Wo kocht der Hexenkessel bunt, laut und fröhlich? Natürlich in Hofen, wie der Besuch zeigt.
Narri Narro. Die Straßenfasnet hat Hofen fest im Griff. Und das seit mehr als 100 Jahren. Trotz vieler Verwaltungshürden und närrischem Wetter. Am Fasnetsdienstag ist nichts mehr wie sonst in Hofen. Der kleine Neckarort mit seinen 4000 Einwohnern gehört zu Stuttgarts Stadtbezirk Mühlhausen. Bei der Fasnet wird er alljährlich zum besonderen Publikumsmagneten und blüht förmlich auf – noch vor dem Frühling. Den Fasnetsruf „Blüh auf“ kennt jeder, nicht erst seit dem Jubiläumsumzug letztes Jahr mit 100 Jahre „Komma gschwomma“ und 40 Jahre Scillamännle.
Viele hundert Fans reisen an, um sich ins närrische Treiben der schwäbisch-alemannischen Straßenfasnet bei den Scillamännle zu stürzen. So auch an diesem Mittag mit seinem launigen Wetter, das mit strahlender Sonne begann.
Gleich am Ortseingang stehen Terrorsperren und Polizeiwagen. Das hält die Narren nicht ab. Trotz vieler Sicherheitsauflagen geht es bunt und fröhlich an den verschiedensten Ecken im Ortskern zu. Schon am Mittag sind zahlreiche Fasnetsfans auf den Beinen, diejenigen, die im Umzug mitlaufen und zum Startpunkt gehen und Besucher, die sich rechtzeitig einen guten Platz an der Umzugsstrecke sichern wollen.
Hotspot der Narretei ist der Kelterplatz
Hotspot der Narretei ist der Kelterplatz. Der ist mittags bereits gut gefüllt. Doch nicht nur dort, an der Hogamale-Bar und im Narrendorf finden die Fasnetsfans ihre Gleichgesinnten, auch in den Straßen drumherum. Einige Hofener bieten den hungrigen Gästen Speis und Trank in den Garagen, etwa in der Scillawaldstraße. Dort stärken sich die Besucher, die von auswärts angereist sind.
2000 Aktive mit 70 Gruppen beim Umzug
Keine Spur von Stress und Ungemütlichkeit. Im Gegenteil. Dabei hatten es die Veranstalter, der Verein der Scillamännle, in den Wochen und Tagen zuvor nicht leicht. Zunehmend füllen sich die Straßen, die Hartwald- und die Scillawaldstraße sind nach und nach bis zum Kapellenweg dicht: Zuschauer aller Altersgrupppen säumen die Umzugsstrecke. Überall stehen gut gelaunte Fasnetsfans, die gespannt auf den bunten Umzug warten, der am Kelterplatz endet. Mehr als 2000 Aktive mit 70 Gruppen haben sich angesagt, wie die Sprecherin der Scillamännle, Sabine Schick-Kurfeß, erklärte.
Die zahlreichen Umzugsteilnehmer reisen per Bus an. Dazu kommen viele närrische Zuschauer. Sie schieben sich meist von der Stadtbahn an der Haltestelle Hofen gleich scharenweise in den Ort. Die autofreie Anreise ist wie immer das Sinnvollste, das zeigt sich auch jetzt wieder. Auch die Stadtverwaltung hatte im Vorfeld erstmals dazu aufgerufen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, weil es vor Ort keine Parkplätze gebe. Schließlich ist das Parken im Kern an vielen Stellen nicht erlaubt und ganze Straßenzüge sind für den Autoverkehr gesperrt.
In Hofen regieren die Narren. Längst ist beim Rathaussturm in Mühlhausen der Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann von den Narren abgesetzt worden. Er ist jetzt nur närrischer Gast beim Umzug und begrüßt Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann, der es sich nicht nehmen ließ, den Umzug anzuschauen. Fuhrmann gefällt an der Fasnet in Hofen die Tradition und der gute Zusammenhalt der Zünfte. Er war auch beim Rathaussturm und freut sich: „Hier ist alles zusammmengewachsen und gibt es keine Streitereien wie bei den Karnevalisten“, sagte er augenzwinkernd.
Tanzgarden, Pyramiden und viel Schabernack
Dann setzt sich der Umzug kurz nach 13 Uhr in Bewegung , angeführt von den Scillamännle, die den Umzug veranstalten. Mit dabei, das Greadeffele Mia Weißer, tags zuvor 21 Jahre alt geworden. Und vorne das einzige zugelassene motorisierte Gefährt, ein roter Porsche Diesel des Traktormuseums, am Steuer Gerhard Mühleisen. Der Traktor zieht den traditionellen Goaswagen, bevor die zahlreichen Fasnetsgruppen mit Musik, Tanzgarden und Hexenpyramiden und viel Schabernack folgen.
Alles stimmt an diesem Fasnetsdienstag – bis auf das Wetter, das zeigt sich närrisch kühl und sorgt mit Graupelschauern für Nässe und Kälte. Doch die meisten Feierfreudigen lassen sich nicht davon abhalten. Die am weitesten gereiste Gruppe kam aus Kirrlach mit 130 Aktiven und Guggamusik. Da wird kräftig nochmals eingeheizt gegen den ungemütlichen Regen im Hexenkessel kurz vor Aschermittwoch. Narri Narro.