Foto: dpa

Die FDP soll dauerhaft zweistellige Ergebnisse einfahren, wenn es nach Christian Lindner geht. Das erinnert zwar an Guido Westerwelles Kurs, unterscheidet sich aber deutlich davon, kommentiert unser Berlin-Korrespondent Thomas Maron.

Berlin - FDP-Chef Christian Lindner will die FDP auf „Wachstumskurs“ bringen, will stabile zweistellige Ergebnisse. Die Delegierten des Bundesparteitags entlässt er mit einem dicken Buch an Aufgaben und Ideen. Mit der Aussicht auf noch grandiosere Ergebnisse will er den Blick der Partei nach vorne richten. Weg von der Debatte über seinen Rückzug aus dem Jamaika-Projekt im vergangenen November. Hin zu neuer Gier auf noch bessere Werte.

Für einen Moment blitzt da die Hybris des großspurigen Projekts 18 auf, mit dem Guido Westerwelle die FDP einst durch die Decke schießen lassen wollte. Aber auch wenn Lindner nicht minder ambitioniert ist und sehr genau analysiert, wie der Liberale Mark Rutte im Nachbarland Niederlande sogar Ministerpräsident wurde, so unterscheidet sich Lindners „Projekt Zweistelligkeit“ doch deutlich von der albernen Spaßfassade, mit der die FDP 2002 das Bundeskanzleramt stürmen wollte.

Raus aus der Nische, rein in die Mitte

Davon zeugt das ambitionierte Aufgaben- und Ideenpaket, das Lindner den Delegierten auf dem Parteitag unter der arg PR-lastigen Überschrift „Innovation Nation“ auf den Weg gibt. Partei und Fraktion sollen in der Opposition präzisieren, für was die FDP steht, sollen Freiheits-, Innovations- und Fortschrittsgedanken in allen Themenbereichen durchbuchstabieren. Raus aus der Nische, rein in die Mitte. Das Parteienspektrum ist derart in Bewegung, dass da für Parteien wie FDP und auch für die Grünen tatsächlich noch sehr viel mehr von den ermatteten Volksparteien Union und SPD zu holen ist. Lindner befeuert den Ehrgeiz seiner Partei aber auch aus einem viel banaleren Grund. Sie will beschäftigt sein, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen. Denn nach dem Einzug in den Bundestag und dem Rückzug aus den Jamaika-Verhandlungen sucht die Partei nach Orientierung und neuen Zielen. Opposition auf Dauer kann Lindner sowieso nicht überstehen. Er muss die Perspektive eröffnen, die FDP 2021 in eine Regierung zu führen. Sonst sucht sie sich irgendwann einen, der diesen Job besser hinbekommt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: