Die Kenntnisse von Kurt Kindermann werden auch beim FBI geschätzt. Am 30. April berichtet er im Leonberger Galerieverein über Fahndung per Gesichtserkennung. Foto: Jürgen Bach

Kurt Kindermann wurde beim FBI ausgebildet und hat gesuchte Verbrecher zur Strecke gebracht. Am Donnerstag, 30. April, gibt er Einblicke in die Besonderheit von Phantombildern.

Sie sind bekannt aus der Zeitung, auch das Fernsehen verwendet sie, etwa im „Tatort“ oder bei „Aktenzeichen XY“: Phantombilder, mit denen mutmaßliche Bösewichte gesucht werden. Doch wie entstehen diese Bilder? Eine Koryphäe im Bereich der Gesichtserkennung lebt in Leonberg: Kurt Kindermann hat die deutsche Ermittlungslandschaft in diesem Bereich maßgeblich geprägt.

 

Mit seiner mehr als 40-jährigen Laufbahn bei der Polizei und einer spezialisierten Ausbildung beim legendären amerikanischen FBI gehört der Erste Kriminalhauptkommissar im Ruhestand zu den profiliertesten Experten für die Identifizierung von Personen.

Am Donnerstag, 30. April, 19 Uhr, blickt der ehemalige Fachkoordinator für Phantombilderstellung in Deutschland im Galerieverein Leonberg auf Jahrzehnte an Erfahrung zurück, in denen er flüchtige Erinnerungen in konkrete Fahndungshilfen verwandelte.

Herr Kindermann, Sie müssen am Vorabend des 1. Mai mit zahlreichen Festen konkurrieren. Warum sollten die Menschen zu Ihrem Vortrag gehen?

Meine Erfahrungen geben nicht nur eine ganz neue Perspektive in die kriminalpolizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern auch einen neuen Blickwinkel in die Betrachtung des Aussehens des Gegenübers.

Als Kriminalbeamter ist man nicht automatisch Zeichner. Und doch sind Sie es geworden.

Es gab ganz pragmatische Gründe: Anfang der 80er Jahre war ich beim Einbruchsdezernat, und wir hatten keinen ausgebildeten Zeichner. Deshalb habe ich aufgrund meines Hobbys, der Porträtmalerei, angefangen, mit den Zeugen in meinen Fällen Fahndungsbilder zu erstellen.

Was unterscheidet ein Porträt von einem Fahndungsbild?

Ein künstlerisches Porträt ist eine kreative Interpretation. Ein Fahndungsbild hingegen wird erstellt, um eine Person zu identifizieren, die im Zusammenhang mit einem Verbrechen gesucht wird. Es ist funktional und dient der öffentlichen Sicherheit. Künstlerische Porträts drücken häufig Emotionen und die Persönlichkeit des Modells aus, während Fahndungsbilder emotional neutral sind, um objektiv zu bleiben und die Merkmale klar zu zeigen.

Straftäter in Mexiko – nach nur einer Woche gefasst

Verglichen mit Ihren Anfangsjahren: Wie hat sich das Erstellen von Phantombildern im Lauf der Jahre entwickelt?

Es gab technologische Fortschritte und verbesserte Methoden. Früher basierten Phantombilder stark auf den Erinnerungen der Zeugen, was manchmal zu ungenauen Darstellungen führte. Heutzutage gibt es strukturierte Interviewtechniken und psychologische Methoden, die Zeugen helfen, genauere Beschreibungen zu liefern. Die Entwicklung von Phantombildern hat von handgezeichneten Darstellungen zu digitalen, präzisen und interaktiven Bildern geführt, die die Ermittlungsarbeit erheblich unterstützen.

Was war Ihr spektakulärster Fall?

Aufgrund eines von mir erstellten Bildes konnte ein international gesuchter Straftäter in Mexico City festgenommen werden, und das nicht einmal einer Woche nach der Veröffentlichung.

Werden die Zuhörer nach Ihrem Vortrag Krimis mit anderen Augen sehen?

Es werden weniger die Krimis sein, eher die Betrachtung der Menschen und die Möglichkeiten, sie zu unterscheiden.

Das „Subjektive Porträt“

Vortrag
Der Gesichtserkennungsexperte Kurt Kindermann spricht über seine Arbeit am Donnerstag, 30. April, von 10 Uhr an im Galerieverein Leonberg, Zwerchstraße 27. Der Eintritt ist kostenfrei, Spenden sind erbeten.