassung gibt bereits vor, dass die öffentliche Hand das kulturelle Leben fördert. Diese öffentliche Kulturförderung steht für mich nicht in Frage. Es gibt durchaus gelungene Projekte, die durch Mäzene realisiert werden konnten, etwa bei den Eintrittspreisen im ZKM. Das Land aber kann sich nicht mit Verweis auf das wertvolle bürgerschaftliche Engagement aus der Verantwortung stehlen.

„Wir brauchen endlich eine belastbare Kostenplanung“

Welche Schritte fordert die FDP-Fraktion für die parlamentarische Absicherung der weiteren Planungen?

Wir brauchen ein belastbares Umsetzungskonzept, sowohl hinsichtlich des Zeitplans, aber vor allem brauchen wir endlich eine belastbare Kostenplanung. Die Haushaltsberatungen im Landtag stehen unmittelbar bevor und noch immer wird in Kostenkorridoren diskutiert, die kaum valide in den Haushalt einzubetten sind. Wir erwarten einen konstruktiven Schulterschluss der Landesregierung mit Stuttgarts OB Kuhn, die bei der paritätischen Finanzierung von Land und Stadt schließlich in einem Boot sitzen.

Die Fragen wurden schriftlich gestellt und schriftlich beantwortet

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