In Markgröningen hat die fünfte Jahreszeit begonnen. Bürgermeister Jens Hübner hatte den Narren, die seinen Amtssitz stürmten, nicht viel entgegenzusetzen.
So friedlich kann eine „feindliche Übernahme“ ablaufen: Mit schön gedrechselten Reimen forderten Martin Stach und Stefanie Harsch, die beiden Sitzungspräsidenten der Fasnet-Gilde Markgröningen, am Samstag um kurz nach 15 Uhr den Bürgermeister Jens Hüber zur Herausgabe des Rathausschlüssels auf. Bis Aschermittwoch wolle man die Herrschaft über die Stadt übernehmen. Hübner wehrte sich zunächst in ebenso geschliffenen Reimen: „Auf das Rathaus verzicht ich nicht – was denkst du denn, du kleiner Wicht?“ und ließ sich noch nicht einmal mit den Reizen von Prinzessin Ilaria I aus Calabrien ködern: „Auf die fall’ ich heute bestimmt nicht herein“, gab aber letzten Endes doch klein bei.
Wie klug das war, zeigte sich wenig später, als nämlich Ilaria I ihre „Narrografen“ für die Zeit ihrer Herrschaft verlas. Sie forderte dabei zum Applaus der etwa 400 Besucherinnen und Besucher unter anderem kostenlose Sportangebote für alle und den Bau eines Freizeitparks. „Wer soll das bezahlen?“, fragte Hübner und grinste dann: Das sei schließlich weder seine Sorge noch die des Stadtrats, denn „ab heute regieren die Narren!“
Viele befreundete Vereine mit dabei
Weil die Fasnet-Gilde Markgröningen Teil des Musikvereins Stadtkapelle der Schäferlaufstadt im Kreis Ludwigsburg ist, war es Ehrensache, dass auch Livemusik geboten war. Zum Markgröninger Marsch sangen viele Lokalpatrioten lauthals mit. Zuvor hatte es einen Umzug vom Festplatz zum Marktplatz gegeben, an dem neben den Markgröningern auch viele befreundete Fasnetvereine aus der Region teilnahmen: die „Buchfinken“ aus Bönnigheim, die Neckarweihinger „Mistelhexen“, die Gagerbach- Hexen aus Schwieberdingen, die freie Narrenzunft Kornwestheim, der Karnevalsverein aus Murr – und aus der Landeshauptstadt gleich drei: „Schwarze Störche“, „Blau Weiß Stuttgart“ sowie der Karnevalsclub „Stuttgarter Rössle“. Auch die Waldhörnchen vom Naturkindergarten waren mit von der Partie.
Und als dann neben anderen Stimmungsliedern das „Fliegerlied“ ertönte, reihte sich auch Bürgermeister Hübner in seiner schicken Piloten-Uniform mit offenkundiger Begeisterung in die Polonaise ein, die sich durchs feiernde Volk schlängelte.