In Weil der Stadt ist Gernot Zechling für seine handgeschnitzten Fasnetsmasken bekannt. Aus seiner Werkstatt kommen aber auch kleinere Kunstwerke: Jedes Jahr fertigt er einen einzigartigen Orden mit wechselndem Motiv an, der an fleißige Narren verliehen wird.
Sortiert nach Jahreszahlen hat Gernot Zechling die Orden der Weiler Narrenzunft AHA auf einer Werkbank aufgereiht. Auf dem Orden von 2008 schwingt ein Steckentäler seinen hölzernen Stock. Den Orden von 2003 ziert das damals neu aufgebaute Spital. Auf 1988 thront der Kepler, 1985 zeigt das Nasenschild des Narrenmuseums, 2010 ein tanzendes Ballettmädle.
Jedes Jahr verleiht die Narrenzunft, mit rund 1500 Mitgliedern eine der größten der Region, auf ihrem Zunftball Orden an jene Aktive, die sich in dieser Saison ganz besonders engagiert haben. 300 solche Orden werden dafür jährlich produziert, der Entwurf aber stammt aus der Hand eines Mannes: Gernot Zechling, der für die Narren auch die imposanten Masken aus Holz schnitzt, stellt die Prototypen der metallenen Kunstwerke in seiner Weiler Werkstatt her. Seit 15 Jahren macht er das. Jedes Jahr ziert ein anderes Bild die Oberfläche. Seit Anbeginn dieser Tradition gab es nie zwei Orden, die gleich aussahen.
Handwerkskunst mit reichlich Tradition
Wann man genau mit dem Verleihen der Orden angefangen hat, das wissen weder Gernot Zechling noch Frank Gann, Chef der Weiler Narren, genau. Seit Mitte der 60er-Jahre, oder vielleicht 1970? – egal. „Die Qualität der Orden ist einzigartig“, betont Gann. Kaum eine andere Narrenzunft, da ist er sich sicher, hat solche Orden, hergestellt mit echter Handwerkskunst und dann aus Metall gegossen.
Zwar hätte die Sache mit den Orden, die – ebenso wie das Siebenerrat oder das AHA-Ballett Elemente – eigentlich vom rheinischen Karneval kommt, ursprünglich mal eine satirische Note gehabt und Militär und Obrigkeit persifliert. Inzwischen ist es für die Narren aber eine echte Ehre, ein echtes Lob für großes Engagement geworden. „Das ist ein richtiger Ansporn“, erzählt Frank Gann. Der Chef der Narren ist schon lange in Sachen Fasnet dabei, ebenso wie Gernot Zechling. Letzterer kann sich gut erinnern an den ersten Orden, der ihm um den Hals gehängt wurde. „Mit 15, 16 Jahren, vor hunderten Leuten“, erinnert sich der Künstler. „Das war was Tolles.“ Als junges Mitglied habe man schon immer geschaut, wer wie viele Orden hatte. „Und da gibt es Leute, die könnten gar nicht alle Orden anziehen“, sagt Zechling, „sonst würden sie bucklig laufen.“
Mit kleinen Eisen und Messern wird der Orden geformt
Inzwischen hat der 54-Jährige selbst einige Orden verliehen bekommen. Aber er ist auch bescheiden: Größter Ansporn sei für ihn, wenn den Narren sein Kunstwerk gefällt. „Wenn Leute sagen, ‚des hasch gut gmacht’, das ist für mich viel wichtiger als ein Orden.“ In große Fußstapfen ist er getreten, sagt er, als er die Aufgabe 2010 endgültig übernahm. Sein Vorgänger, Max Holdenried, ist inzwischen verstorben. „Der war begnadeter Maler“, erzählt Zechling. „Mein großes Vorbild war Max.“ Als Jugendlicher im Wagenbau durfte er ihm über die Schulter schauen – und übernahm irgendwann das Zepter.
Jedes Jahr also wird im AHA-Ausschuss über das Motiv entschieden. Das ist oft vorbestimmt, etwa, weil eine oder mehrere Weiler Fasnetgruppen Jubiläum feiern. Hat man sich auf eine Idee geeinigt, macht sich Gernot Zechling an die Arbeit. Aus einer knetbaren Masse auf Epoxidharzbasis formt er den Orden grob vor und lässt ihn anschließend aushärten. „Der wird dann knallhart“, sagt Zechling. Mit seinen „Eiserle und Messerle“ arbeitet er dann die Feinheiten des Motivs aus, ritzt Stück für Stück in das harte Material. Zwei Tage dauert dieser Prozess, sagt der gelernte Steinmetz. Narrenchef Frank Gann bringt den Prototypen anschließend in eine Gießerei, die alle 300 bestellten Orden aus einer Metalllegierung gießen.
Die blaue Mauritius unter den Orden
Zwar sind die Orden für die Narren eine echte Ehre geworden. Die Fasnet wäre aber auch nicht die Fasnet, wenn man sich nicht mal einen Spaß erlaubt. 2012 feierten die Hexen, Bären und Schellenteufel gleichzeitig Jubiläum. Bei der Wahl des Motivs wünschten sich die Bären, alleine auf dem Orden zu prangen, weil sie bisher fast noch nie auf einem der Kunstwerke abgebildet waren. Als offiziellen Orden gab man in diesem Jahr also tatsächlich einen mit Bärenmotiv in Auftrag, heimlich entwarf Gernot Zechling aber noch einen zweiten mit den Gesichtern der Hexen und Teufel, der 30 Mal gegossen wurde – und wie ein Puzzlestück perfekt an den offiziellen Bärenorden passte. Mit ein paar Versen nahm man die Causa in diesem Jahr bei der Narreten Sitzung aufs Korn und verteilte die 30 inoffiziellen Orden bei einer anschließenden Kneipentour.
In den Folgejahren machte sich Gernot Zechling einen Spaß daraus, auch weitere Orden so zu modellieren, dass sie sich, legt man alle Orden seit 2012 nebeneinander, perfekt aneinander anschmiegen. In acht Jahren entstand so ein großes Puzzle, das Mittelstück die einstige Spaßmedaille. „Die blaue Mauritius unter den Orden“, sagt Gernot Zechling. Auch, weil eben nur 30 Leute überhaupt das komplette Bild vervollständigen können.
Gruppen der Narrenzunft sind zusammengewachsen
Die Diskussion um den Orden 2012 habe in der Narrenzunft aber auch einiges verändert, sagt Frank Gann heute. Undenkbar wäre es inzwischen, dass nur eine von mehreren Jubiläumsgruppen das Motiv bilden. „Wir sind mehr zusammengewachsen“, sagt Gann.
Welches Motiv die Orden in dieser Saison schmücken wird, ist derweil noch ein Geheimnis. Nur Zechling und Gann kennen den fertigen Prototypen, bis beim Zunftball schließlich die gegossenen Orden verliehen werden. Wer weiß, welche Gruppen in diesem Jahr Jubiläum feiern, könnte die ungefähre Richtung aber zumindest erraten.