Übung macht den Meister – der VfB Stuttgart um Alexandru Maxim im Trainingslager in Lagos. Foto: Baumann

Das Team des Fußball-Zweitligisten kehrt in der Überzeugung aus dem Trainingslager in Portugal zurück, seine Aufstiegsmission erfüllen zu können. Es wurden dort auch Erinnerungen an Huub Stevens wach. Bilder von der Ankunft des Teams in Stuttgart gibt es in unserer Fotostrecke.

Lagos - Niemand hat ihn gesehen. Und vor allem hat keiner etwas gehört. Dieses berühmt-berüchtigte Knurren, das so tief aus dieser niederländischen Kehle kam, dass allen um den alten Mann in Trainingsanzug und Badelatschen herum der Schreck in die Glieder fuhr. Doch Huub Stevens‘ Geist ist dieser Tage immer mal wieder durch das noble Cascade Resort in Lagos geschwebt. Am liebsten durch den Speisesaal, wo der ehemalige Trainer des VfB Stuttgart die Spieler vor zwei Jahren stramm sitzen ließ.

Nicht einer durfte es damals wagen, sich zu erheben, ehe ihnen der Chef einen Wink gab. Minutenlang konnte Stevens die Fußballer nach dem Dessert warten lassen – mit gnadenlos strenger Miene. Doch kaum waren die Spieler hinter der geschlossenen Tür verschwunden, hob sich die Laune. Stevens lachte, Stevens erzählte Anekdoten, Stevens achtete aber auch stets darauf, ob ein Spieler wieder um die Ecke kam – dann war er umgehend der knorrige Hund.

Die Mission des Tabellendritten wird kein Selbstläufer

Hannes Wolf ist anders. Von ihm wird man sich beim VfB wohl nie solche Geschichten erzählen wie vom doppelten Retter, der vor zwei Jahren mit den Stuttgartern auf der gleichen Anlage sein Wintertrainingslager in Portugal bezog. „Es hat sich hier auch zwischenmenschlich im Team alles sehr positiv angefühlt“, so Wolf. Damals herrschte aber Abstiegskampf, und Stevens arbeitete daran, die Mannschaft widerstandsfähiger zu machen. Diesmal geht es um die Rückkehr in die Bundesliga, und von Wolf wird eine Antwort auf die große Frage erwartet, ob man mit einer Reihe von Absteigern (Gentner, Ginczek, Klein, Maxim, Baumgartl, Insua, Großkreutz, Langerak) aufsteigen kann?

Ja, wir schaffen das, sagt der Präsident. Ja, wir entwickeln uns, sagt der Manager. Ja, wir drehen an allen Stellschrauben, sagt der Trainer. Alle drei betonen nach den Tagen an der Algarve aber auch, dass diese schwäbische Mission für den Tabellendritten kein Selbstläufer wird. Weshalb Wolfgang Dietrich seine Aufgabe darin sieht, den Club in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Weshalb Jan Schindelmeiser vor der Herausforderung steht, den Kader zu verstärken. Weshalb der Trainer nicht müde wird, Flexibilität und Intensität zu fordern.

Vom Flughafen in den Kraftraum

Selbst nach der Rückkehr aus Portugal am Freitagnachmittag ging es direkt vom Flughafen in den Kraftraum – was nicht einmal Stevens in den Sinn gekommen wäre. Doch Wolf ist kein Schleifer. Er ist einer, der alle Möglichkeiten auslotet, um die Mannschaft fußballerisch in einen Modus zu versetzen, der auf Abläufen und Automatismen basiert, der aber ebenso intuitive Lösungen auf dem Rasen zulässt.

„Wir hatten zuletzt eine gute Struktur im Spiel“, sagt Wolf. Dreimal zu null in drei Testspielen ist dabei der eine Indikator, der andere die Zahl an potenziellen Torchancen. Reichlich gegen den MSV Duisburg (0:0), weniger gegen den FC Lausanne (1:0) während des Trainingslagers. Dass diese Offensivaktionen oft nicht sauber zu Ende gespielt oder – wenn doch – nicht konsequent abgeschlossen wurden, lässt sich für den Chefcoach erklären: schwere Beine nach schweren Einheiten.

Ein Testspiel steht noch aus

Wolfs Fußball erfordert jedoch Frische – in Kopf und Körper. Und der Sieg gegen Lausanne zum Abschluss an der Atlantikküste wird ebenfalls helfen, das Spiel weiter zu justieren. Zwischen der Defensive, die gecoacht wurde, wie Wolf sagt – und der Offensive, an der im Training gefeilt wurde. Die Begegnung mit dem Schweizer Erstligisten taugt jedoch nicht dazu, einen Anfangsverdacht auf eine Anfangself für den Rückrundenstart beim FC St. Pauli am 29. Januar zu äußern. „Das war nicht A- und B-Elf“, sagt der Trainer über seinen erneuten Komplettwechsel (nur Tobias Werner und Anto Grgic spielten durch) zur Halbzeit.

Das wird auch am Mittwoch nicht der Fall sein, wenn der VfB eine letzte Testpartie gegen den FC Luzern (nicht öffentlich) bestreitet. Vielmehr geht es um Varianten und Belastungen. „Man kann die Spiele nicht isoliert betrachten“, sagt Wolf mit Blick auf die Vorbereitung. Man muss schon auf das Ganze schauen. Wie auch am Saisonende, um zu sehen, wo der junge Trainer seinen Platz in der Chronik des Vereins für Bewegungsspiele von 1893 finden wird. Gleich neben dem alten Haudegen Stevens – oder unter „ferner coachten“.

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