Ajax-Stürmer Mazraoui trifft zum 1:1-Endstand – sehr zum Ärger von Bayern-Verteidiger David Alaba Foto: AFP

Drei Spiele hintereinander ohne Sieg – der FC Bayern wird unruhig. Vergessen ist der überzeugende Einstand von Trainer Niko Kovac, der keine Erklärung dafür findet, warum es nicht mehr läuft.

München - Es war kurz nach Mitternacht, genauer gesagt, fünf nach zwölf, als Mats Hummels als letzter Spieler des FC Bayern auf dem schnellsten Weg die Münchner Arena verließ. „Wacklig, sehr wacklig“, sagte der Innenverteidiger im Gehen. Gemeint hat er damit seinen persönlichen Zustand nach dem zweiten Gruppenspiel der Champions League gegen Ajax Amsterdam. Hummels war wegen einer Platzwunde am Kopf benommen ausgewechselt und anschließend genäht worden. Aber seine Worte beschrieben auch sehr treffend den momentanen Zustand der gesamten Münchner Mannschaft.

Eine Viertelstunde davor hatte Niko Kovac über das 1:1 gegen Ajax referiert, das dritte Spiel der Bayern in Serie ohne Sieg. Und er war dabei nicht mehr mit jenem gelassenen Bayern-Trainer aus den ersten sieben Pflichtspielen zu vergleichen, auch nicht mehr mit dem, der das Remis gegen Augsburg und die Niederlage in Berlin in der vergangenen Woche noch als Ausrutscher wegmoderiert hatte. Dem 46-Jährigen war zum ersten Mal in seiner Münchner Dienstzeit die Bürde des Erfolgsdrucks anzumerken, die Last, die so eine kleine Negativserie beim FC Bayern mit sich bringt. „Heute hat ein bisschen mehr gefehlt als das, was ich und wir uns alle erwartet haben“, kritisierte der Bayern-Coach.

Die Bayern geben die Kontrolle aus der Hand

Kovac hatte sich eine Reaktion von seiner Mannschaft nach der missratenen vergangenen Woche gewünscht – die aber nur eine gute Viertelstunde lang bekommen. Die Münchner waren schwungvoll in die Partie gestartet, sehr schwungvoll sogar – und mit einem frühen Tor durch Mats Hummels. Der direkte Weg aus der Minikrise schien mit diesem 1:0 in der vierten Minute bereitet, aber dieses Tor, gibt Kovac hinterher zu, „hat uns keineswegs die nötige Sicherheit gegeben“.

Stattdessen gelang Noussair Mazraoui der Ausgleich (22.). Die Bayern haben die Kontrolle aus der Hand gegeben, den Gegner, wie der Trainer findet, „aufgebaut und uns letztendlich abgebaut“. Am Ende mussten die Münchner sogar froh sein, dass sich die junge Ajax-Mannschaft nur mit einem und nicht mit drei Punkten auf den Rückweg nach Amstardam begab.

Niko Kovac hat zwar eine Idee, was seine Spieler anders machen müssen: „Die Chancen besser nutzen, körperlich gegenhalten, weil nur mit Fußball und Ballbesitz wird man es immer wieder schwer haben.“ Aber eine Erklärung für das, was bis vor einer Woche gut funktioniert hat und jetzt nicht mehr, hat er nicht parat. „Ich muss das erst verarbeiten und meine Gedanken sortieren.“ Wie Kovac rätseln auch die Spieler, was zu diesem Formverlust geführt hat nach den ersten sieben Pflichtspielen, in denen man das Gefühl hatte, „wir haben alles im Griff, wir können schalten und walten, wie es uns passt“, wie Thomas Müller sagt. Die Leichtigkeit ist verloren gegangen, ebenso die Präzision und Sicherheit. „Es kann doch nicht sein, dass innerhalb einer Woche alles weg ist“, hadert Arjen Robben.

James verlässt das Stadion

So eine Negativserie, die bei den Bayern immer zu größerer Aufregung führt als andernorts, fördert auch Schwachstellen in der Mannschaft hervor, Probleme, die sich zuvor prima kaschieren ließen. James war sicher von Anfang an nicht mit seinen Einsatzzeiten zufrieden, aber als es gut lief, fand er wenig Gehör und musste seinen Status zähneknirschend hinnehmen. Nun knirschte er nicht mehr nur im Verborgenen mit den Zähnen, sondern verließ bereits zehn Minuten nach Abpfiff das Stadion, wortlos zwar, aber seine Miene sprach Bände. Der Kolumbianer gehörte wieder nicht der Startelf an und wurde erst nach einer guten Stunde eingewechselt.

James verpasste deshalb den Besuch der Vereins-Oberen. Angeführt von Präsident Uli Hoeneß, ausnahmsweise nicht mit rot-weißem Bayern-Schal um den Hals, schritt die gesamte Führung durch die Mixed Zone in die Kabine. Das ist üblich beim Rekordmeister – unüblich dagegen ist, dass Hoeneß später nicht mehr an den Journalisten vorbeispaziert, um allerseits einen schönen Abend zu wünschen. Er wählte ausnahmsweise einen anderen Weg aus dem Stadion, womöglich, weil es mehr zu sagen gegeben hätte als einen freundlichen Gruß.

Bisher gab es für Kovac keinen Grund, sich Sorgen machen zu müssen. Mit dem glänzenden Saisonstart hatte er sich viel Kredit erworben und war oft und lautstark von den Verantwortlichen für seine Arbeit gelobt worden. Aber nun ziehen die ersten Gewitterwolken auf, der Wind beginnt sich zu drehen. Nicht nur draußen vor der Tür, sondern auch für den Trainer.

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