Die Pianistin Mona Asuka, hier bei einem Konzert in Duisburg Foto: imago/Funke Foto Services

Das Streicherensemble I Musici di Roma und die Pianistin Mona Asuka haben im Beethovensaal der Liederhalle Bach und Vivaldi gespielt.

Ein Steinway-Flügel ist ein gefräßiges Tier. Er kennt keine Gnade, wenn man ihm nichts entgegensetzt. Ein elfköpfiges Streicherensemble, das bereits alle Kraft an die räumlichen Weiten des Beethovensaals vergibt, hat kaum eine Chance, sich gegen den klanglichen Riesen durchzusetzen. Der Streicher-Ton wird einfach eingesogen vom Sound aus der großen Klappe. Doppelt bis dreimal so viele Streichinstrumente bräuchte es, um die Balance herzustellen.

 

Im Saisonauftakt der Reihe „Faszination Klassik“ im Beethovensaal schrumpfte das italienische Streichorchester I Musici di Roma in Bachs Klavierkonzerten BWV 1054 und 1056 dementsprechend zum Statisten: kaum hörbar im Schatten des Flügels, den die Pianistin Mona Asuka lächelnd, in den schmerzensreichen langsamen Sätzen traurig guckend bespielte, ohne auf die räumlichen und dynamischen Verhältnisse um sie herum auch nur irgendwie einzugehen.

Die italienischen Streicher verrichten Dienst nach Vorschrift

Das Zusammenspiel lag im Bereich des Ungefähren. I Musici, die ohne Dirigenten auftreten, betrieben Dienst nach Vorschrift, gaben sich dementsprechend selbst auch keine Mühe, ihre Vorstellungen vom Lautstärkeneinsatz dem energischen Zugriff der Pianistin anzupassen. Insofern klangen beide Werke nicht nach dem kommunikationsfreudigen Concerto-Stil, der typisch ist fürs Barock, sondern eher wie Solorecitals – umhüllt von geheimnisvollem Streicherflüstern. Letzterem wurde dann in den langsamen Sätzen durch ständig hineingrätschende Huster vonseiten des großen Publikums endgültig der Garaus gemacht.

Aber auch, was die Rahmung der Bach-Konzerte betrifft, die I Musici Antonio Vivaldi widmete, dem großen Vorbild Bachs, ratterten dessen vier Concerti grossi in gepflegter Routine vor sich hin. Das 1951 in Rom gegründete Ensemble – nicht historisch informiert, sondern auf modernen Instrumenten musizierend – lebt vom Ruf, in seinen Gründungsjahren maßgeblich an der Wiederentdeckung italienischer Barockkomponisten beteiligt gewesen zu sein.

Heute wirkt es aus der Zeit gefallen. Es fehlt ihm an Spielfreude, Präzision, gemeinsamem Gestaltungswillen und Ideen. I Musici verlassen sich zu sehr auf die Sogwirkung der genial komponierten Musik, die im Falle Vivaldis dank seines überaus eingängigen, fasslichen Stils selbst ohne interpretatorische Feinarbeit funktioniert, wie der Schlussapplaus bewies.