Ein letztes Halali: Franck Ribéry und Arjen Robben Foto:  

Franck Ribéry und Arjen Robben gehen in ihre wohl letzte Bundesliga-Saison – die beiden Altstars des FC Bayern haben nicht nur zum Auftakt gegen Hoffenheim viel vor.

München - Es wird aller Voraussicht nach wie immer sein an diesem Freitag, wenn am Abend das Eröffnungsspiel der Fußball-Bundesliga in München steigt. Der Meister FC Bayern empfängt die TSG Hoffenheim, Anpfiff um 20.30 Uhr – und eine halbe Stunde vorher, um acht, wenn in Hamburg die Tagesschau beginnt, kommen die beiden Mannschaften raus auf den Platz zum Aufwärmen.

 

Einer ist dann wieder der Erste.

Arjen Robben, der niederländische Tempodribbler, will nicht immer nur während der 90 Minuten der Schnellste sein. Er zündet auch dann schon seinen Turbo, wenn es zum Aufwärmen geht. Wie ein nervöses Rennpferd in der Box steht Robben vorher im Spielertunnel. Er wartet heißblütig, bis die Kollegen endlich auch aus der Kabine gekommen sind. Bis sie endlich bereit stehen. Dann sprintet Robben auf den Platz. Immer als Erster.

Nichts hat er von seinem fast schon manischen Ehrgeiz verloren, nichts von seiner professionellen Einstellung, nichts von seiner puren Lust aufs Kicken. Wenn der Flügelflitzer tatsächlich mal von Verletzungen verschont bleiben sollte, gibt es das ganz spezielle Spektakel beim Aufwärmen noch 34 mal in der Bundesliga zu sehen – dann ist mutmaßlich Schluss für den Rechtsaußen, der im Sommer noch mal einen Vertrag bis 2019 in München bekam.

Das letzte Hurra zweier Legenden

Auf der anderen Seite, vorne links, gestalten sich die Dinge bei den Bayern ähnlich. Dort bittet Franck Ribery zum letzten Tanz – auch der Franzose bekam ihn noch mal, den letzten Vertrag über ein Jahr, dann wird wohl auch für ihn Schluss sein in München.

Rib und Rob, das Traumpaar auf den Seiten, die gefürchtete Münchner Flügelzange, die famosen Tempodribbler, und, ja, manchmal auch die Exzentriker und Egomanen auf dem Platz, wollen es nochmal wissen. Es ist das letzte Hurra zweier Legenden des FC Bayern – doch wer immer dachte, dass es sich bei der Abschiedssaison der beiden um so etwas wie ein gemütliches Auslaufen handelt, der sieht sich getäuscht.

Denn der neue Trainer Niko Kovac scheint auf die alten Recken zu setzen, Ribéry (35) und Robben (34) stehen beim Saisonauftakt aller Wahrscheinlichkeit nach in der Startelf. Die Platzhirsche verteidigen ihr Revier in München, das sie seit elf (Ribéry) und neun Jahren (Robben) hegen und pflegen.

Kovac lobt seine Flügelzange

Die Außenstürmer gehören zu den Gewinnern der Vorbereitung unter Niko Kovac – was der Trainer so bestätigt. Über Robben sagte Kovac der „SZ“ kürzlich: „Ich hatte schon viel von ihm gehört, aber er hat alle Erwartungen übertroffen. Was dieser Mann jeden Tag für seinen Beruf tut, ist faszinierend.“ Robben, so Kovac weiter, könne jungen Spielern etwas vorleben.

Auch Ribéry hat es dem Coach angetan. Er sei die „zweite große Überraschung“ gewesen. „Wie er die harten Wochen der Vorbereitung mit Energie und Begeisterung mitgemacht hat, ist außergewöhnlich. Er ist nach wie vor ein Weltklassespieler“, sagte Kovac: „Franck ist ein Mentalitätsmonster, er marschiert immer voran.“

Spielen Robben und Ribéry also immer – und Kingsley Coman und Serge Gnabry, die nachrückenden Außenstürmer der Zukunft, selten bis nie? Ganz so wird es dann trotz aller Lobhudeleien auf die Altstars doch nicht kommen. Sagt zumindest der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der vor dem Start betonte: „Ich bin überzeugt, dass beide Spieler, Arjen und Franck, Verständnis haben, wenn sie mal nicht spielen. Ich habe mit den beiden gesprochen, als sie ihre Verträge verlängert haben: Sie müssen bereit sein, Serge und Kingsley zu unterstützen.“ Denn die Bayern, erklärt Rummenigge, müssten ein Interesse daran haben, dass die jungen Spieler zum Einsatz kämen: „Wir brauchen auf den Flügeln mittelfristig den Generationswechsel.“

Ribéry gilt mittlerweile als Bayer

Den aber, na klar, wollen Ribéry und Robben so lange wie nur irgend möglich hinauszögern. Also sagt Arjen Robben vor dem Auftakt: „Wenn die Verletzungen wegbleiben, sind wir noch gut fit – dann sind wir noch jung.“ Und Ribéry ergänzt: „Arjen und ich haben viel Erfahrung, wir sind Profis, wir haben immer Hunger.“

Nein, satt sind sie noch lange nicht, die beiden Oldies. Robben, der Mann, der die Bayern 2013 im Finale gegen den BVB zum Triumph in der Champions League schoss. Und Ribéry, der Filou, der in München schon länger nicht mehr als Franzose durchgeht. Sondern als echter Bayer. Zwei Große drehen ihre Ehrenrunde.

Und geben dabei Vollgas.