Bayern-Profis Alaba (li.), Mandzukic: Härtefälle sind auch in Zukunft nicht ausgeschlossen. Foto: Bongarts

Die Zeiten, als es dem großen Nachbarn aus München mulmig wurde, wenn er nach Stuttgart reiste, sind vorbei. Inzwischen scheint sich der FC Bayern mehr mit sich selbst zu beschäftigen als mit dem nächsten Gegner.

Die Zeiten, als es dem großen Nachbarn aus München mulmig wurde, wenn er nach Stuttgart reiste, sind vorbei. Inzwischen scheint sich der FC Bayern mehr mit sich selbst zu beschäftigen als mit dem nächsten Gegner.

Stuttgart - Es ist ja nicht so, dass sich der FC Bayern München seinen Erfolg erschlichen hätte. Es ist der Lohn langjähriger und harter Arbeit. Jetzt schwebt das Maß der Dinge im deutschen Fußball weit über dem Rest der Liga. Erst recht über dem VfB. Und die Zeiten, als mit markigen Worten hier wie dort der Südgipfel intoniert wurde, sind ein Fall für die Geschichte.

Da kann den Bayern niemand übelnehmen, dass sie nicht stundenlang darüber hirnen, wie diesen früher so aufsässigen Schwaben beizukommen ist. Deshalb sprechen findige Reporter in München lieber schon jetzt über die Modalitäten einer Meisterfeier oder über das vermeintlich schwere Schicksal des Stürmers Mario Mandzukic, der sich im Spiel gegen Gladbach wegen mangelnder Trainingsleistungen nicht im Kader wiederfand. Das führte zu Diskussionen, die jede Regierungskrise zur Banalität verkommen lassen. Und um es vorwegzusagen: Mandzukic saß im Bus, der am Dienstag gen Stuttgart düste. Ob er in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena an diesem Mittwochabend (20 Uhr/Sky) seine Qualitäten als Torjäger dokumentieren darf, ist eine andere Frage. „Er hat okay trainiert“, befand Pep Guardiola, der über den Einsatz des Kroaten erst kurz vor dem Spiel gegen den VfB entscheiden will. Seine Chancen stehen nicht schlecht, zumal die 60 449 Zuschauer nicht in den Genuss der Dribbelkünste von Franck Ribéry und Arjen Robben kommen werden. Beide Stürmer zwickt ein Muskel.

Den Bayern-Coach dagegen zwickte, dass er Auskünfte erteilen sollte über Ereignisse, die ihn derzeit so sehr kümmern wie ein umgestürztes Fahrrad in München-Harlaching. „Meisterfeier? Das fragen Sie mich jetzt?“, dröhnte der verdutzte Spanier, „es ist Januar. Keine Mannschaft der Welt gewinnt im Januar eine Meisterschaft. Das ist unmöglich. Jetzt verdient unser nächster Gegner Respekt. Der VfB Stuttgart.“ Der FC Bayern habe noch viele schwierige Spiele vor der Brust, dozierte der Coach mit grimmigem Gesicht: „Wir brauchen noch viele Punkte.“ Das Südderby bezeichnete er als willkommenen „Test. Wir wollen uns weiter verbessern.“

Sollte es wie erhofft gegen den VfB Stuttgart klappen mit einem Sieg, wächst der Vorsprung des Tabellenführers auf den Verfolger aus Leverkusen auf 13 Punkte, 17 Zähler sind es dann bis zu Borussia Mönchengladbach oder Borussia Dortmund. „Das ist eine Riesenchance“, unterstrich Kapitän Philipp Lahm, der schon mal laut darüber nachdachte, dass es demnächst noch mehr Härtefälle des Kalibers Mandzukic im Bayern-Ensemble geben könnte. „Jeder hat das zu akzeptieren. Wir haben einen Mega-Kader.“

Pep Guardiola jedenfalls tut alles, um den Leistungsdruck weiter hochzuhalten. „Manchmal brauche ich andere Spieler im Kader“, sagte er angestrengt und erinnerte ein wenig an den guten alten Karl Valentin: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

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