Die Narren sind los in Kornwestheim. Foto: Werner Kuhnle

Tausende Besucher haben am Sonntag beim Fasnetumzug in Kornwestheim gefeiert und gelacht. Bereits am Tag zuvor haben die Narren das Kornwestheimer Rathaus erobert.

Fröhliche Gesichter, so weit das Auge reicht: 57 Gruppen aus Kornwestheim und der Region haben beim Fasnetumzug in Kornwestheim, organisiert vom Ausschuss Kornwestheimer Fasnet (AKF), nicht nur Kinderherzen höherschlagen lassen. So viele gestandene Damen und Herren, die in den Straßen feiern und lachen und sich mit Freude auch mal von einer Hexe veralbern lassen, das gibt’s eben nur an Fasching.

 

„Ich bin jedes Jahr da, weil es einfach Spaß macht“, sagt zum Beispiel die Kornwestheimerin Jacqueline Avagliano. „Jedes Jahr ist anders, es wird nie langweilig.“ Besucherin Carola Schubert-Seeger kann das nur bestätigen: „Das ist einfach eine schöne Sache, deshalb bin ich gerne hier. Schon allein der Aufwand, den die Beteiligten betreiben, das sollte man auch unterstützen.“

Süßigkeiten stehen bei den Kleinsten hoch im Kurs

Und was gefällt den Kleinen am besten? „Die Prinzessinnen“, findet ein kleines Mädchen, das dem bunten Treiben gebannt zuschaut. Ein anderes hat dagegen an den Hexen einen wahren Narren gefressen. Ganz hoch im Kurs stehen aber, natürlich, die Süßigkeiten.

An die 10 000 Besucherinnen und Besucher, schätzte Oberzunftmeisterin Marion Scheebeli von der Kornwestheimer Fasnetzunft im Nachgang, standen am Sonntagnachmittag über die Strecke verteilt an den Straßenrändern, um den vielen Gruppen zuzujubeln – ob Guggen, Gardetänzerinnen oder den zahlreichen Hexen. „Und die Stimmung war wirklich großartig, alle haben super mitgemacht“, sagt die Oberzunftmeisterin. Auch das Wetter spielte den Narren in die Karten. „Die letzten zwei Jahre war es ziemlich regnerisch, diesmal hatten wir richtig Glück.“

Laut und fröhlich ging es also zu, gleichzeitig aber auch komplett friedlich. Der Polizei lagen am Abend keine Meldungen vor.

Schade sei nur, dass trotz der vielen Besucher, die den Umzug offenbar genießen, am Ende nur so wenige bereit seien, die Veranstalter zu unterstützen, bedauert Marion Scheebeli. Wie in mehreren anderen Städten ist es inzwischen auch in Kornwestheim so, dass Besucher darum gebeten werden, sich für wenige Euro einen Ansteck-Pin als eine Art „Eintrittskarte“ zu kaufen, um die hohen Kosten ein bisschen abzufangen. „Verkauft haben wir am Ende etwa 2500 Pins“, so Marion Scheebeli. „Dabei waren sicher fast viermal so viele Leute da. Das trägt die Kosten natürlich nicht.“

Einen entsprechend großen Dank richtet sie an die Stadt Kornwestheim, die die erhöhten Regie-Kosten für die Vereine übernommen habe, sprich: das neue Sicherheitskonzept mit den zugehörigen Absperrungen.

Ob der Oberbürgermeister Nico Lauxmann, als er das entschieden hat, schon wusste, was ihm am Samstag blühen würde? Da nämlich haben die Narren in alter Tradition das Rathaus gestürmt. Als flauschig-blaues Krümelmonster trat der Rathauschef den Narren gegenüber. Ein passendes Kostüm, stellte der AKF fest. „Mehr Krümel, weniger Torte – das ist der Plan, so fängt Sparpolitik in Kornwestheim an!“, schallte es dem OB entgegen. „Massiv gekürzt – das muss man sagen, der Campus trägt jetzt kleine Visionen im Krümel-Kragen.“ Gemeint ist der Bildungscampus, der einst groß geplant war, wegen der Sparzwänge nun aber kleiner ausfallen soll.

Nico Lauxmann hielt dagegen: „Ja, Kekse lieb ich, das ist wahr, doch leere Kassen schmecken bitter – ganz und gar. Sparpolitik ist kein Vergnügen, doch an der Stelle muss die Vernunft genügen.“ Letztlich blieb dem Rathauschef aber nichts anderes übrig, als klein beizugeben. „Ich will mich nicht mehr länger mit euch messen, und geh so lange meine Kekse essen.“

Wer nicht genug von dem närrischen Treiben bekommen kann: Im Kreis Ludwigsburg ist bis zum Aschermittwoch noch so einiges los. Am 8. Februar zum Beispiel findet in Neckarweihingen der jährliche Fasnetumzug statt. In Kornwestheim ist am Dienstag, 17. Februar, Kinderfasching im Kulturzentrum (Beginn um 14.31 Uhr).