Mit Spezialsaucen und geschickten Social-Media-Kampagnen hat sich das „Haus des Döners“ vor allem bei jungem Publikum einen Namen gemacht (Symbolbild). Foto: IMAGO/Horst Galuschka

Im Frühjahr löste der 1-Cent-Döner in Fellbach einen Run auf einen neuen Kebab-Imbiss im Gewerbegebiet aus. Doch der Ansturm währte nur einen Sommer lang.

Döner Kebab zum Schleuderpreis und eine bis an die nächste Tankstelle reichende Warteschlange – mit einem 1-Cent-Döner am Eröffnungstag hatte die Drehspieß-Kette „Haus des Döners“ im Frühjahr in Fellbach noch für Furore gesorgt. Hunderte Kinder und Jugendliche standen sich Ende März für das Schnäppchenangebot im Industriegebiet an der Höhenstraße die Beine in den Bauch.

 

Durch das preislich unschlagbare Lockangebot und eine geschickte Social-Media-Kampagne wurde die Eröffnung der Fast-Food-Filiale in der Max-Planck-Straße zumindest bei jungem Publikum zum Stadtgespräch – auch wenn es sich bei dem vermeintlichen Fleisch-Palast nur um eine in einem mobilen Container untergebrachte Imbissbude handelte.

Das „Haus des Döners“ war Stadtgespräch – jetzt hat es schon wieder zu

Bei so viel Aufsehen verwundert es fast ein wenig, dass es mittlerweile in Fellbach gar kein „Haus des Döners“ mehr gibt. Denn der Ansturm auf die Fleischfetzen im Fladenbrot währte nur einen Sommer lang, inzwischen hat die mit viel Brimborium beworbene Filiale der Franchise-Kette wieder dichtgemacht. Schluss ist es mit Grillduft und Saucen nach einer in Berlin entwickelten Spezialrezeptur, der oft dicht umlagerte Döner-Container steht verlassen am Rande einer Autohaus-Abstellfläche.

An der fehlenden Laufkundschaft lag das Aus für den Drehspieß-Imbiss eher nicht. Durch den verkehrsgünstigen Standort zwischen Waschpark und Tankstelle lockte das Haus des Döners neben Beschäftigten aus dem Gewerbepark auch viele Handwerker in der Mittagspause und Autopendler auf dem Heimweg an. „Das Geschäft lief gut, ich war sehr zufrieden“, sagt auch Halil Öztürk.

Der aus Köln stammende Franchise-Unternehmer hatte sich die Lizenz fürs Fellbacher Haus des Döners gesichert und ist seit gut anderthalb Jahren auch mit einer in Heilbronn eröffneten Filiale am Start. Dass er den Laden im Rems-Murr-Kreis nach wenigen Monaten wieder geschlossen hat, ist nach seinen Worten keineswegs ein Zeichen für einen wirtschaftlichen Fehlschlag.

Hier stand der oft dicht umlagerte Döner-Container. Foto: Sascha Schmierer

„Nein, es ist ganz einfach so, dass der Mietvertrag für die Fläche nicht verlängert worden ist“, antwortet Drehspieß-Geschäftsmann Halil Öztürk auf die Frage, weshalb es in Fellbach kein Haus des Döners mehr gibt – und plaudert aus dem Nähkästchen.

Der Imbiss-Container an der Tankstelle hatte auch seine Problemzone

Neben beengten Platzverhältnissen zwischen Salattheke und Grillspieß, einer Wind und Wetter ausgesetzten Kundschaft und fehlenden Toiletten war offenbar auch ein Grund für das Aus, dass es am oft bis in die Nachtstunden umlagerten Imbiss-Standort auch Problemzonen gab. „Da ist leider etwas schiefgelaufen, irgendein Kunde hat leider ein Auto auf dem Parkplatz beschädigt“, erzählt der Unternehmer über die Schattenseiten des Container-Betriebs.

Halil Öztürk will aus der Erfahrung lernen und plant jetzt ein neues Haus des Döners. Nicht mehr in Fellbach, sondern in Waiblingen soll es künftig Fast-Food-Kost unter seiner Regie geben. Geplant ist, ein Ladenlokal in der Mayenner Straße beim Staufer-Schulzentrum zu übernehmen, die Eröffnung könnte schon bald nach dem Jahreswechsel sein.

„Wir sind aktuell beim Umbau, ich will da nicht zu viel versprechen. Aber vielleicht klappt es bis zur zweiten Januarwoche“, sagt der Unternehmer. Mit dem Standortwechsel darf sich Waiblingen auf Döner-Schnäppchen mit langen Warteschlangen einstellen – die 1-Cent-Aktion für die ersten 1500 fleischgefüllten Fladenbrote wird zur Eröffnung in der Mayenner Straße ganz sicher wiederholt.

Der vor allem über die Social-Media-Plattform Tiktok ausgelöste Rummel gehört zum Konzept der Franchise-Kette. Das Haus des Döners, optisch deutlich an die ähnlich klingende Netflix-Serie angelehnt, existiert erst seit sechs Jahren und hat in vergleichsweise kurzer Zeit einen bemerkenswerten Wachstumskurs abgeliefert. Neue Drehspieß-Domizile schießen in solch atemberaubender Geschwindigkeit aus dem Boden, dass die Franchise-Kette mit der Aktualisierung der eigenen Zahlen nicht mehr nachzukommen scheint.

Zum Erfolgsrezept der Franchise-Kette gehören clevere Social-Media-Kampagnen

Mehr als 120 Filialen soll es laut der Firmen-Homepage allein in Deutschland geben, tatsächlich aber ist die Zahl der Ableger bereits weit über die 200er-Marke geklettert. Neben Deutschland ist die Kette auch in den Niederlanden, in London, Istanbul und Saudi-Arabien mit herzhaftem Fast Food vertreten. Verkauft werden neben Dönerfleisch im Fladenbrot auch Falafel-Teller und Chicken-Nuggets.

Zum Erfolg führte neben der Speisekarte aber auch ein geschicktes Marketing, das vor allem für jüngere Zielgruppen auf die Präsentation durch Influencer setzt. Außerdem brachten der Marke die Schlagzeilen über den Streit mit dem Streamingdienst Netflix um die Namensähnlichkeit viel Aufmerksamkeit ein.