Die SSB wird an der Landhausstrasse 191-201 40 Wohnungen verkaufen. Foto: Max Kovalenko

Der Wohnungsbau ist in Stuttgart wieder in Schwung gekommen. 2012 wurden fast 1900 neue Wohnungen fertig. Die Stadtverwaltung hofft auf ebenso viele in den nächsten Jahren. Preisgünstiger Wohnraum ist aber weiter Mangelware.

Stuttgart - In der Landeshauptstadt kommen wieder deutlich mehr Neubauwohnungen auf den Markt als in den vergangenen Jahren. 2012 kletterte die Zahl der fertiggestellten Wohnungen auf 1881 – immerhin etwa ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Die Stadtplaner sind auch zuversichtlich, dass sich dieses Niveau zumindest in den kommenden beiden Jahren halten lässt, möglicherweise auch länger.

Zu Beginn der 1990er Jahre waren in Stuttgart zeitweilig sogar rund 3000 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt worden. Seit 1999 gab es in Stuttgart aber nicht mehr so viele neue Wohnungen wie 2012. Rund zwei Drittel des neuen Angebots entfallen auf die Stadtbezirke Nord (429 Wohnungen), wo vor allem auf dem ehemaligen Messegelände neue Domizile bezugsfertig wurden, auf Bad Cannstatt (372), auf Vaihingen (288), auf Feuerbach (141) und auf Zuffenhausen (140). Nur 107 der 1881 Wohnungen wurden in bestehenden Gebäuden durch Dachausbauten oder durch Umwandlung von Gewerbeflächen geschaffen. 1774 Wohneinheiten – also etwa 94 Prozent – entstanden in insgesamt 361 neuen Gebäuden.

Wie kam es zu diesem Hoch? Bei dieser Frage verweisen die Stadtplaner darauf, dass man mit der hohen Zahl von mehr als 4000 genehmigten, aber noch nicht gebauten Wohnungen ins Jahr 2012 gestartet war. Der Überhang sei nach wie vor erheblich. Deswegen, sagt Axel Fricke vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, rechne er auch 2013 und 2014 wieder mit ähnlich vielen Fertigstellungen. Eine erhebliche Rolle spiele das Engagement von Immobilienfonds.

„Ich bin froh, dass wir das so gut hingekriegt haben“, sagt Städtebaubürgermeister Matthias Hahn (SPD). Darin schwingt Erleichterung mit, weil die hohe Fertigstellungsrate ohne ein Umsteuern in der Wohnungsbaupolitik zulasten der Außenflächen zustande kam. Anders ausgedrückt: Die Bauverwaltung sieht in der Rate den Beleg dafür, dass sich eine nennenswerte Aufstockung des Wohnungsbestands und der in Stuttgart praktizierte Vorrang der Innenentwicklung bei bestehenden Siedlungsflächen miteinander verbinden lassen.

Mietpreise bei Neuvermietungen oft saftig

Auch im Städtevergleich schneide Stuttgart mit den 1881 Fertigstellungen gut ab, sagt Axel Fricke, der sich gerade bei einem Kongress mit Kollegen aus anderen Großstädten ausgetauscht hat. Wenn man die Größenverhältnisse bereinige, liege Stuttgart etwa gleichauf mit Frankfurt und Hamburg – noch vor Köln und Düsseldorf, aber hinter München.

Viele neue Wohnungen bedeuten freilich nicht unbedingt, dass es mehr bezahlbaren Wohnraum gäbe, denn die Mietpreise bei Neuvermietungen sind oft saftig. Deshalb peilt die Stadt Stuttgart an, auf eigenen Grundstücken deutlich mehr preisgünstigen Wohnraum anzustreben und auch dem Trend zu privaten Baugemeinschaften Rechnung zu tragen, denn sie zielen in der Regel eher auf preisgünstigen Wohnraum. „2003 war in Stuttgart fast jede neue Wohnung in der einen oder anderen Weise mit öffentlichen Geldern gefördert“, sagt Fricke, „2005 war es noch etwa jede zweite neue Wohnung, inzwischen ist es jede zwanzigste.“

Wie sich der Wohnungsbedarf langfristig entwickelt und wie er zu decken sein könnte, möchte die Verwaltung den Stadträten am 9. Juli unterbreiten. Dann soll die neue Zeitstufenlisten Wohnen in die Beratung gebracht werden. Darin geht es immer um das Bilanzieren von noch verfügbaren Wohnbauflächen – weshalb für Zündstoff zwischen den Ratsfraktionen gesorgt ist.

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