Ja, ganz bewusst geht es um den Paartanz beim Tanztee im „Blauen Haus“. Foto: Stefanie Schlecht

Ob da jemand kommt? Wenn zum Tanztee ins „Blaue Haus“ geladen wird? Und ob. Das neue, alte Format ist alles: gemütlich, nett, charmant und begehrt, was man an den Kaffeetassen sieht.

Sonntagnachmittag im „Blauen Haus“ in Böblingen. Kaffeeduft liegt in der Luft, die Klänge von Camila Cabellos „Havana“ klingen durch den Saal. Die Lounge-Sessel sind voll besetzt, einige Frauen tauschen Sneaker gegen hohe Tanzschuhe. Kurze Zeit später schwingen sich die ersten Paare über die Tanzfläche. Hier liegt was in der Luft.

 

Thorsten Bode von der gleichnamigen Tanzschule steht am DJ Pult und legt die Musik auf. Disco-Fox, Cha-Cha-Cha, Wiener Walzer, Rumba. Klassische Tänze, die man oft schon während der Schulzeit lernt, für die es aber sonst selten Gelegenheit gibt. Nach nur einer Stunde müssen die Veranstalter des ersten „Tanztees“ im „Blauen Haus“ schon einen Abstecher nach Hause machen, um neue Kaffeetassen zu holen. „Wir hatten von den Reservierungen her mit elf Leuten gerechnet“, sagt Organisatorin Gabi Branz. „Jetzt sind es locker doppelt so viele.“

„Die Leute wollen tanzen. Und zum Glück trauen sie sich hier auch auf die Tanzfläche.“

Thorsten Bode, Organisator und Tanzlehrer

Auch Thorsten Bode freut sich über die positive Resonanz. „Man sieht: Die Leute wollen tanzen“, sagt er. „Und zum Glück trauen sie sich hier auch auf die Tanzfläche.“ Oft sei es nämlich so, dass Paare mit wenig Erfahrung bei solchen Tanzveranstaltungen vom Können anderer, professioneller Tänzer abgeschreckt werden. „Dabei muss Tanzen nicht immer ein ,Let’s-Dance‘-Wettbewerb sein“, sagt Bode.

Im Gespräch mit den Besuchern zeigt sich, dass der Tanztee tatsächlich viele Hobby-Tänzer anlockt, die schon lange nach einer solchen Gelegenheit gesucht haben. „Wir haben mal einen Tanzkurs gemacht, aber das ist schon 30 Jahre her“, sagen Fritz und Margaret aus Aidlingen. „Jetzt schauen wir mal, was wir noch können.“ Klassischer Paartanz sei eigentlich eine tolle Sache. „Aber heutzutage hat man ja nur noch selten die Möglichkeit dazu.“

Darf ich bitten? Foto: Stefanie Schlecht

Eigentlich schade, denn Disco-Fox, Cha-Cha-Cha oder Rumba begeistern auch die jüngere Generation. Die 18-Jährige Nina ist heute eine der jüngsten Teilnehmerinnen, fühlt sich beim Tanztee aber dennoch sehr wohl. „Ich finde es schade, dass klassische Tänze so untergehen“, sagt die Darmsheimerin. „Dabei ist Tanzen so eine schöne Möglichkeit, zusammen zu kommen und sich frei zu fühlen.“ Beim nächsten Tanztee wolle sie ihre Freunde mitbringen. „Ich hoffe, dass noch mehr jüngere Leute auf die Veranstaltung aufmerksam werden.“

2009 schlief der Tanztee ein – jetzt wird er wiedererweckt

Neues Publikum ins „Blaue Haus“ locken - genau das ist auch eins der Ziele, die Gabi Branz mit dem Tanztee verfolgt. Normalerweise liegt der Fokus des Kulturnetzwerks eher auf den Musikrichtungen Jazz, Funk und Soul. „Aber wir probieren immer wieder neues aus, um auch mal anderes Publikum zu uns zu locken“, sagt sie.

Der Tanztee ist zugegebenermaßen keine ganz neue Erfindung. Als das „Blaue Haus“ 2003 erstmals gegründet wurde, gab es die Veranstaltungsreihe schon mal. Nach der Wiedereröffnung 2009 schlief der Tanztee dann aber irgendwann ein. Dass man nun einen Neustart versucht, liegt laut Gabi Branz vor allem daran, dass es hier in der Gegend wenig vergleichbare Angebote gibt. „Wer klassisch tanzen will, muss meistens nach Stuttgart fahren“, sagt sie.

Weitere Termine folgen

Dass sich gleich beim ersten Mal so viele Leute für das Angebot begeistern können, freut Branz sehr. „Wir haben den Tanztee zwar auf Social Media beworben, aber da kriegt man wenig Gefühl dafür, wie viele Leute nun tatsächlich Interesse haben.“ Die aktuelle Planung sieht vor, den Tanztee erstmal einmal im Monat stattfinden zu lassen. „Wir lassen das jetzt mal für zwei bis drei Monate laufen und schauen dann, wie es weiterhin angenommen wird“, sagt Gabi Branz. „Wenn die Begeisterung dauerhaft so groß bleibt, wollen wir den Tanztee fest ins Programm aufnehmen.“ Denn solche Veranstaltungen seien nicht nur eine schöne Möglichkeit, sich zu bewegen und die Leidenschaft für Musik auszuleben.

„Tanzen ist auch gut fürs Herz und eine tolle Gelegenheit, sich auszutauschen“, findet Gabi Branz. „Da kommen jung und alt zusammen und können voneinander lernen – und genau das braucht es in der heutigen Zeit.“