Der Weingeist ist ein Kobold, der in den Weinbergen lebt und den Weingärtnern hilft, einen guten Wein zu machen. Foto: Eva Herschmann

Der Fellbacher Carneval Club hat am Dreikönigstag die fünfte Jahreszeit eingeläutet – mit einem Fackelzug der Hästräger und einer närrischen Party.

Der beleuchtete Tannenbaum vor der neuen Kelter der Weingärtner Fellbach und die Weihnachtsbeleuchtung an den Häusern in der Kappelbergstraße passten nicht zum närrischen Treiben rundherum. Am Dreikönigstag wurde vom Fellbacher Carneval Club mit dreifachem Ha-Tschi, Feuerwerk, Guggenmusik und dem Wecken der Weingeister die fünfte Jahreszeit eingeläutet, die bis zum Aschermittwoch am 18. Februar geht.

 

Das pietistisch geprägte Fellbach war, anders als der katholische Stadtteil Oeffingen, alles andere als eine Faschingshochburg. Doch am 20. Mai 1981 fanden sich einige Unverdrossene zusammen, um den Fellbacher Carneval Club (FCC) zu gründen. Mit einem Präsidenten, Elferrat, Prinzenpaar und sieben Weingeistern mit selbstgefertigten Masken aus Pappmaché startete der FCC in seine erste Kampagne.

Das FCC-Prinzenpaar spricht zum närrischen Volk: Oberbacchus Marc I. und Keltermäusle Franziska I. Foto: Eva Herschmann

Heute hat der Verein rund 250 Mitglieder und geht in seine 45. Kampagne. In Fellbach wird Karneval mit Garden – den Fellbacher Träuble, Blauburgunder Fünkchen, Rot- und Blauburgunder Funken sowie der Männergarde Spätburgunder – gefeiert. Aber auch die traditionelle Fasnet wird zelebriert, und das mit einer Horde von Hästrägern.

„Das ist unser allerjüngster Weingeist“ – Nachwuchs bei den Narren

140 Weingeister treiben in dieser Kampagne Schabernack. 14 Neue wurden am Dienstag mit dem traditionellen Ritual – einer kräftigen Prise Schnupftabak und einem ebenso kräftigen Schluck Fellbacher Rosé – in die Hästräger-Gemeinschaft aufgenommen. Und, es gibt noch einen Zugang. Denn Zunftmeister Timo Baur und seine Frau Aline, Weingeist und Vize-Präsidentin der Fellbacher Narren, haben vor wenigen Tagen eine kleine Tochter bekommen. „Das ist unser allerjüngster Weingeist“, sagte Markus Schmitt, der zusammen mit Michelle Weinle das Häsabstauben am Dienstag moderierte.

Der Weingeist ist ein Kobold, der in den Weinbergen lebt und durch seine nette Art – dargestellt in der verschmitzten, augenzwinkernden Maske aus Lindenholz – den Weingärtnern hilft, einen guten Wein zu machen. Die Weingeister, so besagt die närrische Legende, schützen den Weinberg vor Eindringlingen, verjagen mit ihren Rätschen die Vögel, die im Herbst die reifen Trauben holen wollen, und fangen die Sonnenstrahlen und Wärme ein, die es für viele Öchsle braucht. Zu sehen sind die Weingeister aber nur während der Fasnetszeit, und sie müssen mit viel Geknalle und Böllerei aus ihrem Schlaf geweckt werden. Dafür zuständig ist der „hauseigene“ Pyrotechniker Peter Notter, der auch beim Fellbacher Herbst fürs Feuerwerk verantwortlich ist.

Während die bunten Raketen über dem Kappelberg aufstiegen, sammelten sich die Weingeister mit Fackeln und stiegen vom Berg herab. Das zahlreich erschienene Publikum auf dem Platz vor der neuen Kelter feierte, und das FCC-Prinzenpaar sprach zum närrischen Volk. Keltermäusle Franziska I. und Oberbacchus Marc I., dessen Eltern schon Fellbachs Narren regierten und dessen Schwester Jasmin auch schon mal Keltermäusle war, versprachen, mit viel Frohsinn, Herz, Leidenschaft und Humor zu regieren.

Guggenmusik und Männerballet eröffnen die närrische Saison

Zur anschließenden Party mit Weingeistertaufe spielten die Guggenmusiker Mixtour aus Weil der Stadt und die Scillamusiker aus Hofen auf, und zwischen Auftritten der Fellbacher Garden legte das Männerballet des Cannstatter Quellenclubs eine flotte Sohle aufs Parkett. Die närrische Jahreszeit hat begonnen, und der beleuchtete Christbaum vor der neuen Kelter hat endgültig ausgedient.