Die Holzmasken sind bei der Narrenzunft Feuerbach die Domäne von Gründer Moritz Paysan. Die Wurzeln der Zunft reichen bis nach Afrika.
Der Höhepunkt der Fastnacht naht. Für die Narren im Land heißt das, Häs und Masken einer letzten Prüfung zu unterziehen. Bei der Narrenzunft Feuerbach legt der Gründer und frühere Zunftmeister Moritz Paysan selbst Hand an, um den wertvollen Holzmasken den letzten Schliff zu geben.
Bei der 1992 gegründeten Narrenzunft ist ohnehin vieles anders als bei anderen jungen Fastnachtszünften. Paysan, von Beruf Restaurator am Landesmuseum Württemberg, hat die meisten Masken der Feuerbacher Narrenfigur Wolfskehlen nicht nur selbst entworfen und geschnitzt. Er sorgt mit seinen Kenntnissen zur Geschichte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, seinem Wissen über alte Kulturen und seinem Bezug zu afrikanischen Maskenbräuchen für ein in der Szene ziemlich außergewöhnliches kulturelles Fundament der Zunft.
Die Feuerbacher Zunft zählt 80 Mitglieder
Wolfskehlen mitsamt Bock, Schaffle, Waschweiber und Narrensamen sowie die musizierenden Gassafeger sind die sechs Figuren der Feuerbacher Zunft. Fast 80 Mitglieder zählt sie inzwischen. Alle Figuren haben Bezüge zur Geschichte, fast immer auch zur Geschichte Feuerbachs. Bei den Wolfskehlen, einer Figur vom Typus des Wilden Mannes, reichen die mythologischen Fäden bis ins späte Mittelalter.
Zwei dieser aus Lindenholz gefertigten Wolfskehlenmasken liegen bei Paysan aktuell auf der Werkbank. Inzwischen kommen die Schnitzwerke nach seinen Vorgaben von einem Holzbildhauer aus Waldkirch. Für neue Mitglieder der Wolfskehlengruppe erhalten die Masken eine individuelle Farbfassung.
Um den Farbton optimal auf die Wünsche der Träger abzustimmen, hat Paysan verschiedenfarbige Hartwachsöle angemischt. „Ich trage sie in mehreren Schichten durchscheinend auf, um die Fellstruktur zu betonen“, erklärt er. „Augen und Zähne werden deckend bemalt.“ Auch bei den laut scheppernden Messingschellen der Wolfskehlen braucht die Zunft Nachschub.
Die Gründungsidee fußt auf einer Sammlung afrikanischer Masken
Hergestellt werden die hutförmigen Hälften der Schellen bei einer Kornwestheimer Metalldrückerei. Die Schlitze der Schellen werden von Zunftmitgliedern gesägt und gebohrt. Sie runden auch die Kanten des Eisenklötzchens ab, das im Innern der Kugeln für den richtigen Klang sorgt. Dann gehen die Hälften zurück zum Hersteller, der sie zusammenfügt. „So ein Gschell macht einen ordentlichen Krach“, schmunzelt Paysan.
Eine Besonderheit ist die Gürtelschnalle, die den Schellengurt der Wolfskehlen zusammenhält. „Die habe ich nach keltischem Vorbild, dem sogenannten Gürtelhaken von Hölzelsau aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, nachmodelliert.“ Eine ganze Serie davon habe er vor Jahren in Kamerun gießen lassen.
Womit Paysan den Bogen zur Gründung der Feuerbacher Narrenzunft schlägt. Denn der Auslöser, eine Maskengruppe im protestantischen Feuerbach zu gründen, kam aus dem eigenen Elternhaus. Dieses beherbergte eine umfangreiche Sammlung afrikanischer Masken und Figuren, die seine Eltern, der Fotograf Klaus Paysan und die Illustratorin Angela Paysan, auf ihren Reisen quer durch Afrika zusammengestellt hatten.
Fasnet als „Antithese zur katholischen Fastenzeit“
Beide, so erzählt der Sohn, trugen zu Lebzeiten hohe Titel in traditionellen Maskenbünden Kameruns. Auch die tropischen Lianenfrüchte, die die Einzelfigur Bock und die Wolfskehlen an den Füßen tragen, sind afrikanischen Ursprungs. Ebenso der Wedel, den die Wolfskehlen mit sich tragen.
Für Moritz Paysan ist der Bezug der Figuren zu nicht christlichen Kulturen stimmig: „Die ganze Fastnacht ist eine Antithese zur katholischen Fastenzeit“, sagt er. Schon bei den Nürnberger Schembartläufen seien 1485 „Mohren“-Darstellungen als Stellvertreter für nicht christliche Kulturen gezeigt worden. „Die mittelalterliche Figur des Wilden Mannes lebte ebenfalls außerhalb der christlichen Gesellschaft “, sagt Paysan.
Zu sehen ist die Feuerbacher Narrenzunft unter anderem am Faschingsdienstag, 4. März, beim großen Umzug in Stuttgart-Hofen.