Steffen Kauderer ist seit 50 Jahren beim Kübelesmarkt Bad Cannstatt und seit 25 Jahren Oberkübler. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski/Iris Frey

Er ist seit einem halben Jahrhundert bei den Küblern dabei. „Seit ich laufen kann“, sagt der Cannstatter Oberkübler Steffen Kauderer. Das hat in der Familie Tradition. Wie kommt das?

Wenn der Schultes in der Sauerwasserstadt Bad Cannstatt abgesetzt werden muss, ist Oberkübler Steffen Kauderer regelmäßig lautstark mit Mikrofon und viel Humor zur Stelle – beim Rathaussturm. Dann ist er voll in seinem Element, schaut überall, dass alles klappt. In seinem Leben hat er schon mehr als 30 Rathausstürme erlebt – als Kübler. „Wenn die Fasnet kommt, juckt es einen“, sagt der 54-Jährige und lacht verschmitzt. Er ist von klein auf mit dabei und feiert die Tradition des Fasnets- und Brauchtumsvereins Kübelesmarkt Bad Cannstatt auch unter dem Jahr. Schließlich hat der Verein eine Musik-, Tanz- und eine eigene Theatergruppe, die Scheureburzler. Kauderer sagt: „Jedes Jahr ist es anders“.

 

So war dieses Jahr der Rathaussturm nicht erst am Schmotzigen Donnerstag, sondern anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Kübelesmarkts schon am 6. Januar. „Immer wird etwas geändert und ist etwas neu“, sagt der Oberkübler in dritter Generation und lacht vielversprechend.

Steffen Kauderer (rechts) als Oberkübler beim Rathaussturm in Bad Cannstatt in Aktion. (Archivbild) Foto: Lichtgut

Fasnet im Blut: Der Großvater war schon bei der Gründung der Kübler dabei

Die Familie Kauderer ist seit den Anfängen der Kübler mit von der Partie. „Mein Großvater Hans Kauderer war bei der Gründung des Kübelesmarkts mit dabei“, berichtet der 54-Jährige. „Da bin ich stolz drauf.“ Und damit hat der Opa als Zehnjähriger schon die Wurzeln des Vereins miterlebt, der neben der Fasnet auch das traditionsreiche Fischerstechen ausrichtet. Kauderers Mutter Vera hat die „Waschweiber“ gegründet und damit die Frauen bei der Fasnet aktiv eingebunden. „Anfangs waren die Frauen der Zunfträte bei den ‚Waschweibern’ dabei.“ Sie ziehen seit 1977 in Cannstatt umher und seifen die Männer ein. Auch die Gruppe der „Mondlöscher“ hat Vera Kauderer ins Leben gerufen. „Aus den ‚Mondlöschern’ sind später das Mondlöscherballett und die Tanzgarde entstanden“, so Kauderer.

Kübler in Bad Cannstatt: Vater Robert Kauderer ist Ehrenoberkübler

Und Steffen Kauderers Vater Robert, der in diesem Jahr 90 Jahre alt wurde, war ebenfalls aktiv im Kübelesmarkt, viele Jahre als Oberkübler. Der Senior hat auch den Cannstatter Volksfestverein gegründet. 1992 hat sein Vater das Große Narrentreffen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte mit mehr als 10.000 Hästrägern und Musikern nach Bad Cannstatt geholt. 300.000 Zuschauer erlebten damals das Spektakel. Heute ist Robert Kauderer, der 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten hat, Ehrenoberkübler. Und der Verein Pro Alt-Cannstatt sei ebenfalls ein Kind der Kübler, so Steffen Kauderer, ein Verein, der heute noch Bad Cannstatt prägt. So wurde damals auch vereint und erfolgreich für den Erhalt des Klösterles gekämpft.

Kübler-Nachwuchs: Auch Sohn Joa will sich für den Küblerrat aufstellen lassen

Der Oberkübler blickt optimistisch in die Zukunft, was seinen Verein betrifft: „Wir haben mehr als 600 Mitglieder und keine Probleme mit Nachwuchs“. Und dazu hat er selbst beigesteuert: „Mein Sohn Joa Kauderer wird sich im Mai für den Küblerrat aufstellen lassen. Er wohnt in Bad Cannstatt, ist auch seit der Geburt im Häs und ist 23 Jahre alt.“ Und da werden auch gleich bei ihm Erinnerungen wach: „Ich wurde 1994 in den Küblerrat gewählt, da war ich auch 23 Jahre alt, ich bin ja Baujahr 1971“, sagt Steffen Kauderer, der seit vier Jahren als Palastdirektor im Palazzo-Dinnerzelt auf dem Wasen tätig ist. Sein zweiter Sohn Bill Kauderer studiert im Moment in Portugal und ist nur sporadisch an der Fasnet da.

Fasnet in Not? Sorge über steigende Anforderungen an die Sicherheit

Als Oberkübler führt der 54-Jährige beim Kübelesmarkt Bad Cannstatt den Küblerrat mit seinen 13 Vorständen, der die Geschicke des Vereins lenkt. Da macht er sich höchstens um organisatorische Anforderungen Sorgen, wie das Thema Sicherheit. Die Anforderungen und Auflagen nehmen von Jahr zu Jahr zu, es müsse stets überlegt werden, wie und unter welchen Rahmenbedingungen die Fasnet in Zukunft stattfinden könne.

„Einmal vom Fasnetsvirus infiziert, kommt man nicht mehr weg“

Doch: Wenn man das Fasnetsvirus verinnerlicht habe, komme man nicht mehr weg, sagt der 54-Jährige. Seine Eltern haben ihn früh mitgenommen. Er war immer mittendrin. „Es macht Spaß“, sagt er und setzt sich gerne fürs Foto auf die Holzbalken, neben denen das aktuelle Felbenhäs im Stadtmuseum ausgestellt ist. Daneben, in der Vitrine, ist das Beispiel seines Hutes mit der langen Fasanenfeder, die er etwa auch beim Rathaussturm trägt. Erst war er im Häs als Felbe, dann Brandmeister und hat die Mondlöscher geleitet, dann Zunftrat und seit 25 Jahren Oberkübler. Er hat das europäische Narrenfest, das Große Narrentreffen der Vereinigung Schwäbisch-Allemannischer Narrenzünfte 2020 mit über 20.000 Narren in Bad Cannstatt mit organisiert und begleitet. Immer spielt viel Herzblut und Leidenschaft mit.

Kauderer ist stolz auf seine Mit-Küblerinnen und -Kübler. Was sie bei der aktuellen Ausstellung im Stadtmuseum Bad Cannstatt gemeinsam gestemmt haben, das freut ihn: „Wir haben Macher bei uns. Da geht einem das Herz auf“, sagt er und strahlt mit Olaf Betsch und Sarah König um die Wette. Und der Einsatz aller sei das ganze Jubiläumsjahr über so toll gewesen. „Wir haben eine super Gemeinschaft und sind eine große Familie.“ Die Dynastie also wächst und gedeiht, nicht nur bei den Kauderers, gleichermaßen bei den Küblern.

Im Stadtmuseum Bad Cannstatt, Marktstraße 71/1 gibt es noch bis 11. Januar 2026, die Jubiläumsausstellung 100 Jahre Kübelesmarkt zu sehen, „Cannstatt, Kübler, Felbaköpf. Eine Familie, viele Gesichter.“ Informationen unter: www.stadtmuseum-badcannstatt.de