Fasten – der bewusste Verzicht – liegt im Trend. Foto: Felber

Fasten ist mehr als nur Verzicht. Es ist eine Suche nach den Dingen, die wichtig sind. Wir suchen mit.

Filder - Fasten ist in. Cäcilia Branz, Mitarbeiterin der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ist überzeugt, dass der bewusste Verzicht im Trend liegt: „Wir leben in einer Zeit des Überflusses. Nicht nur in Sachen Wohlstand, auch bei Informationen und Eindrücken.“ Sie ergänzt: „In den Menschen wächst das Bedürfnis, nach den wesentlichen Dingen im Leben zu suchen.“ Fastende setzten sich, so Branz, mit der Frage auseinander, wovon sie abhängig sind und worauf sie verzichten können.

Jesus, so überliefert es das Neue Testament, wurde in einer 40 Tage dauernden Fastenzeit in der Wüste in seinem Glauben gestärkt und konnte so den Versuchungen des Teufels widerstehen. Nach diesen 40 Tagen richtet sich bis heute die Dauer der Fastenzeit. Von Aschermittwoch bis Ostern gelten für Christen Ernährung- und Verhaltensregeln. Noch im Mittelalter waren den Gläubigen lediglich drei Schluck Wasser und drei Bissen Brot am Tag gestattet.

Ganz so streng geht es heute nicht mehr zu. Nur noch zwei Fastentage schreibt die Kirche vor: Aschermittwoch und Karfreitag. An diesen Tagen sind nur eine fleischlose Mahlzeit und zwei kleine Stärkungen gestattet. Einschränkungen, die darüber hinaus gehen, sind freiwillig. Fernseh- oder Facebook-Abstinenz sind bei modernen Christen ebenso üblich, wie der Verzicht auf Süßigkeiten oder Zigaretten. Auch unsere Redaktion macht beim Fasten mit und berichtet regelmäßig darüber.

Verzicht auf Kaffee

Arbeit macht krank. Berufskrank. Ich leide an jener Berufskrankheit, die auch unzählige Journalistenkollegen ereilt hat. Massenhafter Kaffeekonsum. Pro Tag trinke ich mindestens vier Tassen des braunen Muntermachers. Nur wirklich munter werde ich davon schon lange nicht mehr. Ich trinke Kaffee morgens, mittags, abends. Weil er schmeckt, weil er von innen wärmt, weil er Geselligkeit bringt und mir George in meine Küche beamt. Ja, George. George Clooney, der US-Schauspieler, steht jeden Morgen in meiner Küche und fragt, ohne eine Antwort zu erwarten: „Caffè - what else?“. Eben. Was denn auch sonst? Nicht umsonst trinken die Deutschen pro Kopf und Jahr 149 Liter Kaffee. Das entspricht etwas mehr als zwei Tassen Kaffee am Tag. Kaffee ist damit das Lieblingsgetränk der Bundesbürger – und ich bin vorne mit dabei. Nicht aber die kommenden 40 Tage. Denn da werde ich mich morgens tatsächlich fragen müssen: „What else?“ Stefanie Käfferlein

Verzicht aufs Fernsehen

Nein, ich bin keine Fernseheule. Ich habe noch nicht einmal ins Dschungelcamp oder Grey’s Anatomy reingeschaut. Und doch liebe ich es, abends nach getaner Arbeit mich für ein Stündchen oder so vor die Mattscheibe zu setzen und mich einfach berieseln zu lassen. Ich liebe es, bei „Wer wird Millionär?“ mitzuraten, mich von Naturfilmern in andere Welten entführen zu lassen oder auch mal bei einer Liebeskomödie dahin zu schmelzen. So geht auch eine so unangenehme Arbeit wie Bügeln leicht von der Hand. Doch für die Zeit bis Ostern werde ich mir da wohl eine andere Taktik einfallen lassen müssen. Alexandra Kratz

Verzicht auf Brause und Brause

Wenn ich Ahoj höre, denke ich nicht an einen Seemann, sondern an Brausestäbchen. Immer wieder wandern die säuerlich süßen Würfel in den Einkaufswagen und genauso schnell verschwinden sie auch in meinem Mund. Ganz ähnlich verhält es sich mit einem Getränk, das eine schwarze Farbe hat und unter dem Namen Cola bekannt ist. Kaum ist die Flasche geöffnet, ist sie auch schon leer. Beide Arten von Brause sind für mich Muntermacher und Quell der Freude. In den kommenden Wochen werde ich mich an anderen Dinge erfreuen müssen. Statt Ahoj heißt es ade Cola, ade Brausestäbchen. Kai Müller

Verzicht auf Schokoriegel

Eine Kollegin hat es neulich auf den Punkt gebracht: „Du haust Dir aber auch die Schokoriegel rein.“ Gerade hatte ich den zweiten Riegel aus Schokolade und Karamell verspeist. Fast jeden Nachmittag denke ich mir beim Schreiben, Kürzen oder Recherchieren: „Jetzt einen Schokoriegel.“ Dann mache ich einen Ausflug in die Cafeteria und komme mit ein bis zwei Riegeln wieder. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Ich möchte mich gesünder ernähren. Statt Schokolade will ich zu frischem Obst oder Joghurt greifen. Gewichtsprobleme sind aber nicht der Grund, denn ich bin schlank. Die eingangs erwähnte Kollegin weiß noch nichts von meinem geplanten Konsumverzicht. Ich denke aber, dass sie das mit ihrem Satz bezweckt hat. Malte Klein

Verzicht auf Kaffee

Verzicht aufs Fernsehen

Verzicht auf Brause und Brause

Verzicht auf Schokoriegel

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