Ex-FBI-Direktor Comey vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats. Foto: AFP

„Das waren Lügen, schlicht und einfach“: Mit diesen Worten stellt der frühere FBI-Chef die Aussagen Trumps zu seinem Rauswurf in Frage. Comeys Auftritt vor einem Senatsausschuss war dramatisch und für Trump äußerst beunruhigend.

Washington - Der frühere FBI-Direktor James Comey hat US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, Lügen über ihn und das FBI verbreitet zu haben. Die Trump-Regierung habe ihm nach seinem überraschenden Rauswurf Führungsschwäche vorgeworfen und ihn und die Bundespolizei damit diffamiert, sagte Comey am Donnerstag vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats. „Das waren Lügen, schlicht und einfach“, sagte er.

Comeys Aussage vor dem Senatsausschuss war mit Spannung erwartet worden. Es waren seine ersten öffentlichen Ausführungen seit seiner Entlassung im Mai. Am Mittwoch war bereits eine siebenseitige Stellungnahme mit Aufzeichnungen Comeys über seine Vieraugengespräche mit Trump veröffentlicht worden.

Comey beschrieb sein Unbehagen über die Zweiergespräche mit Trump. Dieses unwohle Gefühl habe ihn dazu getrieben, direkte Notizen über die Unterredungen anzufertigen. „Ich war ernsthaft besorgt, dass er über die Natur unseres Treffens lügt“, sagte Comey zu einem Treffen mit Trump im Januar. „Ich wusste, dass ein Tag kommen könnte, an dem ich eine Aufzeichnung von dem brauchen könnte, was passiert ist - nicht nur, um mich zu verteidigen, sondern um das FBI zu schützen.“ Er habe das Gefühl gehabt, dass Trump ihn politisch unter Druck setzen wollte. „Er wollte etwas im Gegenzug dafür, dass er meine Bitte bewilligte, den Job zu behalten.“

Angesprochen auf den Tweet von Trump, in dem er andeutete, es könnte Tonaufzeichnungen seiner Gespräche mit Comey geben, sagte der ehemalige FBI-Direktor: „Ach Gottchen, ich hoffe, dass es Aufzeichnungen gibt.“ Dann sollte Trump diese auch alle veröffentlichen.

Comey sagte, er habe bei einem Gespräch im Oval Office Trumps Forderung nach einer Einstellung der Ermittlungen gegen den früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn nicht sofort zurückgewiesen. Er sei in dem Moment damals einfach zu verblüfft von dieser Bitte gewesen und habe keinen klaren Gedanken fassen können. Aber selbst wenn er das gekonnt hätte, sei er nicht sicher, ob er gewagt hätte, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten direkt zu widersprechen.

Trump sagte Comey zufolge bei dem Treffen unter vier Augen, er hoffe, dass der FBI-Direktor die Flynn-Ermittlung einstelle. Trump habe zwar das Wort „hoffen“ benutzt, es habe aber wie eine klare Richtungsanweisung geklungen, sagte Comey.

Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein stellte dazu die Frage, die auch viele Republikaner in den vergangenen Wochen aufgeworfen haben: „Warum haben Sie nicht innegehalten und gesagt: „Mister President, das ist falsch“?“, fragte sie Comey. Der entgegnete, dies sei eine „großartige“ Frage. „Vielleicht hätte ich das getan, wenn ich stärker gewesen wäre. Ich war so verblüfft von dem Gespräch, dass ich es einfach nur aufgenommen habe.“

Comey wurde ebenfalls gefragt, ob er glaube, dass er wegen den FBI-Ermittlungen zur Einmischung Russlands in die US-Wahl sowie die Untersuchungen zu den Russland-Kontakten von Trumps Wahlkampfteam entlassen worden sei. „Ja“, antwortete Comey. „Weil ich gesehen habe, dass der Präsident das sagte.“

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