Beim Kübelesrennen auf dem Cannstatter Marktplatz zeigen sich diesmal die Parteien auffällig ehrgeizig. Den Sieg fährt aber ein Team ein, für das Schnelligkeit zum Geschäft gehört.
Nicht wie geplant 30, sondern nur 28 Teams aus Täfelesträgern, Fahrern und Schiebern waren es, die in diesem Jahr beim Höhepunkt der Cannstatter Fasnet, dem Kübelesrennen auf dem Marktplatz, gegeneinander antraten. Die Erkältungswelle hatte das Feld gelichtet, bevor auch nur ein Holzkübel am Schmotzigen Dunschtig auf die Strecke ging. Wie immer galt dabei: Wer im Zweikampf am schnellsten den Parkour aus Wippe, Mondlicht, Stadttor und Wagenrad hinter sich bringt, gewinnt. Eigentlich ganz einfach.
Wären da nicht immer die fiesen Drängler und Falschabbieger, die in ihren Hemdglonker-Nachthemden versuchen, die strengen Regeln von Rennleiter und Oberkübler Steffen Kauderer möglichst großzügig für sich auszulegen. Blaue Flecken werden da billigend in Kauf genommen. Ganz nach dem Motto: Wo wie die sprichwörtliche g‘senkte Sau gerast wird, kann es auch krachen.
Vor allem wegen des Regens, der das Kopfsteinpflaster in eine seifige Piste verwandelt hatte, krachte es zum großen Vergnügen der vielen Zuschauer auf dem pickepackevollen Marktplatz dieses Jahr besonders oft und kräftig. Wie immer erwies sich die gefürchtete Wippe als Hindernis, wo die Spreu sich vom Weizen trennt.
Ein Testlauf der besonderen Art war das Kübelesrennen einen Monat vor der Landtagswahl für die angetretenen politischen Parteien. Die gaben sich – wie zu erwarten war – trotz rutschigem Geläuf dieses Mal betont siegessicher.
Parteien zeigen sich angriffslustig – Vorzeichen für Landtagswahl?
Da war zum Beispiel die Equipe des SPD-Volt-Kübels. Deren Besatzung, bestehend aus der Landtagsabgeordneten Katrin Steinhülb-Joos, Schieber und SPD-Gemeinderatsfraktionschef Stefan Conzelmann sowie Stadträtin Lucia Schanbacher, hatte sich vorgenommen, an die einstigen Erfolge anzuknüpfen: „Wir sind ja im vergangenen Jahr sensationell auf den zweiten Platz gefahren“, gab vor dem Rennen Conzelmann zu bedenken. Daraus auf die aktuelle Form zu schließen, erwies sich dann allerdings als Trugschluss: Platz 14 war am Ende dann doch nur so mittelmäßig gut.
Nicht viel besser der FDP-Kreisverband: Ein verunglückter Start des Trios nahm Moderator Kauderer zum Anlass, launig darauf hinzuweisen, dass „die FDP wieder einmal hinterherhinkt.“ Der 13. Platz dürfte auch hier die Erwartungen nicht erfüllt haben. Oder vielleicht doch?
Ganz anders die Grünen um Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Gemeinderatsfraktionschef Björn Peterhof: Angriffslustig wie kein zweiter Kübel, drängte das Team gleich am ersten Hindernis seine Kontrahenten bemerkenswert gnadenlos aus der Spur. Dazu passte Olschowskis kämpferische Ankündigung: „Dieses Jahr wollen wir es wissen!“ Das reichte immerhin für Platz sieben im Ranking.
Nicht aber, um die CDU hinter sich zu lassen: Die rutschte zwar einmal böse auf glatten Untergrund aus, rappelte sich dann aber schnell wieder auf. Die Stadträte Beate Bulle-Schmid, Leonhard Rzymann und Markus Reiners errangen am Ende Platz 6 und landeten damit vor allen anderen Parteikübeln. Wenn das kein Omen ist? Reiners dazu abgeklärt: „Heute zweiter, dritter oder sechster werden und bei der Wahl erster, so wäre es mir recht.“
Sportlich übermotiviert zeigten sich bei ihrem zweiten Auftritt beim Cannstatter Kübelesrennen die Kicker vom VfB Stuttgart um Torwart-Legende Timo Hildebrand: Die reichlich chaotische Fahrt des VfB endete weit abgeschlagen im Tabellenniemandsland. Ähnlich bekleckerte sich leider auch das Team der Stuttgarter Zeitung, das erstmals antrat, nicht mit Ruhm. Platz 19 lässt aber für weitere Auftritte beim Kübelesrennen hoffen.
Die Freiwillige Feuerwehr Sommerrain hängt alle ab
Geplant hatte das in diesem Jahr zum 20. und letzten Mal Kübler Jochen Weigel. Er zieht sich zurück und übergibt den Stab an Kathrin König, „Hästrägerin und Apothekerin aus Waiblingen“, wie Weigel erklärt. Er verabschiede sich mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“.
Davor kürten Weigel und Kauderer aber noch die Gewinner des diesjährigen Cannstatter Kübelesrennen: Schneller als die Freiwillige Feuerwehr Sommerrain war kein anderes Team im Feld. „Wenn es darauf ankommt, müssen wir halt schnell sein“, kommentierte Abteilungskommandant Hans-Peter Abt lächelnd den Erfolg. Der Siegerpreis: Eine Riesenbrezel, die sich die rasenden Feuerwehrmänner reichlich verdient haben.