Auch die Flächen beim Neubaugebiet Berg (unser Bild) sollen untersucht werden. Foto: Rudel/Archiv

Die Pläne des Göppinger OB Guido Till für das Bauprojekt Dittlau sind ein heißes Eisen. Der Faurndauer Bezirksbeirat spricht sich noch nicht einmal für „vorbereitende Untersuchungen“ aus.

Göppingen - So viel Andrang ist selten, wenn sich in Göppingen-Faurndau die Bezirksbeiräte zu einer ihrer Sitzungen treffen. Doch die im Rahmen der Haushaltseinbringung von Oberbürgermeister Guido Till vorgetragene Idee, im Gebiet Dittlau oberhalb des Orts Wohnungen für rund 2000 Menschen zu bauen, treibt die Faurndauer Bevölkerung um. Landwirte fürchten um ihre Ackerflächen. Anlieger sorgen sich, dass noch mehr Autos als bisher schon die Straßen verstopfen und dass die Infrastruktur auch sonst nicht ausreicht, wenn die Einwohnerzahl kurzerhand um fast 25 Prozent zunimmt.

Das Ansinnen der Verwaltung im Bezirksbeirat war es, dass dieser eine Empfehlung in Richtung des Göppinger Gemeinderats ausspricht, „vorbereitende Untersuchungen zur Wohnbaulandentwicklung Faurndau-Dittlau“ in Auftrag zu geben. Dafür soll eine Gesamtfläche von annähernd 60 Hektar untersucht werden, um die beste Lage für ein letztlich 25 Hektar großes Baufenster zu ermitteln.

Nach eineinhalb Stunden hitziger Auseinandersetzungen und einem Patt bei der Abstimmung war allerdings klar: Selbst diese Empfehlung, die ohnehin keinen bindenden Charakter hat, bleibt aus. Die Göppinger Stadtplanerin Susanne Mehlis hatte zwar deutlich gemacht, dass ein Ja zu den Untersuchungen bei weitem noch kein Beschluss für eine spätere Bebauung sei. Die Hälfte der zehn anwesenden Bezirksbeiräte zweifelte allerdings genau daran, nicht zuletzt angesichts der dafür in der Vorlage ins Auge gefassten angesetzten Gesamtkosten von 230 000 Euro.

Nur 13 Prozent der geplanten Untersuch­ungsfläche gehören der Stadt

Till Krauß (SPD) sah „keinen Grund zur Eile“ und bemängelte, dass dem bereits verabschiedeten Stadtteilentwicklungskonzept für Faurndau plötzlich keine Bedeutung mehr zukomme. Sein Parteilkollege Gunther Reiber kritisierte die Größenordnung der Projekts und den Umstand, „dass die Verwaltung bisher nicht in der Lage war, Gespräche mit den Betroffenen, wie etwa den Landwirten, dem Fußballverein oder den Grundstücksbesitzern zu führen“. Negativ äußerte sich auch Jochen Lange von den Grünen. Richard Schurr (Freie Wähler) lehnte die Vorlage ebenfalls ab. Er sprach von „Größenwahn“ und warf der Stadt „Salamitaktik“ vor.

Zustimmung gab es indes von Hans Altenhofen (Freie Wähler) sowie von den vier CDU-Vertretern. Alfred Czencz mahnte, „das Kind nicht schon vorab mit dem Bade auszuschütten“. Hans-Joachim Mund und Werner Ziegler warnten ebenfalls davor „dem Projekt von vorneherein keine Chance zu geben“. Man brauche die Untersuchungen, um ein Verfahren überhaupt in Gang bringen zu können, lautete der Tenor der Untersuchungsbefürworter.

Bürgerforum findet am 13. Dezember statt

Susanne Mehlis unterstrich diese Auffassung. „Wir brauchen den Auftrag, um überhaupt Gespräche führen zu können.“ Diese seien für alle weiteren Schritte dringend erforderlich. „Nicht zuletzt weil nur 7,4 Hektar der Untersuchungsfläche der Stadt gehören und es auch noch keine Antwort für den Sportplatz gibt“, ergänzte sie.

Das unüberhörbare Gemurmel während der gesamten Debatte zeigte vor allem zweierlei: die Bewohner des Stadtbezirks haben noch eine Menge Klärungsbedarf. Und sollte das Projekt Dittlau wirklich aufs Gleis kommen, wird es ein dickes Brett für die Göppinger Kommunalpolitik.

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