Lange hat es gedauert, jetzt hat Elfriede Rössle den Eisvogel endlich abgelichtet. Foto: E. Roessle

Jahrelang hat die Böblinger Hobby-Tierfotografin Ellen Rössle an der Schwippe vergeblich nach dem Eisvogel gesucht. Jetzt hat sie ihn endlich entdeckt – und wunderschöne Fotos von ihm und anderen Tieren gemacht.

Hildrizhausen - So oft die Böblinger Hobbyfotografin Elfriede Rössle an die Schwippe gefahren ist auf Motivjagd nach dem Eisvogel, so oft hat sich dieses blau gefiederte Juwel rar gemacht. Die Mittsechzigerin aus Böblingen konnte noch so intensiv durch ihre langen Telebrennweiten spähen: vom Eisvogel nix zu sehen. Der zeigte ihr die kalte Schulter. Jetzt hat Elfriede „Ellen“ Rössle aber doch einen entdeckt und, um in der Terminologie zu bleiben, eiskalt abgedrückt.

 

Das Objekt der Begierde freilich entdeckte die Böblingerin nicht im Schwippetal. Sondern in Hildrizhausen. Und das auch nicht etwa zufällig. Sondern aufgrund eines konkreten Hinweises an die Zeitung. Erwin und Ruth Gräther hatten sich gemeldet, nachdem Elfriede Rössle mit ihren bildschönen Schwippe-Tierbildern (eine) „Geschichte“ geschrieben hat: „Wenn dui guade Frau an Eisvogel suacht ond koin fendet – na braucht se bloß zu ons komma“, lud das Senioren-Ehepaar aus Hildrizhausen die Hobby-Lichtbilderin ein.

„Ich weiß zwar viel. Aber das wusste ich nicht.“

Womit sich zwei praktisch gesucht und gefunden haben. Elfriede Rössle ist binnen weniger Wochen fünf, sechs Mal in der Talstraße in Hildrizhausen gewesen. Dort, wo man meinen könnte, im Urlaub zu sein. Und dort, wo Erwin und Ruth Gräther einen Garten haben samt einem großen Teich. Ein Teich, der sich weithin herumgesprochen hat unter der gefiederten Welt im Flecken. Zu Gräthers kommen sie, wenn nicht alle, so doch viele: Amsel, Drossel, Fink und Star – und die ganze Vogelschar. Um dort den Durst zu löschen – den Teich speist eine Quelle. Oder um zu baden. Bäuchlings. Und auch „rücklings“, wie Elfriede Rössle zu ihrem eigenen Entzücken erstmals beobachtet hat. „Ich weiß zwar viel. Aber das wusste ich nicht.“ Ist er aufmerksam in der Natur, lernt der Mensch halt nie aus. Oder, um es im superschönen schwäbischen Duktus von Ruth Gräther zu sagen: „Die liebe Frau Rössle, die war ganz awägg. Ond die hat fai a Eselsgeduld.“

Nun, die Ruhe weg und eine ruhige Hand braucht, wer den scheuen Eisvogel vor die Linse kriegen und scharf festhalten will. Elfriede Rössle tat das aus dem Auto heraus, die Fensterscheibe runtergekurbelt und geduldig wartend. Irgendwann hatte sich der kleine Kerl an die Dame gewöhnt („ach die schon wieder, die tut nix“) und ist Fischen gegangen. Das kann schon mal einen, zwei oder gar drei Anläufe dauern.

Dann aber kommt Monsieur (oder Madame?) mit einem kleinen Stichling wieder, haut den x-Mal auf einen Holzpfosten, bis dem Schuppentier „doomelig“ wird (also schwindelig bis betäubt) – und dann wird das Vesper-Fischle solange zurecht geruckelt, bis es der Länge nach in den Schnabel passt und im Eisvogel-Schlund verschwinden kann. Mahlzeit.

Elf Schildkröten fühlen sich bei den Gräthers pudelwohl

Elfriede Rössle hat bei ihren frühmorgendlichen Fotosessions (der frühe Vogel fängt den Wurm) aber nicht nur den Eisvogel erwischt. Sondern auch die vielen grasgrünen Frösche in Gräthers Teich. Und elf Schildkröten dort. Die haben sich nicht natürlich angesiedelt, sondern sind Findlinge und Fundgaben aus zu kleinen Aquarien oder Entdeckungen aus Gottes freier Wildbahn. Alle fühlen sich bei der 75-jährigen Hausemerin und ihrem 80-jährigen Ehegatten, ehemals Schreiner bei Küchen Gulde, pudelwohl. Pudelwohl fühlen sich auch Gräthers, wo sie wohnen. Außer ab und an einem Bulldog oder einem Wochenendgebiet-Besucher Richtung Mauren ist es hier ruhig, wie sonst vielleicht nur auf dem Hausemer Friedhof. Erwin und Ruth Gräther, Frühaufsteher seit eh und je („mr isch’s so gwoohnt“), brauchen keine Naturfilme im Fernsehen gucken. Sie haben ihr tägliches tierisches Programm direkt hinterm Küchenfenster. Dort warten und freuen sie sich, wenn der Eisvogel wieder seine Aufwartung macht. Und dass Elfriede Rössle ihre Begeisterung hinterm Teleobjektiv teilt.