Polizeiaufgebot an der Freitreppe auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Foto: dpa/Andreas Rosar

Am Mittwochabend war erstmals die Freitreppe in der Innenstadt gesperrt. Zahlreiche Einsatzkräfte der Polizei waren unterwegs, um das Geschehen zu kontrollieren. Am Ende wurde es eine ruhige sommerliche Nacht.

Stuttgart - Eine weiße Absperrung am oberen und unteren Ende der Freitreppe am Schlossplatz hindert diesen Mittwochabend die frischlufthungrigen Stuttgarter daran, sich hier niederzulassen. Vielen Passanten bleibt beim Anblick der sonst überfüllten Treppe neben dem Kunstmuseum der Mund offenstehen. Andere lachen und kommentieren den Anblick mit Worten wie: „Was soll das denn bringen“, „haben die das echt abgesperrt“ oder auch: „Lass uns dann in den Park gehen“.

Augenscheinlich haben nur wenige mitbekommen, dass die Stadt am Dienstag bekannt gab, dass die Freitreppe vorerst vor Feiertagen, an Freitagen und Samstagen gesperrt wird. Grund dafür sind die Ausschreitungen am vergangenen Wochenende, bei denen nach Angaben der Polizei fünf Beamte verletzt wurden, als sie die Freitreppe räumten.

„Das verlagert sich dann doch einfach nur“

Dass die Freitreppe nun am Mittwochabend gesperrt bleibt, scheint viele der Anwesenden jedoch nicht zu stören. Zwei Männer, die auf der Wiese am Neuen Schloss sitzen reagieren auf die Frage nach der Absperrung verdutzt: „Das haben wir gar nicht gesehen“, sagen sie. Dass diese Maßnahme einen Zweck erfüllt, bezweifeln sie allerdings: „Das verlagert sich dann doch einfach nur. Zum Beispiel in Richtung Eckensee“.

Auch eine Gruppe Studierende, die es sich auf der Wiese vor dem Neuen Schloss gemütlich gemacht hat, ist sich nicht sicher, ob diese Maßnahme hilfreich ist: „Ich sehe keinen Sinn dahinter, dass die Freitreppe gesperrt ist. Das macht doch keinen Unterschied“, sagt einer von ihnen.

Polizeiaufgebot kommt positiv an

Eine Maßnahme, die sie allerdings sinnvoll finden, ist das große Polizeiaufgebot am Abend in der Innenstadt: „Ich finde es richtig gut, dass viel Polizei unterwegs ist“, so die Studierenden. Und auch zwei 21-jährige Frauen, die ein Stück weiter eine der wenigen Bänke ergattern konnten, sind froh über die Anwesenheit der Beamten: „Als letztes Jahr in der Stadt eine Schlägerei ausbrach wäre ich beinahe von einer Flasche getroffen worden. Da bin ich froh, dass nun so viel Polizei unterwegs ist, so fühlt man sich sicherer“.

Auch das Alkoholverbot, dass ab 22 Uhr an einigen Plätzen in der Innenstadt greift, begrüßen die beiden: „So kann man ein Limit setzen. Obwohl ich es traurig finde, dass das notwendig ist und es nicht reicht an die Vernunft der Leute zu appellieren. Aber viele haben sich einfach nicht mehr im Griff, wenn sie trinken.“

Thomas Strobl und Danyal Bayaz machen sich vor Ort ein Bild

Neben der Sperrung der Freitreppe setzt die Polizei am Mittwochabend auch auf Kommunikation. Einige Anti-Konflikt-Teams der Polizei drehen ihre Runden und sprechen immer wieder mit den jungen Menschen. Aber auch Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart sind unterwegs: „Uns geht es darum zu schauen, was passiert und wie die Menschen, die wir kennen auf die Sperrung der Freitreppe reagieren“, erklären die Sozialarbeiter.

Neben den Sozialarbeitern hat es ab Abend auch einige Landespolitiker auf den Schlossplatz verschlagen. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl und Finanzminister Danyal Bayaz tauchen gegen 21 Uhr am Schlossplatz auf, um sich ein Bild davon zu machen, warum es in der Stuttgarter Innenstadt immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt.

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Alles in allem verlief die Nacht, in der die Freitreppe erstmals gesperrt wurde, in der Innenstadt ruhig. Auch als um 22 Uhr das Alkoholverbot greift, kommt es zu keinen Auseinandersetzungen. Die Polizei bezeichnet den Mittwochabend deshalb als als „ruhig und geordnet, als friedlich und entspannt“. Es kam lediglich zur Festnahme eines 22-jährigen, der gegen 00:15 Uhr in eine Auseinandersetzung auf dem Schillerplatz verwickelt gewesen sein soll.

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