Weil viele Menschen sich unsolidarisch verhalten und große Mengen an Klopapier gehamstert haben, wird der Verkauf nun eingeschränkt. Foto: dpa/Tom Weller

Hamsterkäufe und Desinfektionsmitteldiebstahl, Nachbarschaftshilfe und Applaus für Ärzte: Die Corona-Krise zeigt, was in unserer Gesellschaft möglich ist – im Guten wie im Schlechten. Wie funktioniert Pessimismus-Fasten in Zeiten wie diesen?

Waiblingen - Um Möglichkeiten ging es in der dritten Fastenwoche – wie passend! Wer hätte noch vor ein paar Wochen für möglich gehalten, dass das Coronavirus unser Leben so massiv durcheinanderbringen würde? Das Virus zeigt, was in einer Gesellschaft möglich ist – im Guten wie im Schlechten. Da erscheinen Leute, die kiloweise Klopapier horten – was übrigens noch niemandem das Leben gerettet hat – vergleichsweise harmlos gegenüber denen, die in Kinderkrebsstationen Desinfektionsmittel stehlen oder medizinisches Personal angreifen. Egoismus und Skrupellosigkeit kennen unendliche Möglichkeiten, das ist leider keine neue Erkenntnis.

Fürsorge für uns selbst und andere

„Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein“, lautet das Wort über der dritten Fastenwoche, es stammt aus der biblischen Geschichte von Sara und Abraham. Jahrelang kinderlos, sollen sie hochbetagt Nachwuchs bekommen. Die Verheißung erfüllt sich, obwohl sie aus menschlicher Sicht unmöglich erscheint. Susanne Breit-Keßler, die Kuratoriumsvorsitzende von „7 Wochen ohne“, schreibt dazu im Begleitbuch zur Fastenaktion: „Die Gabe, Leben im umfassenden Sinn zu empfangen und zu gestalten, ist nicht zu trennen von der liebevollen und frohgemuten Fürsorge für alles, was lebt – für unsere Umwelt, für kleine und große Menschen und damit natürlich auch für einen selbst.“

Fürsorge – das ist es, was wir brauchen. Wenn wir nicht riskieren wollen, dass Ärzte entscheiden müssen, wer das letzte Beatmungsgerät bekommt und wer stirbt, wenn wir verhindern wollen, dass Menschen bald auch an anderen behandelbaren Krankheiten sterben, weil die Kapazitäten unseres Gesundheitssystems durch Corona völlig erschöpft sind, dann besteht unsere Fürsorge und unsere Verantwortung füreinander derzeit darin, konsequent zu Hause zu bleiben. Die Verbreitung des Virus zu verlangsamen scheint momentan die einzige Möglichkeit zu sein, insbesondere Risikogruppen zu schützen. Denn unser Gesundheitssystem hat nicht genügend Ressourcen für viele schwere Coronafälle auf einmal. Daher muss gelten: Das Haus verlässt man nur noch für Arbeit, Einkauf, Arztbesuche und sonst nicht. Das ist hart – aber möglich.

Hoffnung in der Krise

Und doch gibt es auch in diesen harten Zeiten Grund zur Zuversicht, weil sich nicht nur Egoismus, sondern auch Menschlichkeit Bahn bricht: Leute kaufen für Nachbarn ein, die zur Risikogruppe gehören. Künstler geben kostenfrei Online-Konzerte. Menschen danken Ärzten und Pflegekräften für ihren unermüdlichen Einsatz. In Italien überwinden Nachbarn die Isolation, indem sie von ihren Balkonen aus gemeinsam Musik machen.

Die Krise zeigt, was möglich ist: Die Politik kann sich überaus rasch auf Maßnahmen einigen. Plötzlich hat das Wirtschaftswachstum nicht mehr oberste Priorität. An vielen Orten erholt sich der Planet von Luft- und Wasserverschmutzung. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht darum, gesundheitliche und wirtschaftliche Bedrohungen durch das Virus schönzureden. Es geht darum – ganz im christlichen Sinne –, in der Krise Hoffnung zu schöpfen und sich an das zu erinnern, was wirklich zählt: Solidarität, Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit.

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