Michael Theurer erzielte in Donaueschingen als FDP-Spitzenkandidat ein starkes Ergebnis. Foto: dpa

Beim Parteitag der Südwest-FDP ist der Spitzenkandidat Michael Theurer wie ein Star bejubelt worden. Er widersprach Berichten, wonach es Kungelei bei der Aufstellung der Bundestagskandidaten gegeben habe.

Donaueschingen - Ein gesundes Selbstvertrauen gehört zu einem Politikprofi dazu. So schließt der FDP-Landeschef Michael Theurer (49) am Samstag vor den 400 Delegierten beim Listenparteitag in Donaueschingen – hier werden die Bundestagskanidaten auf der Wahlliste positioniert – seine Rede mit einem hohen Anspruch: „Wir werden von Baden-Württemberg aus den Politikwechsel für Deutschland schaffen!“ Geht es noch ein bisschen drunter? Für Theurer nicht und der minutenlange Jubel der Parteifreunde zeigt, dass sie ticken wie er. Zu stolz sind die baden-württembergischen Liberalen auf ihre Tradition. Die Südwest-FDP ist der einzige Landesverband, der seit der Nachkriegszeit nie aus dem Parlament geflogen ist. Theurer weiß, dass seine FDP wieder ein überdurchschnittliches Ergebnis bringen muss, damit den Liberalen der Wiedereinzug in den Bundestag gelingt. Seine Rede kommt gut an, mit 91,7 Prozent wird er auf Listenplatz eins gesetzt – fast sieben Prozent mehr als Dirk Niebel vor vier Jahren erhalten hatte.

In Wirtschafts- und Finanzfragen einen Namen gemacht

Seltsamerweise scheint der globale Rechtsruck hin zum nationalen Denken – Trump in den USA, Orban in Ungarn, Brexit in Großbritannien – den EU-Parlamentarier Theurer anzustacheln. Er will liberale Werte verteidigen, er kritisiert den unanständigen Wahlkampf von Donald Trump: Aber er erkennt an, dass Trump da eine „vernachlässigte Mittelschicht“ angesprochen habe, die den sozialen Abstieg fürchtet. Sie, so Theurer, gebe es auch in Deutschland und die FDP müsse sie umwerben, indem sie sich „breiter“ aufstellt und nicht nur – wie in früheren Zeiten – nur die Mittelständler der Wirtschaft im Blick hat. Marktwirtschaft plus Fairness, das ist sein Motto. Er sei einer, der die unterschiedlichen Traditionen der FDP verkörpere, sagt Theurer: Graswurzeldemokratie, Ökoliberalismus, Verteidigung der Rechtsstaatlichkeit: „Wir sind weltoffen, proeuropäisch, marktwirtschaftlich und rechtsstaatlich.“ Seit 2009 im EU-Parlament, hat er sich in Wirtschafts- und Finanzfragen einen Namen gemacht, ist Vorsitzender des Haushaltskontrollausschusses.

Dabei ist er in der Heimat verwurzelt und zudem Stimmenkönig. Regelmäßig erzielt er bei Wahlen bundesweite Rekordergebnisse – fast 27 Prozent bei der Europawahl 2009. Sein politisch schönstes Erlebnis liegt länger zurück, es war die Wahl zum Oberbürgermeister von Horb im Alter von 27, er setzte sich gegen ein CDU-Mitglied durch. Volksnähe, Charme und Witz prägen Theurer. Der Volkswirt, Enkel eines Pfarrers, Sohn eines Apothekers, war einst evangelischer Jugendleiter, er weiß, wie man mit Menschen spricht. Bodenständigkeit, Standhaftigkeit, Nähe zu den Bürgern – das loben seine Parteifreunde an Michael Theurer. „Der hängt nicht nur an Parteitagen ab“, sagt ein Jungliberaler über ihn.

Frisch verheiratet, in Horb verwurzelt

Heute noch hat er am Marktplatz von Horb seine Wohnung. Seit ein paar Wochen ist er frisch verheiratet mit einer angehenden Ärztin. Gerne erzählt wird eine Anekdote aus seiner Bürgermeisterzeit. Theurer kam verspätet zum Fußballspiel des ASV Bildechingen, ein Stadtteil von Horb, der 0:5 zurücklag. Die Stimmung war mies. Da appellierte er an die Zuschauer, sie mögen doch bitte mal den ASV anfeuern, was die dann mit Erfolg bis zum Endstand taten: 5:5.

Theurer kann hart sein, energisch widersprach er Meldungen, es gebe Kungelei vor der Listenaufstellung. Natürlich gebe es Empfehlungen, aber die Versammelten seien autonom bei den Nominierungen. Auf der Landesliste folgen ihm Judith Skudelny auf Platz zwei, dann Michael Link, Pascal Kober, Florian Toncar, Marcel Klinge, Renata Alt und andere. Schafft die FDP bundesweit acht Prozent, dürften die ersten fünf der Liste sicher im Bundestag sein. Theurer sagt über seine Leute, das seien „herausragende Persönlichkeiten“.

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